Prozess

Gericht verurteilt 81-Jährigen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung

Das Gericht verurteilt 81-Jährigen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.
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Das Gericht verurteilt 81-Jährigen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Prozess wegen neunmaligem sexuellen Missbrauchs der Stiefenkelin

Von Dirk Lotze

Remscheid. In einem Strafprozess um Kindesmissbrauch in einer Familie zwischen 2006 und 2013 hat das Landgericht Wuppertal einen 81 Jahre alten Remscheider verurteilt. Der verheiratete, frühere Facharbeiter hat die Übergriffe auf eine Stiefenkelin gestanden. Seine Strafe beträgt ausnahmsweise nur zwei Jahre Freiheitsstrafe, die er nicht verbüßen muss. Das Urteil und die Bewährung sind rechtskräftig. Der Mann hat sich verpflichtet, der Geschädigten insgesamt 17 500 Euro zu zahlen.

Das Gericht kritisierte in der Urteilsverkündung die Anklage der Staatsanwaltschaft: Die habe einen zu kleinen Ausschnitt der Straftaten erfasst und sei zu zurückhaltend gewesen. Der Vorsitzende erläuterte: „Wenn es heißt: Einmal die Woche ist das und das passiert, kann man das hochrechnen, wie man das in anderen Fällen ja auch macht. Das ist nicht geschehen, sondern es wurden Einzeltaten angeklagt. Und dann können wir auch nur Einzeltaten verurteilen.“

81-Jähriger verging sich neun Mal an seiner Stiefenkelin

Festgestellt ist nun, dass sich der 81-Jährige neun Mal an seiner Stiefenkelin verging. Sie war zu Beginn des Geschehens acht Jahre alt, er 65. Den Ausgangspunkt bildet ein aufgedrängter Zungenkuss. Danach folgten Griffe in den Intimbereich der Minderjährigen und weitere Handlungen.

Laut Zeugen hatte der nun Verurteilte eine intime Beziehung zur Mutter aufgenommen und war in deren Wohnung in Wuppertal eingezogen; sie hatte sich zuvor von seinem Sohn getrennt. Mit seiner Frau in Remscheid blieb der Verurteilte verheiratet. Er lebt wieder mit ihr zusammen.

Gericht wertet Geständnis als Beweis der Reue

Das Opfer, jetzt Anfang 20, sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Die Richterinnen und Richter hatten ihre Befragung mehrfach unterbrochen, weil die junge Frau Pausen brauchte. Nach ihrer Aussage verfolgte die Frau sichtlich angespannt den Prozess an der Seite ihres Anwalts. Er hatte dem Gericht erläutert: „Es kommt meiner Mandantin nicht auf eine bestimmte Strafe an, sondern darauf, nicht mehr als Lügnerin hingestellt zu werden.“ Die Zahlung des Stiefgroßvaters nimmt sie an. Er hatte den Betrag für sie teils von Verwandten erhalten, damit er ausnahmsweise milder bestraft werden konnte.

Laut Zeugen hat der Angeklagte die Vorwürfe früher bestritten. Die Mutter glaubte zeitweise ihm, nicht ihrer Tochter. Im Verfahren sagte der 81-Jährige, die Aussagen seiner Stiefenkelin seien richtig. Er wisse aber nichts mehr über die Abläufe. Das Geständnis wertete das Gericht als zwar pauschal, aber doch wertvoll: Der Angeklagte habe nicht versucht, die Glaubwürdigkeit der Stiefenkelin in Zweifel zu ziehen. Das sei ein Beweis für die Reue, die er auch ausgesprochen hat; und es habe den Prozess abgekürzt.

Durch den Vergleich und die Geldzahlung werden alle Ansprüche seiner Stieftochter abgegolten. Beide Seiten ersparen sich damit einen zusätzlichen Zivilprozess.

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