Widersprüchliche Aussagen

Prozess um Körperverletzung: Gericht bricht Verfahren ohne Urteil und Strafe ab

Am Wuppertaler Landgericht gibt es seit Jahresanfang wieder eine 10. Große Strafkammer. Foto: Leon Hohmann
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Das Landgericht stellt das Berufungsverfahren gegen einen 39-jährigen Remscheider ohne Urteil ein.

In einem Prozess vor dem Landgericht Wuppertal, wird einem 39-jährigen Remscheider gefährliche Körperverletzung in der Familie vorgeworfen. Nun endete die Verhandlung ohne Urteil und Strafe.

Von Dirk Lotze

Remscheid. In einem Prozess um gefährliche Körperverletzung in einer Familie in Remscheid sind die Aussagen der mutmaßlich geschädigten Frau (40) so wechselhaft, dass das Landgericht Wuppertal das Verfahren abbricht. Die Verhandlung gegen den 39 Jahre alten, angeklagten Ehemann endete am Montag ohne Urteil und Strafe. Laut Staatsanwaltschaft sollte der Angeklagte einen Unterarm seiner schwangeren Frau vorsätzlich am Herd verbrannt haben. Das bleibt unbewiesen. Wenn der Mann 80 Stunden gemeinnützig arbeitet und ein Anti-Aggressionstraining durchläuft, zahlt die Landeskasse die Gerichtskosten und seinen Anwalt.

In dem Verfahren hatte zuvor das Amtsgericht Remscheid den Mann nicht rechtskräftig freigesprochen – ebenfalls wegen der wechselhaften Aussage der Frau. Gegen dieses Urteil ging die Staatsanwaltschaft in Berufung. Gegenstand der Anklage waren Ereignisse zweier aufeinander folgender Tage vom April 2019: Zu dem Übergriff am Herd der laut Zeugen spartanisch eingerichteten Wohnung soll der Mann seine Frau geschlagen, gewürgt und bedroht haben. Einen Sohn - damals vier Jahre alt – habe er auf ein Bett geworfen und misshandelt.

Verzweifelt soll die Frau einen Bruder außerhalb angerufen und gefleht haben: „Er schlägt mich wieder. Hol mich hier weg, bevor er mich umbringt!“ Der Mann habe angekündigt, sie aufzuhängen und unterzutauchen: Er „wolle sie nicht mehr“. Darauf war der Bruder nach Remscheid gekommen.

Der nun angeklagte Mann hatte die Polizei gerufen – womöglich aus Sorge um seine Sicherheit. Der tatsächliche Grund blieb unklar: Der Mann schwieg in der Verhandlung.

Die Ehefrau macht widersprüchliche Aussagen

Das Problem für das Gericht: Zu jedem Abschnitt der Geschehnisse hat die Frau im Verfahren Unterschiedliches angegeben. Der Polizei sagte sie, der Mann habe ihre Hand mit einer heißen Pfanne verbrannt, als sie kochte. Laut späterer Fassung im Gericht hingegen sollte er am Herd gestanden haben; er habe sie gepackt, ihre Hand auf eine heiße Herdplatte gedrückt und gesagt: „Das hört erst auf, wenn Du tot bist.“

Der Vorsitzende Richter erläuterte: Die Versionen beschreiben unterschiedliche Begebenheiten, der Kern der Aussage wechsele. Hinzu käme, dass die Frau einen weiteren Übergriff des Mannes für den Abend des zweiten Tattags beschrieben habe. Da sei der Angeklagte aber von der Polizei der Wohnung verwiesen gewesen; laut Zeugen war er gegangen, und der Bruder befand sich noch vor Ort.

Der Einwand der Staatsanwältin, „da hat sie sich im Datum vertan“, möge stimmen, sagte der Richter. Auflösen könne er das nicht: „Wir können uns nicht hinstellen und sagen: Irgendwas wird schon gewesen sein.“ Ein Urteil müsse auf der Überzeugung des Gerichts von einem konkreten Geschehen gründen.

Der Vorschlag zu Arbeitsstunden und Anti-Gewalttraining stammt von der Staatsanwältin, die Verteidigung stimmte zu. Das Paar ist weiter verheiratet, Frau und Kinder leben bei Angehörigen außerhalb.

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