Versorgung merklich verschlechtert

Gesucht wird eine neue Filiale der Post in der City

Warten vor der Post, die eigentlich eine Bank ist: Seit der Schließung des Post-Shops im Allee-Center gibt es in der Innenstadt einige Dienstleistungen nur noch am unteren Ende der Alleestraße. Das ist aber oft verbunden mit Schlangen, die teils bis vors Gebäude reichen. Foto: Roland Keusch
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Warten vor der Post, die eigentlich eine Bank ist: Seit der Schließung des Post-Shops im Allee-Center gibt es in der Innenstadt einige Dienstleistungen nur noch am unteren Ende der Alleestraße. Das ist aber oft verbunden mit Schlangen, die teils bis vors Gebäude reichen.

Nach der Schließung des Post-Shops im Allee-Center.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Mit der Schließung des Post-Shops im Allee-Center hat sich die Versorgung mit Post-Dienstleistungen in der Innenstadt merklich verschlechtert. Zwar bleiben für Paket-Kunden verschiedene Anlaufstellen wie der Paketshop bei Gottlieb Schmidt in der Alleestraße 29 oder eine Packstation an der Bismarckstraße. Doch wer beispielsweise ein Einschreiben aufgeben oder Briefmarken kaufen will, der kann in der City inzwischen nur noch zur Filiale am unteren Ende der Alleestraße kurz vor dem Markt gehen.

Ein Umstand, der vielen Remscheidern nicht gefällt, wie verschiedene Anrufe in der RGA-Redaktion zeigen. Denn der Weg zum Beispiel vom Allee-Center zum Markt ist relativ weit. Zudem berichten viele Leser von langen Schlangen in und sogar vor der Filiale auf der unteren Allee. Gerade für Ältere sei es kaum möglich, sich dort so lange anzustellen, gibt eine Anruferin zu bedenken – und regt an, dort zumindest Bänke für die Wartenden aufzustellen.

Denn eine kurzfristige Lösung auf der oberen Allee ist nicht in Sicht. Es gebe aktuell keinen Plan, einen neuen Post-Shop in diesem Bereich zu eröffnen, sagt Achim Gahr, Pressesprecher der Deutschen Post, auf RGA-Anfrage. Stattdessen verweist er auf andere Möglichkeiten wie die neue Smartphone-App von Post und DHL. Darüber sei es zum Beispiel möglich, Briefmarken zu kaufen – ohne in eine Filiale zu gehen. Bezahlt wird per Paypal, statt geklebter Marke kommt ein handgeschriebener Code auf den Umschlag.

„Da sind wir sicher offen für alles und würden das entsprechend prüfen.“
Post-Sprecher Achim Gahr über eine mögliche neue Filiale

Auch den Postfinder im Internet empfiehlt Gahr. Hier könne man per Umkreissuche Postfilialen, Paketshops, Packstationen und Briefkästen finden: „Vielleicht gibt es ja auf dem Weg zur Arbeit etwas, das man ansteuern kann.“ Für die meisten Kunden gehe es ohnehin vor allem darum, Pakete und Retouren aufgeben zu können, sagt der Post-Sprecher: „Und das geht ja auch an Packstationen oder in Paketshops.“ Retouren nehme übrigens auch der Paketbote an.

Dass es im oder rund um das Allee-Center einen neuen Post-Shop geben wird, sei aber nicht ausgeschlossen, so Gahr. „Wir haben Vor-Ort-Betreuer, die gucken sich das ganz genau an.“ Sollte dabei ein Bedarf ausgemacht werden, würden gezielt infrage kommende Geschäfte angesprochen, ob sie nicht einen Post-Shop eröffnen wollen. So fungiert zum Beispiel der Schreibwaren-Händler McPaper, der im Center vertreten ist und bis 2005 ein Tochterunternehmen der Post war, in einigen seiner über 300 Niederlassungen als Post-Filiale. Natürlich könnten sich auch interessierte Unternehmen melden, betont Gahr: „Da sind wir sicherlich offen für alles und würden das entsprechend prüfen.“

Auf die Schlangen in und vor der Filiale auf der unteren Alleestraße hat die Deutsche Post AG hingegen keinen Einfluss – denn diese Niederlassung gehört zur Postbank, die hier im Auftrag von Post und DHL deren Dienstleistungen anbietet. So sei der Standort in der Alleestraße 6 dann auch in erster Linie eine Bankfiliale, betont Oliver Rittmaier, Pressesprecher bei der Postbank, die seit 2015 Teil der Deutschen Bank ist und somit nicht mehr zur Post gehört.

Auf die Schließung nahe gelegener Post-Shops reagiere man nicht automatisch, sagt Rittmaier: „Aber wir führen in allen unseren 800 Filialen regelmäßige Messungen durch, um das Filialnetz zu überprüfen.“ Führe die Schließung im Center also zu einer deutlich höheren Frequenz auf der unteren Allee, werde man den Standort und seine Ausstattung entsprechend anpassen.

Der Post-Shop im Untergeschoss des Allee-Centers, Teil des Tabak- und Zeitschriften-Händlers Wolsdorff, war Ende Dezember geschlossen worden. Man bedaure den Schritt, heißt es dazu aus der Firmen-Zentrale in Hamburg. Eine Übernahme der Postdienstleistungen durch die zweite Wolfsdorff-Filiale im Erdgeschoss sei mangels Platz aber nicht möglich gewesen. Die Schließung sei unerlässlich gewesen, „auch, um die Ansiedlung neuer Shopbereiche auf der ehemaligen Real-Fläche baulich vorzubereiten“, erklärt Center-Manager Nelson Vlijt. Man prüfe aber bereits Alternativen. 

Hintergrund

Acht Filialen der Deutschen Post gibt es derzeit in Remscheid, die meisten davon als Shop-in-Shop in Lotto- oder Tabak-Läden oder ähnlichen Geschäften. Dazu kommen zum Versenden oder Empfangen von Paketen aktuell zwölf Paketshops und zehn Packstationen, von denen aber eine derzeit außer Betrieb ist. Eine regionale Suche, zum Beispiel nach Postleitzahlen, samt Informationen über Öffnungszeiten und Dienstleistungsangebot gibt es online.

www.postfinder.de

Standpunkt: An die Zukunft glauben

Von Sven Schlickowey

Wasser auf die Mühlen der Schwarzseher: Erst macht Real zu, und die Lebensmittelversorgung in der Remscheider City bricht nahezu zusammen. Jetzt kommt die Schließung des Post-Shops dazu. Ja, ja, die Remscheider Innenstadt ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Es geht stetig bergab. Und man kann quasi hören, wie sich die Kommentarspalten in den sozialen Medien füllen.

sven.schlickowey@rga-online.de

Alles Quatsch, finde ich. Natürlich ist die Remscheider City nicht die Hohe Straße in Köln, aber nach wie vor ein attraktiver Standort, der – in normalen Zeiten – viel Frequenz und damit Potenzial bietet. 

Dass Real, eine Kette, die dem Vernehmen nach schon länger Probleme hatte, den Remscheider Standort erst verkommen ließ und dann zugemacht hat, hat mit der Stadt genauso wenig zu tun wie dass Corona nun die Suche nach Nachfolgern, für den Lebensmittelmarkt wie den Post-Shop, erschwert. Helfen würde es hingegen, wenn potenzielle Investoren das Gefühl bekämen, dass zumindest die Remscheider an die Zukunft ihrer eigenen Stadt glauben. 

Irgendwann im Frühjahr 2021 werden Passanten auf zeitgemäßen Sitzgelegenheiten an der Alleestraße Platz nehmen können: Zehn neue Bänke werden aufgestellt, kündigt Baudezernent Peter Heinze an.

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