Immobilie abgerissen

Gewag-Zentrale zieht an die Bismarckstraße

Die Gewag hat ihre in die Jahre gekommene Immobilie abgerissen: Der Neubau Bismarckstraße 23 wird ihre neue Zentrale werden. Foto: Roland Keusch
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Die Gewag hat ihre in die Jahre gekommene Immobilie abgerissen: Der Neubau Bismarckstraße 23 wird ihre neue Zentrale werden.

Wohnungsbaugesellschaft verlässt mit ihren 50 Mitarbeitern die Hochstraße. Der Neubau soll 2023 fertig werden.

Von Andreas Weber

Remscheid. Der größte Vermieter der Stadt zieht um. Die Gewag verlagert ihren Hauptsitz von der Hochstraße 1-3 in die Bismarckstraße 23. Die vorbereitenden Baumaßnahmen laufen. Das Gebäude Nr. 23, im Besitz der Wohnungsbaugesellschaft, wird gerade abgerissen. Wer an der Hauptader vom Bahnhof kommend hoch Richtung Markt fährt, steuert an den Schuttbergen vorbei, die nach und nach aus der Häuserlücke mit dem Bagger rausgeholt werden. Die 14 Wohnungen in dem Gewag-Gebäude standen seit rund fünf Jahren leer, die Substanz war nicht mehr zu retten. „Das Haus war am Ende seines Lebens, hatte zudem eine Schadstoffproblematik“, erklärt Geschäftsführer Oliver Gabrian.

Die Gewag schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn sie löst noch ein anderes Problem. Auch ihre Zentrale am anderen Ende der Innenstadt in der Hochstraße ist stark sanierungsbedürftig. Im Oktober 1959 an der Ecke Alleestraße bezogen, muss sie dringend energetisch fit gemacht werden. Büroräume lassen sich mittlerweile im Winter nicht mehr ausreichend heizen, aber die Modernisierung wird sich auch auf die Büros erstrecken, die dem heutigen Arbeitsalltag nicht angemessen sind. „Manche Zimmer haben kein Tageslicht, andere sind zu groß, manche zu klein. Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Oliver Gabrian.

„Die Gegend am Bahnhof hat sich in den 20 Jahren sehr positiv entwickelt.“

Oliver Gabrian, Gewag

Weil aber eine Ertüchtigung der 1,5 Etagen, die die Gewag unterhalb der begehrten Wohneinheiten seit Jahrzehnten nutzt, bei laufendem Betrieb nicht möglich ist, suchte die Gewag nach Alternativen. Und fand sie im eigenen Bestand, der über 1000 Häuser und 6206 Wohnungen umfasst. Architekten rechneten und präsentierten auf vier Etagen Pläne, die exakt für die 50 Mitarbeiter passen.

Platz ist auch deshalb ausreichend vorhanden, weil die Gewag ihre Akten digitalisiert hat und das Thema Homeoffice dazu führt, dass weniger Raum benötigt wird. Etwas über 900 Quadratmeter Bürofläche werden an dem neuen, ebenfalls sehr zentralen Standort entstehen. Oliver Gabrian, der vor drei Jahren Hans-Jürgen Behrendt an der Spitze ablöste, kennt den Bereich um den Hauptbahnhof von vor 20 Jahren, als er für die LEG erstmals die Innenstadt kennenlernte.

„Damals war alles noch nicht so schön. Die Gegend hat sich in den 20 Jahren sehr positiv entwickelt.“ Der Zuzug der Gewag wird ihr einen weiteren Schub geben. Gabrian sieht in dem Neubau auch eine Ergänzung zu bereits bestehenden Immobilien seiner Gesellschaft an der Brunnengasse und der Freiheitstraße.

Die städtische Tochter wird in ihren Umzug 4,5 bis fünf Millionen Euro investieren. In wenigen Wochen werden Aushub und Abriss abgeschlossen sein. Dann kann der symbolische Spatenstich für den Neubau erfolgen. Oliver Gabrian geht von einer anderthalbjährigen Bauzeit aus und hofft, dass das neue, sehr helle Gebäude noch im Spätsommer 2023 bezogen werden kann.

Nicht einfach war es, in der Häuserfront entlang der Bismarckstraße die marode Nr. 23 ohne Schäden an den Nachbargebäuden rauszureißen. „Da musste teilweise per Hand weggestemmt werden“, meint Oliver Gabrian.

Um die Hochstraße 1-3 neu zu vermieten, muss ein Nachfolger gefunden werden. Gabrian spricht von einem ernsthaften Interessenten, den es heute schon gibt. Erst wenn ein Nachmieter unterzeichnet, wird – auch nach dessen Vorstellungen – die Gewag alles entkernen und erneuern. Fest steht, dass die Fenster komplett raus und die Wände neu gedämmt werden müssen. Die Wohnungen darüber werden von der Sanierung nicht betroffen sein. | Standpunkt

Hintergrund

Am neuen Standort Bismarckstraße 23 – schräg gegenüber von der Agentur für Arbeit und dem ADAC-Center – werden genug Parkplätze für das Gewag-Personal vorhanden sein, kündigt Geschäftsführer Oliver Gabrian an. Dieses wird den Wechsel in ein modernes Arbeitsumfeld zu schätzen wissen, das auch davon lebt, dass die Räume alle hell sein werden. Auch einen Sozialraum wird es nach hinten raus zur Bunnengasse geben.

Passend zum Thema: Gewag weiht Komfort-Neubau mit 42 Wohnungen in Lennep ein

Standpunkt: Prunk ist nicht gefragt

Von Andreas Weber

andreas.weber@rga.de

Auf Dauer überzeugen könne die Gewag Mieter nur mit attraktivem Wohnraum, stand in ihrem Geschäftsbericht 2020. Deshalb müsse man sich von nicht zukunftsfähigen Objekten trennen und neu bauen. Bestände müssten erneuert und Standorte wirtschaftlich entwickelt werden. Jüngstes Beispiel: die Hackenberger Straße 34-36, wo 16 alte Wohnungen in zehn überalterten Häusern einem Neubauprojekt wichen. Mit ihrem eigenen Hauptquartier hält es die Wohnungsaktiengesellschaft ähnlich weitsichtig. Der einst markante Glasbau am Eingang zur oberen Allee ist nach über sechs Jahrzehnten in die Jahre gekommen, bedarf einer Generalüberholung. Weil die komplette Belegschaft dafür ausziehen muss, lohnte eine Interimslösung nicht. Die Gewag sah sich nach einer dauerhaften Alternative um und fand diese in einer Baulücke an der Bismarckstraße. Auf den ersten Blick sieht sie nicht danach aus, als könne sie dem größten Remscheider Vermieter mit seinen Bedürfnissen gerecht werden. Ein üppiges Platzangebot wird es auch nicht geben. Prunk kann und will sich die städtische Tochter nicht leisten. Kompakt wird es und funktional.

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