Leiterin der Kita Kremenholler Straße

Gitta Dicke geht in den Ruhestand

Abschied auf Abstand: Nach 35 Berufsjahren bei der Stadt Remscheid wurde Gitta Dicke am Freitag mit Autocorso und rotem Teppich in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Foto: Michael Schütz
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Abschied auf Abstand: Nach 35 Berufsjahren bei der Stadt Remscheid wurde Gitta Dicke am Freitag mit Autocorso und rotem Teppich in den verdienten Ruhestand verabschiedet.

Ihr allerletzter Tag ist ausgerechnet der, an dem alle Kinder zurück in ihre Gruppen dürfen.

Von Andreas Weber

Remscheid. Die Kita Kremenholler Straße öffnet, Gitta Dicke geht. Den Abschied am 8. Juni hätte sich die Leiterin der Einrichtung anders vorgestellt. Doch Corona ließ sich nicht planen. Einen Tag später, an ihrem 62. Geburtstag, beginnt die Freistellungsphase ihrer Altersteilzeit. Nach 35 Berufsjahren ist Schluss, nach einer turbulenten, nervenzehrenden Schlussphase.

Gitta Dicke fühlt mit allen drei Seiten mit. Mit den Eltern, den Kindern und ihren Kolleginnen. Was kommt auf die Kitas zu, wenn sie ihre wohlverdiente Freizeit genießt? „Corona ist ja nicht weg. Ein mulmiges Gefühl bleibt bei den Kolleginnen. Denn wir können in unserem Alltag keinen Abstand halten“, sagt die scheidende Leiterin. Nah am Kind, das ist eigentlich das, was das Personal stets sein möchte. „Jeder freut sich, dass die Notbetreuung vorbei ist, und unsere Kinder in Kremenholl alle wieder da sind.“ Die Sorgen um eine Ansteckung nimmt ihnen allerdings keiner.

Gitta Dicke hat in den vergangenen Monaten beobachtet, unter welchem Druck viele Eltern stehen, weil Vater und Mutter beide arbeiten müssen. Sie weiß aber auch um den anderen, nicht gerade kleinen Block Eltern, die ihren Nachwuchs zu Hause lassen.

Als sie in den 60er Jahren mit vier Schwestern in einem Dorf bei Gummersbach aufwuchs, war dies gang und gäbe. Gitta Dicke besuchte keinen Kindergarten. Vor einem halben Jahrhundert war das nicht üblich, weil die meisten Mütter zu Hause waren. Nach 1985 und ihrem Anerkennungsjahr in der Städtischen Kita Kremenholler Straße erlebte Gitta Dicke einen Beruf im radikalen Wandel.

Es gab keine Familienzentren, keine U 3, nachmittags blieben nur wenige Kinder, zwei Jahre in der Kita waren die Regel. „Heute sind es vier Jahre und da bleibt deutlich mehr Zeit, etwas zu vermitteln.“ Das ist positiv, denn Kitas haben längst Bildungsaufträge. Auch das ist ein großer Unterschied zu Dickes Anfängen. „Da stand das Spielen im Vordergrund.“ Heute bereiten Kitas die Kleinen auf die Grundschule vor. Es gibt Dokumentationen, Beobachtungen, Elterngespräche, Themenangebote, Partizipation. In der Kremenholler Straße 60a wird zum Beispiel einmal wöchentlich eine Kinderkonferenz abgehalten. Längst wird nicht mehr alles gemeinsam gemacht. Individualität wird betont. „So kann es sein, dass ein Kind Schmetterlinge bastelt und das andere mit Lego baut.“

Die Anforderungen an das, was Kita zu leisten hat, sind hochgefahren worden. Ob das alles notwendig ist, da hegt Gitta Dicke leise Zweifel. „Ich wünsche mir bei der Kindererziehung politisch mehr Entspannung“, sagt sie. „Mehr Lockerheit täte gut, anstatt immer neue Programme aufzulegen.“ Seit 2005 leitet sie die Kita, in der alles begann und in der sich nun der Kreis schließt.

Die Mutter zweier Töchter hatte ihre erste Leitungsfunktion 1990 in der zweigruppigen Kita Halbach (heute Imoko), stieg nach einer dreijährigen Elternzeit 2001 als Leiterin der Kita Arnoldstraße wieder ein. Die war zweigruppig. Fünf Jahre später wollte Gitta Dicke in Vollzeit mehr, nahm die Herausforderung einer doppelt so großen Einrichtung in Kremenholl an, die heute 87 Kinder zählt. Sie war dort Managerin eines kleinen Unternehmens mit einem riesigen Spektrum an Aufgaben und Verantwortung – vom Personaleinsatz über die pädagogische Konzeption bis zur wirtschaftlichen Planung.

„Ich habe nach meinem Realschulabschluss mit 16 Jahren als Kinderpflegerin in einem Kinderheim angefangen“, sagt Gitta Dicke und verweist darauf, dass nach dieser langen Wegstrecke etwas anderes im Vordergrund stehen darf. „Ich gehe mit einem weinenden Auge, freue mich aber darauf, meine Freizeit kreativ zu gestalten.“ Sie sei fit genug, andere Aufgaben zu finden. Sport und Wandern gehören mit Sicherheit dazu. Auch ein Ehrenamt möchte sie mittelfristig übernehmen. Was genau? „Das lasse ich in Ruhe auf mich zukommen.“

Zur Person

Gitta Dicke, 1958 geboren, aufgewachsen bei Gummersbach im Oberbergischen. Erste Arbeitserfahrungen sammelte sie nach der Realschule in einem katholischen Kinderheim in Gummersbach. Die Liebe verschlug sie nach Remscheid, wo sie am Käthe-Kollwitz-Kolleg in Remscheid zur Erzieherin ausgebildet wurde und danach 1985 ihr Anerkennungsjahr in der städtischen Kita Kremenholler Straße leistete. Seit 2005 ist sie die Leiterin der Einrichtung, in diese Zeit fällt der Ausbau zum Familienzentrum. 2018/19 ließ sich Gitta Dicke zur Konfliktmanagerin der Stadt Remscheid ausbilden.

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