Teo Otto Theater

Gil Ofarim zieht Publikum in den Bann

TV-Schauspieler und Womanizer Gil Ofarim (l.) verband in seiner Rolle als Simon Doyles Stil Charme und taktisches Geschick. Auch die anderen Schauspieler des Theaters Carpe Artem wussten die 160 Besucher im Teo Otto Theater zu überzeugen. Fotos: Roland Keusch
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TV-Schauspieler und Womanizer Gil Ofarim (l.) verband in seiner Rolle als Simon Doyles Stil Charme und taktisches Geschick.

„Tod auf dem Nil“ im Teo Otto Theater – 160 Zuschauer wollten die Bühnenfassung des Krimis sehen.

Von Elisabeth Erbe

Remscheid. Am Dienstagabend präsentierte das Teo Otto Theater das Schauspiel „Tod auf dem Nil“ nach dem Krimi von Agatha Christie. 1937 veröffentlichte die Autorin ihren zwölften von insgesamt 33 Poirot-Krimis. Das Theater Carpe Artem startete 2019 die bislang erste deutsche Theatertournee von „Tod auf dem Nil“ und überzeugte vor allem mit der zwielichtigen Rolle Simon Doyles alias Gil Ofarim. Ohne Allüren verbindet der Womanizer Stil, Charme und taktisches Geschick. Ofarim ist bekannt aus TV-Serien („Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ sowie „Let’s Dance“) und als Sänger und Songwriter.

Der Krimi von Christie ist ein Meisterwerk und erlangte durch die Verfilmung mit Sir Peter Ustinov 1978 Kultstatus. Als Theaterstück sorgte die Geschichte für Spannung und gute Unterhaltung. Die wunderschöne und gut betuchte Linnet heiratete Simon (Gil Ofarim), den ehemaligen Verlobten ihrer besten Freundin Jaqueline (Lisa Bales). Auf der Hochzeitsreise, eine Fahrt auf dem Nil in Ägypten, treffen sich alle drei wieder– und der Ärger ist vorprogrammiert.

Auch die anderen Schauspieler des Theaters Carpe Artem wussten die 160 Besucher im Teo Otto Theater zu überzeugen.

Mit temperamentvollen Dialogen schufen die Schauspieler vor mehr als 160 Besuchern im Teo Otto Theater eine hitzige Atmosphäre. Für exotische Atmosphäre sorgte das Bühnenbild. Der Salon eines Schiffes mit Blick auf den Nil, vorbei „am verborgenen Horizont“. Nur am Rand der Bühne spielen sich Gedanken, Überlegungen und Rückblicke ab. Während der Pfarrer akribisch Indizien sammelt, verstricken sich die Passagiere in seltsame Rechtfertigungen. Im Zentrum des Geschehens steht ein psychologisches Gemälde, das sich aus abwechslungsreichen Dialogen zu einem literarischen Kunstwerk verwandelt. Jaqueline kann ihren Ex-Verlobten nicht loslassen und schürt Rachegedanken. „Beerdigen Sie Ihre Toten“, rät ihr der Pfarrer und wünscht ihr endlich inneren Frieden. Überzeugend mimt sie die Verlassene und betrinkt sich am Abend. Sie spielt ihre Rolle hervorragend, voller Theatralik und Leidenschaft. Die Dramatik spitzt sich zu. Die verbitterte Ex-Verlobte zieht ihren Revolver und zielt auf den Mann ihrer Begierde. Ein Knall. Ein Schrei. Licht aus.

Es folgte eine Pause, in der sich die Besucher rege austauschten. Maike Scholz war zum ersten Mal seit der Pandemie wieder im Theater. „Es ist richtig gut gemacht. Man hat das Gefühl, mittendrin dabei zu sein, ein Teil der Passagiere zu sein“, schwärmte sie in der Pause. Ihr gefielen besonders die Nebenrollen. „Die kleinen Storys nebenbei waren besonders amüsant, wenn man darauf achtet“, sagte sie.

Und recht hatte sie. Simon, ein Passagier, sorgte mit sarkastischen und gesellschaftskritischen Bemerkungen für heitere Stimmung. Auch als die Dramatik ihren Höhepunkt erlangte, konterte er gewitzt gegen die Zwei-Klassen-Gesellschaft. Und mittendrin stellte er einer Passagierin einen Heiratsantrag und war trotz Ablehnung guten Mutes.

Die Figuren brachten Emotionen auf die Bühne und zogen ihr Publikum in ihren Bann. Die Eindringlichkeit der Darstellung weckte im Zuschauer Empathie und Verbundenheit. Der Vergleich mit anderen Menschen und eine kritische Selbstbetrachtung keimtenauf.

Remscheid: Das Publikum schenkte einen langen Applaus

Der Pfarrer recherchierte und interviewte die Gäste, nachdem Linnet tot aufgefunden war. Auch er selbst hätte ein Motiv gehabt, schließlich war er der Onkel der Toten und erschlich sich vorab viele Spendengelder. „Doch jeder hat ein Motiv“, sagte er. Am Ende entlarvte er den eigenen Ehemann als Mörder, der mit Hilfe seiner ehemaligen Verlobten einen heimtückischen Plan schmiedete. Das Publikum war begeistert und schenkte langen Applaus.

Gil Ofarim

Gil Ofarim ist aktuell durch einen antisemitischen Vorfall in den Schlagzeilen. Er wurde aufgrund seiner Kette mit dem Davidstern nicht in ein Leipziger Hotel gelassen. Im Stück ließ er sich den Aufruhr um seine Person nicht anmerken, bedankte sich mit Luftküssen beim Publikum.

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