Prozess

Getrennt lebende Ehefrau wendet sich vom Angeklagten ab und verlässt das Gericht

Landgericht Wuppertal
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Das Landgericht in Wuppertal.

Remscheider soll seine zwei Töchter mehr als 60 Mal sexuell missbraucht haben.

Von Dirk Lotze

Remscheid. In einem Prozess um jahrelangen Missbrauch zweier minderjähriger Mädchen in einer Remscheider Familie hat sich die Mutter und getrennt lebende Ehefrau des Angeklagten klar positioniert. Ihr inzwischen 40 Jahre alter Mann hat die sexuellen und teils gewaltsamen Übergriffe gestanden. Die datieren zurück bis ins Jahr 2009 und sollen sich überwiegend im Kinderzimmer zugetragen haben.

Im Zeugenstand des Landgerichts Wuppertal erklärte die Mutter, sie wolle schweigen, nachdem sie der Polizei während der Ermittlungen alles berichtet habe. Über den Mann sagte sie: „Ich möchte nicht länger mit dieser Person in einem Raum sein. Ich will gehen.“

Die ältere Tochter des früheren Paares soll zu Beginn der Übergriffe sieben Jahre alt gewesen sein. Der Vater habe sie gefragt, ob sie wisse, „wie man Kinder macht“. Dann habe er eine Vergewaltigung begonnen. Diese Tochter ist nun volljährig. Die ebenfalls betroffene, jüngere Schwester ist weiter im Jugendlichenalter.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft geht von mehr als 60-fachen Missbrauch aus. Die Taten hätten sich zum Teil ereignet, während das Ehepaar eine Trennungsphase durchlief. Durch das Geständnis hat der Angeklagte seinen Kindern den Großteil der sonst nötigen Befragung vor Gericht erspart. Das Landgericht muss die Vorwürfe unabhängig prüfen.

Nahe Angehörige von Angeklagten dürfen laut Gesetz schweigen. Vor der Ehefrau hatte bereits ein volljähriger Sohn des Paares davon Gebrauch gemacht, ein angehender Student. Ihm war im Gericht sichtlich unwohl. Der Vater hatte versucht, von der Anklagebank Blickkontakt zu ihm aufzubauen. Es misslang. Die Ehefrau ging ohne ein weiteres Wort, nachdem das Gericht sie als Zeugin entlassen hatte. Sie blickte nicht zurück.

Für die Angaben des Angeklagten zu Taten und die Aussage der älteren Tochter war die Öffentlichkeit ausgeschlossen, zum Schutz der Geschädigten. Die inzwischen volljährige Tochter hat dabei nicht nur über ihr derzeitiges Leben und die Folgen der Geschehnisse gesprochen; das hat das Gericht offenbart: Es sei ihr erkennbar ein Anliegen gewesen, über die Taten auszusagen, während der Vater im Saal zuhören musste.

Ein Gerichtspsychiater bestätigte der vorsitzenden Richterin, das sei Teil ihrer Bewältigung: „Sie ist aktiv. Das hat sich auch gezeigt, während ich sie untersucht habe.“ Bei ihren Beschreibungen stelle diese Frau vieles sehr sachlich dar, fügte der Arzt hinzu. Seine psychiatrische Einschätzung: „Wenn man bedenkt, was alles passiert ist, dann zeigt sich da bei ihr fast schon eine Tendenz zur Untertreibung.“

Der 40 Jahre alte Vater befindet sich seit Ende 2020 in Untersuchungshaft. Er ist ausgebildeter Handwerker, hat als angelernte Kraft in der Industrie gearbeitet und war vorübergehend selbstständig. Laut eigener Darstellung konsumiert er seit dem 14. Lebensjahr Cannabis, später sei Alkohol dazu gekommen. Er kenne Kokain und Amphetamin.

Sein Anwalt hatte darüber informiert, dass sein Mandant Anfang 2019 die Familie verlassen habe und vorübergehend im Ausland lebte, ohne dass ein Strafverfahren gegen ihn lief. Die ältere Tochter habe ihn nach seiner Rückkehr im Herbst 2020 angezeigt.

Das Gericht will am 19. April 2021 weiter verhandeln.

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