Jubiläum

Geschichtsverein schickt Bürger auf Spurensuche

Neben neuen Tafeln werden die bisherigen, wie hier an der Klosterkirche, erneuert. Alfons Ackermann (l.) und Jörg Holtschneider freuen sich darauf. Foto: Roland Keusch
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Neben neuen Tafeln werden die bisherigen, wie hier an der Klosterkirche, erneuert. Alfons Ackermann (l.) und Jörg Holtschneider freuen sich darauf.
  • Melissa Wienzek
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Tuchmacherweg in Lennep wird mit Info-Tafeln erweitert – Dafür gibt es 27 000 Euro Fördergeld.

Remscheid. Wussten Sie, dass dort, wo heute Maccheroni al’Arrabiata über die Ladentheke gehen, früher die Räuber hinter Gittern saßen? Die Kronenstraße 2 war nämlich nicht immer die Pizzeria Daunia, sondern ein Knast. Und im Gebäude Mollplatz 2 stellte die Tuchfabrik Mühlinghaus Tuche her – wie auch in der heutigen Klosterkirche. Auf diese Spurensuche in die Lenneper Historie schickt der Bergische Geschichtsverein (BGV) nun die Bürger: Anlässlich seines 100-jährigen Bestehens errichtet der Verein 30 neue Info-Tafeln in der Röntgenstadt – und lässt die bestehenden 17 gleich mitaufarbeiten. „Es ist ein Geschenk für die Bürger unserer Heimat“, sagt der BGV-Vorsitzende Alfons Ackermann.

Der bereits bestehende Tuchmacherweg, der im Zuge der Regionale 2006 entstand, wird somit erweitert – und das Bewusstsein für die regionale Geschichte gefördert. Die Tafeln mit Bildern, Texten und Karten zu historisch bedeutenden Orten und Ereignissen der Textilindustrie zieren bereits einige Häuser und Orte in Lennep. Zum Beispiel gibt es eine Stele vor dem Deutschen Röntgen-Museum oder an der Klosterkirche. Sie sind beliebte Fixpunkte bei Stadtführungen und geben kompakte Einblicke in die regionale Industriegeschichte der alten Hansestadt Lennep. 15 Jahre später sind die 30 x 30 Zentimeter großen Schilder mit Eloxaldruck jedoch ausgeblichen und teils nicht mehr lesbar.

„Wir hoffen sehr, dass alle einwilligen.“

Alfons Ackermann dazu, dass die Hauseigentümer den Tafeln erst noch zustimmen müssen

Damit soll bald Schluss sein. Die bereits bestehenden 17 Tafeln werden erneuert, 30 weitere kommen hinzu. „Die neuen werden Emailleschilder sein. Emaille wurde auch bei den alten, blauen Straßenschildern verwendet“, erklärt Historiker Jörg Holtschneider, der im Beirat des BGV aktiv ist und mit seiner Firma Via Temporis historische Dienstleistungen anbietet. Ein Unternehmen aus Chemnitz fertige die Tafeln an.

Vorteil: Die neuen Hinweisschilder sind UV-beständig. „Die halten 100 Jahre“, sagt Holtschneider. Etwas Nachhaltiges für die Stadt zu schaffen, das sei dem BGV in seinem Jubiläumsjahr wichtig gewesen, ergänzt Alfons Ackermann. Damit könnten Bürger wie Touristen – die möglicherweise künftig wegen des DOC durch Lennep flanieren – tiefer in die Geschichte der Textilindustrie des 18. und 19. Jahrhunderts einsteigen. „Es geht aber auch darum, zu zeigen: Wie war das Leben in Lennep damals in Verbindung zur Industrie?“, erklärt Holtschneider.

Doch bis die Tafeln hängen, gibt es noch einige Bretter zu bohren. Problem: Um die 30 neuen Tafeln an Häuser anbringen zu können, müssen alle Hauseigentümer ermittelt werden. Hier setzt der Datenschutz eine Grenze – die Stadt durfte diese Informationen nicht preisgeben. Also verfasste der BGV einen Brief an die betroffenen Lenneper mit der Bitte, der Anbringung einer Info-Tafel zuzustimmen. Die Resonanz war dürftig. Mittlerweile konnten zwar weitere Eigentümer ermittelt werden. Aber es müssen alle ja sagen, damit das Projekt starten kann. „Wir hoffen sehr, dass alle einwilligen“, sagt Alfons Ackermann. Denn die Zeit drängt ein wenig.

Der NRW-Heimatfonds fördert das 30 940 Euro starke Projekt mit über 13 000 Euro, und bis Ende Jahres müssen diese Fördermittel abgerechnet werden. Die Stiftung der Stadtsparkasse Remscheid gibt 10 000 Euro dazu, die Stadt knapp 3000 Euro, der BGV selbst den Rest. Wenn alles klappt, könnten die neuen Schilder bis Ende des Jahres angebracht sein – in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde der Stadt. Geplant ist ein Eröffnungsspaziergang im Frühjahr 2022 – dann, wenn der BGV ohnehin seine Aktivitäten wieder aufnehmen möchte.

Jubiläum

Der Bergische Geschichtsverein, Abteilung Remscheid, feiert am 3. November 100-jähriges Bestehen. Die geplante Jubiläumsveranstaltung in der Klosterkirche wurde wegen Corona allerdings abgesagt. Zurzeit finden auch keine Vorträge oder Exkursionen statt. Der Vorstand hofft, im Frühjahr 2022 den Veranstaltungsbetrieb wieder aufnehmen zu können – und das Jubiläum kommendes Jahr nachzufeiern. Die nächste Hauptversammlung samt Vorstandswahlen ist für 5. Oktober angesetzt. Der BGV hat rund 300 Mitglieder.

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