Makabre Verwechslung

Gericht löst Verwirrung um verschwundene Urne

Welche Asche befand sich in der Urne? Mit dieser Frage musste sich das Wuppertaler Landgericht befassen. Archivfoto: Christian Beier
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Welche Asche befand sich in der Urne? Mit dieser Frage musste sich das Wuppertaler Landgericht befassen.

Tochter einer Toten soll womöglich Asche einer anderen verstorbenen Person erhalten haben.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Eine hinterbliebene Tochter bekommt eine Lageskizze vom Bestattungsort ihrer Mutter, den sie zuvor nicht kannte; Beerdigungsunternehmen aus Remscheid und Berlin zahlen ihr insgesamt 2000 Euro Schmerzensgeld und Kosten für private Ermittlungen: Das Landgericht Wuppertal hat ein makabres Verwirrspiel um eine Totenurne und die verschwundene Asche der Verstorbenen aufgeklärt. Damit ist der Streit diskret ohne Urteil beendet. Die Tochter hatte im Laufe des mehr als zwei Jahre dauernden Hin-und-Hers vorübergehend sogar eine Urne mit womöglich der Asche einer anderen, verstorbenen Person zugeschickt erhalten – unter der Behauptung, das seien die Überreste der Mutter.

Die Tote war 2018 in Berlin gestorben. Ein Auftraggeber aus Remscheid bat einen Bestatter seines Umfelds, die Frau einzuäschern und namenlos beizusetzen. In der Folge wurde ein Unternehmen in Berlin und eine weitere Firma beauftragt.

Die Tochter erfuhr erst mehr als ein Jahr später vom Tod der Mutter und verlangte, den Bestattungsort zu erfahren. Die Antwort: Das verbiete sich rechtlich bei anonymer Beisetzung. Die Tochter klagte und verlangte die Herausgabe der Asche. Schließlich soll sie eine ominöse, womöglich sogar beschädigte Urne erhalten haben. Die Tochter war sich nach Nachforschungen sicher: Was immer in diesem Behälter war, es musste etwas anderes sein als die Überreste der Mutter.

Laut Landgericht lag in dieser Urne der Drehpunkt des Verfahrens – der Grund für die beklagten Firmen, über Schmerzensgeld verhandeln zu wollen: „Dass das nicht die richtige Asche war, scheint mir unstreitig zu sein“, erläuterte der Vorsitzende Richter. Als ein Anwalt darauf doch noch einmal Zweifel anmelden wollte, fügte der Richter hinzu: „Sie sagen, dass die Asche verstreut wurde. Wie man sich dann hinstellen und behaupten kann, was jemand mehr als ein Jahr danach ungefähr an der Stelle wieder eingesammelt hat, sei die richtige Asche, erschließt sich mir nicht.“ Die klagende Tochter fragte bei den Prozessgegnern nach: „Warum hat man mir das nicht einfach gesagt, dass sie verstreut wurde? Warum hat man mir eine andere Urne zugeschickt? Ich hätte vielleicht dafür bezahlt, die zu bestatten – und ich hätte gedacht, meine Mutter ist da drin. Und dabei wäre sie das gar nicht gewesen.“

Bestatter soll die Asche nach einem Jahr wieder eingesammelt haben

Die Antwort eines der Bestatter: „Verstreut“ heiße in diesem Fall, dass er die Asche in einem Beutel beigesetzt habe, der sich auflöst. Was die Stelle betrifft, sei er sich sicher. Dort habe er wieder eingesammelt, was er der Tochter geschickt habe: „Wenn mir jetzt jemand sagt, das ist nicht die Asche, dann kann ich dagegen nichts sagen.“

Durch die Einigung erhält die Tochter eine Skizze zu dem Ort, an dem sie trauern kann. Der Prozess ist beendet, die Höhe des Schmerzensgelds von 2000 Euro dürfte geschätzt dem Anteil der Frau an den Kosten des Verfahrens entsprechen.

Ein 38-Jähriger wurde samt Beute im September festgenommen, nachdem er aus einer psychiatrischen Klinik entlassen worden ist.

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