RGA vor Ort

Wandel im Dorp: Gertenbachstraße bietet Nostalgisches

Einkaufen in Lüttringhausen: Olaf Dahl und Heike Mertes haben mitten in der Pandemie ihr Geschäft an der Gertenbachstraße eröffnet, wo sie vielfältige Nostalgie-Artikel anbieten.
+
Einkaufen in Lüttringhausen: Olaf Dahl und Heike Mertes haben mitten in der Pandemie ihr Geschäft an der Gertenbachstraße eröffnet, wo sie vielfältige Nostalgie-Artikel anbieten.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
    schließen

Paar setzt Impuls in einem Ort, in dem es so gut wie keinen klassischen Einzelhandel mehr gibt.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Wer die Gertenbachstraße in Lüttringhausen entlang schlendert, kann seit September 2021 besondere Modeartikel und Dekowaren entdecken. Heike Mertes (50) und Olaf Dahl (55) bieten im gemeinsamen Geschäft eine ungewöhnliche Mischung an, die sich an alle richtet, die Nostalgie-Artikel schätzen. Da kommt der unkonventionelle Mann in mittlereren Jahren, der passend zu seinem US-Oldtimer oder zu seiner Harley Davidson ein Outfit sucht, ebenso auf seine Kosten wie die Kundin, die ein originelles Geschenk für die beste Freundin sucht - vom Schlüsselanhänger bis zur Geldbörse. Das Besondere: Ein Großteil des Angebots gestalten die beiden in Eigenproduktion, wobei sie ihre Artikel mit Retro-Charme versehen. Er unter dem Label RCC, sie im Vintage-Geschäft HM13.

Das Team Mertes/Dahl hat in einer ehemals florierenden Einkaufstraße einen Standort gefunden. Von „florierend“ könne heutzutage keine Rede mehr sein. „Hier fahren zwar viele Autos vorbei. Aber leider fehlt die Laufkundschaft, weil es so gut wie keine Geschäfte gibt“, bedauert Olaf Dahl, der die Gertenbachstraße schon als Kind kannte. „Hier war viel los“, erinnert er sich an Drogerien, Bäckereien und sonstige Läden. Das Zentrum hat sich mittlerweile verlagert - in die Neue Mitte Lüttringhausen, wo sich diverse Discounter und Supermärkte niedergelassen haben.

„Dies ist von den drei, vier Leuten aus unseren Reihen alleine nicht zu bewältigen.“

Markus Kärst über den Herbst- und Bauernmarkt

Den Wandel im Dorp beobachtet auch Juwelier Thomas Hertel seit vielen Jahren. 1997 übernahm er das Geschäft von seinen Eltern und führt es seither in vierter Generation. „Wir haben uns im Laufe der Jahre ein bisschen spezialisiert, unter anderem auf höherwertige Uhren. Deshalb kommen viele Kunden aus dem Umland zu uns, zum Beispiel aus Wermelskirchen, Hückeswagen oder Leverkusen“, erklärt der Schmuckexperte, der in diesem Jahr das 60-jährige Bestehen des Geschäfts am Standort Gertenbachstraße feiern kann.

Zwickau ist die Wiege des Juweliergeschäfts

Gegründet wurde es in Zwickau. Sein Großvater hatte sich nach seiner Flucht aus der Ostzone (DDR) und einer Zwischenstation in Bayern 1962 in Lüttringhausen niedergelassen. „Früher gab es hier mal drei Juweliere“, berichtet Thomas Hertel. „Aber es ist wie überall, so wie in Remscheid oder in Lennep.“ Auch im Dorp ist es ruhiger geworden.

Abseits des Mainstreams aber Nischen abzudecken, kann ein Erfolgsrezept sein. Das gilt auch für Olaf Dahl mit seinem Bekleidungssortiment, bei dem er auf Individualismus setzt. Er hat zwar viele Stammkunden, die bei ihm im Internet Waren bestellen. Aber manche steuern von auswärts das Ladenlokal an, um vor Ort im Sortiment zu stöbern. Dass er das Geschäft mitten in der Pandemie eröffnete, hatte einen Grund: Reihenweise seien die Verkaufsmessen ausgefallen, auf denen er sein Angebot präsentieren konnte. So entstand die Idee, eine feste Anlaufstelle zu schaffen - sowohl für auswärtige Kundschaft als auch für die Menschen aus Lüttringhausen.

Der RGA wirft einen Blick in die Stadtteile

Heike Mertes machte dabei ihr Hobby zum Beruf. „Mir macht es großen Spaß, Kleinmöbel aufzuarbeiten und kreativ zu sein“, erklärt sie und verweist auf die liebevoll gestalteten Verkaufsflächen. „Hier steckt viel Herzblut drin. Wir verkaufen nur das, was wir selber vertreten können.“ Und so gesellen sich zu den T-Shirts, Holzfällerhemden und zu der sonstigen Biker-Mode mit selbst angefertigten Drucken auch Geschenkartikel, die Heike Mertes jedoch teilweise zukauft. Wer möchte, findet bei ihr Schwarz-Weiß-Aufnahmen großer Künstler wie Elvis Presley, kann nach Handtaschen Ausschau halten oder Nostalgie-Tassen erwerben. Es ist ein zusätzliches Standbein für das Paar. Diplom-Grafiker Olaf Dahl betreibt eine Großformatdruckerei in Goldenberg und befasst sich mit Fahrzeugen, die er auf Kundenwunsch im Vintage-Stil umgestaltet. An der Gertenbachstraße geht es aber vor allem um den Verkauf dazu passender Textilien und Accessoires.

Besondere Aktionen könnten hier mehr Laufkundschaft bringen - wie etwa der Herbst- und Bauernmarkt, der auch in diesem Jahr entfällt. „Schade, denn gerade der verkaufsoffene Sonntag liefert doch die Gelegenheit, uns abseits vom Alltag mal einen Besuch abzustatten“, erklärt Heike Mertes, die sich freuen würde, wenn die Lüttringhauser ihren Laden für sich entdecken.

RGA

Der Marketingrat Lüttringhausen plante eigentlich, den Bauernmarkt nach der Corona-Pause wieder auf die Beine zu stellen, wie der Vorsitzende Markus Kärst berichtet. „Wir waren schon in Gesprächen mit einem externen Dienstleister. Der hat uns aber abgesagt.“ So sei die „fehlende Manpower“ das größte Problem. Bei einer derartigen Großveranstaltung falle so viel Arbeit an, „dass sie von drei, vier Leuten aus unseren Reihen alleine nicht zu bewältigen ist“. Nach den Sommerferien sollen aber Planungen für 2023 beginnen, kündigt der Chef vom Hotel Kromberg an.

Rund 50 Mitglieder gehören dem Marketingrat an - nur noch wenige Einzelhändler seien darunter, sondern eher Dienstleister und Gastronomen. „Lüttringhausen ist der Remscheider Stadtteil, der am wenigsten klassischen Einzelhandel vorhält,“ sagt Kärst. Dafür boome eine andere Branche. „Mein Eindruck ist, dass wir hier sehr viele Friseursalons haben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Remscheids erstes Kinderhaus wird 30
Remscheids erstes Kinderhaus wird 30
Remscheids erstes Kinderhaus wird 30
Medizinisches Versorgungszentrum feiert ersten Geburtstag
Medizinisches Versorgungszentrum feiert ersten Geburtstag
Medizinisches Versorgungszentrum feiert ersten Geburtstag
Säugling nach Unfall vorsorglich im Krankenhaus
Säugling nach Unfall vorsorglich im Krankenhaus
Säugling nach Unfall vorsorglich im Krankenhaus

Kommentare