Suche hat ein Ende

Grundschul-Sanierung: Zimmerer geben Angebote ab

Heino Steffen, Malergeselle bei der Firma Friese, hat mit den Arbeiten an der Fassade begonnen. Foto: Doro Siewert
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Maler Heino Steffen kümmert sich um die Fassade.

Die Stadt Remscheid hat zwei Angebote von Zimmereifachbetrieben erhalten.

Remscheid. Update vom 8. Oktober 2020: Die Stadt Remscheid hat zwei Angebote von Zimmereifachbetrieben erhalten, die sich um die Balkensanierung im Nebengebäude der Grundschule Freiherr-vom-Stein in Lennep kümmern sollen. Das erklärt Gebäudemanager Thomas Judt auf RGA-Nachfrage. Diese beiden Angebote würden derzeit geprüft. 

Zuletzt hatte es Kritik an der Vergabe gegeben. Lokale Handwerker bemängelten, sie seien nicht gefragt worden, die Stadt suche aber bis in die Eifel nach einem geeigneten Betrieb. Zudem prangerte einer davon das Vergabeverfahren an. Auch der RGA und Bezirksbürgermeister Markus Kötter (CDU) leiteten Adressen weiter. 

Gebäudemanager Thomas Judt hakte nach. Sollten sich die Stadt und der potenzielle Zimmerer einig werden, könnte die Balkensanierung in der Woche ab dem 2. November starten. Andere Arbeiten laufen bereits. Daher müssen die 100 Kinder, die den Offenen Ganztag der Freiherr-vom-Stein-Schule nutzen, derzeit von der Hardtstraße ins Ausweichquartier der KGS Am Stadion wandern – und wieder zurück. Die Stadt hofft, alle Arbeiten noch dieses Jahr abschließen zu können. 550.000 Euro stehen für die Sanierung bereit. -mw-

Artikel vom 29. September 2020

Grundschul-Sanierung: Zimmerer melden sich auf RGA-Bericht

Grundschule Freiherr-vom-Stein: Die Stadt suchte vergebens nach Handwerkern für die Sanierung. Die sind nun gefunden – nach einem RGA-Bericht.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Nachdem der RGA und Lenneps Bezirksbürgermeister Markus Kötter (CDU) der Stadt lokale Zimmereibetriebe empfohlen haben, zeichnet sich eine Lösung für das Nebengebäude der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Freiherr-vom-Stein in Lennep ab: Gebäudemanager Thomas Judt erwartet diese Woche noch Angebote von zwei hiesigen Zimmereifachbetrieben, die sich um die Balkensanierung kümmern wollen. Denn die Balken sowie das Treppenhaus zum Dachgeschoss sind marode. Die Arbeiten für die Gewerke Dach, Boden, Fassade, Anstrich, Abbruch- und Trockenbau sind laut Judt vergeben.

Nachdem sich lange nichts getan hat und die Eltern der betroffenen Kinder schon einen Brandbrief an die Politik geschrieben hatten, geht es nun los: Nachdem das Gebäude an der Hardtstraße bereits vergangene Woche eingerüstet wurde, sind jetzt die Handwerker im Inneren zugange: Sie erneuern die Decken und entfernen im Zuge der Sanierung gleich die alten Mineralfasern. Die berühmte Glaswolle gilt heute als krebserregend. Danach wird die Decke von oben und unten neu aufgebaut.

Remscheid: Balkensanierung an Grundschule noch dieses Jahr?

Auch Maler Friese aus Remscheid hat am Dienstag seine Arbeit aufgenommen: Er knöpft sich die Fassade vor. Wenn sich die Stadt mit einem Zimmereibetrieb handelseinig wird, könnte die Balkensanierung in der Woche ab dem 2. November starten – und mit etwas Glück noch dieses Jahr abgeschlossen werden, hofft der Gebäudemanager. 550 000 Euro stehen für die Sanierung bereit.

„Wir können nicht alles im Stundenlohn machen, sonst haben wir einen zweiten Berliner Flughafen.“

Gebäudemanager Thomas Judt zum Leistungsverzeichnis

Letzte Woche hatte Thomas Judt erklärt, die Stadt und das eingesetzte Architektenbüro fänden keinen Zimmereibetrieb, der die Balkensanierung übernehmen wolle. Es habe Absichtserklärungen gegeben, aber keine Angebote. Daher habe man sich auf die Suche bis in die Eifel begeben. Darüber berichtete der RGA.

Das sei überhaupt nicht nötig, befindet Markus Kötter in seinem offenen Brief, den er am Freitag an Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz schickte – und lieferte direkt die Adresse einer Remscheider Fachfirma dazu. „Seit Jahren wird bereits über den Zustand des Gebäudes diskutiert – unter anderem in der Bezirksvertretung Lennep. Der Zustand ist untragbar“, schreibt Kötter, der sich selbst auf die Suche begab, nachdem in der Sitzung der Bezirksvertretung am Mittwoch der Grund für die Verzögerung ans Licht gekommen war. Weitere Handwerker meldeten sich beim RGA, darunter Börge Oelbermann.

Handwerker fragen sich, warum die Stadt sie nicht angesprochen hat

Der Remscheider führt in Sonnenschein eine Firma, die sich auf Trockenbau, Holzbau und Zimmerei spezialisiert hat – und arbeitete bereits des Öfteren mit der Stadt zusammen, zuletzt an der EMA. Er fragt sich, warum die Stadt ihn nicht angesprochen hat. Schließlich kenne er die Baustelle: „Wir haben das stark betroffene Treppenhaus bereits begutachtet.“ 

Vor ein paar Wochen habe er das Leistungsverzeichnis des externen Architekturbüros erhalten. Darin sind die Arbeitsschritte vermerkt. „Ich konnte dieses aber nicht ausfüllen, da es nicht alle erforderlichen Arbeitsschritte abdeckte und fachlich ungenügend war“, sagt Oelbermann. Knackpunkt laut dem Handwerker: Die Stadt fordere in manchen Bereichen eine Pauschalabrechnung, die er nicht leisten könne. „ Das wäre russisches Roulette.“ Er habe der Stadt mitgeteilt, dass er gerne weiterarbeiten würde, aber so keine Preise abgeben könne. Ob die Stadt nicht noch einmal nachbessern könne?

„Nein“, sagt Thomas Judt. „Ich denke schon, dass das Leistungsverzeichnis angemessen ist. Es mag sein, dass es für den einen oder anderen Zimmereibetrieb schwierig ist, zu kalkulieren, aber wir können nicht alles im Stundenlohn machen, sonst haben wir einen zweiten Berliner Flughafen.“

Ihm sei die dringliche Lage bewusst. Denn das Nebengebäude der GGS Freiherr-vom-Stein wird vom Offenen Ganztag genutzt. 100 Kinder müssen deshalb seit drei Monaten zur benachbarten KGS Am Stadion pendeln. Die Kinder nehmen es mittlerweile gelassen, sagt die Schulleiterin: Ihnen gefällt das neue Domizil eigentlich ganz gut. Jedoch ist Eile geboten: Kommt Bewegung in die DOC-Pläne, wird die KGS Am Stadion als erstes abgerissen. 

Pendelverkehr

Die Kinder müssen nach dem Unterricht an der Hardtstraße zum Mittagessen in die Schule Am Stadion gehen. Dann geht es zurück zur Hausaufgabenhilfe in die Freiherr-vom-Stein-Schule – und wieder zurück in die Schule Am Stadion zur Freizeitbetreuung.

Standpunkt: Das ist nicht vermittelbar

Von Axel Richter

axel.richter@ rga-online.de

Seit drei Monaten laufen 100 Kinder in Lennep von einem Schulgebäude ins andere. Das ist durchaus zumutbar. Die Strecke beträgt 300 Meter, der Sommer war trocken, und Bewegung tut Kindern gut. Nun steht indes die dunkle Jahreszeit an, weshalb die Eltern ungeduldig wurden und das aus nachvollziehbaren Gründen. Das Wetter wird ungemütlicher, die Sicht schlechter, die Tage kürzer, weshalb für die Grundschulkinder die Gefahren im Straßenverkehr zunehmen. Zudem mussten sie feststellen, dass es in der Zwischenzeit überhaupt nicht vorangegangen ist in dem sanierungsbedürftigen Schulgebäude. 

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass sich Stadt und Handwerksbetriebe den Schwarzen Peter nun gegenseitig zuschieben. Wir finden keinen Zimmerer, sagt die Stadt. Wir sind nicht gefragt worden, entgegnen die Handwerker. Und am Ende ist es ein Leistungsverzeichnis, das als Erklärung dafür herhalten muss, dass nichts geschehen ist. Den Eltern und ihren Kindern ist ein solches bürokratisches Hickhack nicht nur egal, es ist ihnen auch nicht vermittelbar. Sie verlangen mit Fug und Recht nur eins: dass ihr Schulgebäude jetzt endlich saniert wird. 

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