Lennep

Grundschule wird Flüchtlingsheim

In der ehemaligen Lenneper Grundschule Am Stadion soll eine Erstunterkunft für Geflüchtete entstehen.
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In der ehemaligen Lenneper Grundschule Am Stadion soll eine Erstunterkunft für Geflüchtete entstehen.

In der ehemaligen Grundschule in Lennep entsteht eine zusätzliche Erstunterkunft – zunächst für 100 Menschen.

Von Frank Michalczak und Lucas Hackenberg

Remscheid. Die ehemalige Grundschule Am Stadion in Lennep soll künftig als Flüchtlingsunterkunft dienen. Dies erklärte Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke im Remscheider Stadtrat auf eine Nachfrage von CDU-Politiker Alexander Schmidt. Wann dort die ersten Menschen einziehen, stehe noch nicht fest. „Zunächst muss ein Brandschutzkonzept erarbeitet werden. Das kann noch einige Monate dauern.“

Wie der städtische Gebäudemanager Thomas Judt berichtet, können in einem ersten Schritt 100 Bewohner ein Dach über den Kopf erhalten. Dazu werde die Stadt die Turnhalle und jene Räume im Gebäudekomplex nutzen, die bis zuletzt der Kinderbetreuung dienten. Die benachbarte Grundschule Freiherr vom Stein fand hier bis Ende Dezember ein Übergangsdomizil für Freizeit- und Förderangebote, weil ein Gebäude auf ihrem Gelände saniert wurde.

Der zweite Schritt bei der Umwandlung der Schule in eine Flüchtlingsunterkunft entpuppt sich indes als deutlich komplizierter. „Wir müssten im Hauptgebäude Vandalismusschäden beseitigen“, berichtet Judt. Unbekannte hatten immer wieder ihr Unwesen getrieben: Unter anderem seien Türen demoliert, Elektroleitungen zerstört worden.

So käme es zu einer Teilsanierung in einem Gebäude, das eigentlich längst abgerissen sein sollte: Das Gelände am Stadion sollte ursprünglich unter dem Designer Outlet Center verschwinden. Alles in allem könnten nun bis zu 300 Menschen in dem Gebäude eine vorübergehende Bleibe finden, sagt Judt.

Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke.

Das aber liegt für Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke in weiter Ferne, wie sie auf RGA-Anfrage hervorhebt. „Hinter dieser Sanierung setze ich ganz viele Fragezeichen. Uns geht es um einen kurzfristigen Puffer, um 100 Menschen unterbringen zu können.“ Während die Erstunterkunft in Hölterfeld Ukrainern vorbehalten ist, geht Barbara Reul-Nocke davon aus, in Lennep Menschen mit vielerlei Nationalitäten versorgen zu müssen. Sie sollen in Klassenzimmern leben und in der Turnhalle ihre Mahlzeiten einnehmen.

Mit all dem trägt die Stadt Remscheid den hohen Flüchtlingszahlen Rechnung. In einer Mitteilung an den Integrationsrat heißt es, dass Remscheid 2023 die Ankunft von rund 500 neuen Flüchtlingen zu erwarten hat. Als Einrichtung für die Erstaufnahme fungiert bisher lediglich das ehemalige Schulgebäude Hölterfeld – nun soll die Erstunterkunft für Geflüchtete in Lennep hinzukommen.

Schon im vergangenen Jahr verzeichnete die Stadt einen großen Zustrom an Geflüchteten. Ein Großteil ist dabei auf den Krieg in der Ukraine zurückzuführen. 478 reguläre Zuweisungen an Remscheid gab es im Jahr 2022. Hinzu kamen 862 ungesteuerte Zuzüge aus der Ukraine. Insgesamt waren Anfang Januar dieses Jahres 1543 Flüchtlinge in städtischen Einrichtungen untergebracht.

Um Herr der Lage zu werden, kommt es auch zu einer Reaktivierung der Flüchtlingsunterkunft am Lenneper Talsperrenweg, wo Barbara Reul-Nocke nun ebenfalls relativ kurzfristig Menschen unterbringen kann. „Zumindest sind die Arbeiten in der oberen Etage abgeschlossen, so dass wir hier Platz für 20 bis 25 Personen haben.“ Nach Abschluss des Umbaus könnten bis zu 100 Menschen in abgetrennten Wohneinheiten im Haus dem Talsperrenweg leben.

Ein weiterführendes Problem spricht die Vorsitzende des Integrationsrates, Erden Ankay-Nachtwein, an. Während sie sich bei der Unterbringungsproblematik optimistisch zeigt, bereitet ihr die nachfolgende Integration große Sorgen: „Momentan werden zwar Integrationskurse angeboten, die Möglichkeit der Kinderbetreuung währenddessen fällt aber oftmals weg.“ Daher sei das Angebot etwa für Mütter unattraktiv, sagt sie.

Vorgeschichte

2017 verließen die Mädchen und Jungen die katholische Grundschule Am Stadion in Lennep. Sie fanden eine neue Heimat an der Leverkuser Straße, wo die Einrichtung nun Katholische Grundschule Franziskus heißt – und einen Namenszusatz erhielt. Der Umzug stand in Zusammenhang mit dem Designer-Outlet-Center, das durch den Abriss der Schule Platz erhalten sollte. Bedingung war für die Stadt Remscheid, das Gelände in jedem Fall zu vermarkten. um die Kosten zu finanzieren. Seit dem Aus für das DOC-Großprojekt werden neue Ideen für die Grundstücke gesucht – darunter auch für das Schulgelände am Übergang zur Lenneper Altstadt.

Standpunkt von Frank Michalczak: Aus der Not geboren

frank.michalczak@rga.de

Es ist schon eine etwas ungewöhnliche Dramaturgie: Da sind die Lenneper aufgefordert, Ideen für die Grundstücke zu geben, die dem Designer-Outlet-Center (DOC) vorbehalten waren. Und nun erfahren sie, dass zumindest ein Teilbereich einstweilen als Flüchtlingsunterkunft dient. Diese Entscheidung wird den Verantwortlichen bei der Stadt Remscheid nicht leichtgefallen sein. Sie ist aus der Not geboren worden, weil bei der Verwaltung offenbar niemand mehr weiß, wo all die Geflüchteten untergebracht werden sollen, die in diesem Jahr angesichts des Weltgeschehens noch ankommen werden. So viel steht fest: Eine jahrelange Dauerlösung darf die Erstunterkunft in der ehemaligen Grundschule Am Stadion nicht sein. Das Gelände muss gemeinsam mit den Nachbarflächen vermarktet werden, um Lennep neue Perspektiven zu eröffnen. Das ist bitternötig, nachdem der Traum vom mutmaßlichen Publikumsmagneten DOC endgültig geplatzt ist.

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