Sportbund-Chef kritisiert Vorgehen der Stadt

Geplantes Impfzentrum in Hackenberg wird zum Zankapfel

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Das Remscheider Corona-Impfzentrum wird wohl im Sportzentrum Hackenberg in Lennep untergebracht.

Sportbund-Chef Reinhard Ulbrich kritisiert das Vorgehen der Stadt – OB Mast-Weisz: „Keine Schikane gegenüber dem Sport“.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Nachdem die städtische Pressestelle am Freitag mitteilte, dass der Corona-Krisenstab beschlossen habe, das Corona-Impfzentrum an der Sportanlage Hackenberg zu platzieren, schlägt Sportbund-Vorsitzender Reinhard Ulbrich Alarm. Am Wochenende schickte er einen offenen Brief an Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD), der auch an den RGA ging. „Hackenberg ist anscheinend endgültig gesetzt, Alternativen werden wohl nicht mehr erwogen. Ihnen als ehemaliger und amtierender Sportdezernent ist sicherlich auch bewusst, dass der Sport nach Umwandlung der Sporthalle Neuenkamp in ein Krankenhaus nicht noch mittel- oder langfristig auf eine weitere Sporthalle verzichten kann“, schreibt Ulbrich. Auf die Hallen 1 bis 3 in Hackenberg und die Sporthalle West, die inzwischen als „politisches Tagungszentrum“ fungiere, schon mal gar nicht. „Sport wird ja nicht verboten sein, bis alle Remscheider geimpft sind.“

Der Remscheider Sport gehe davon aus, dass eine Alternative zu Sporthallen gefunden werde, betont Ulbrich. Die Halle Hackenberg ist Spiel- und Trainingszentrum des Rollhockey-Bundesligisten IGR Remscheid. Ein wichtiger Player mit zahlreichen Mitgliedern wäre direkt betroffen. „Den einzigen, Ihnen bekannten Kompromiss, den der Sport mittragen würde, ist die Nutzung der Hackenberger Halle 4 als Impfzentrum“, betont der Sportbund-Chef und bringt die leerstehende Schule Hölterfeld als Impf-Ort ins Spiel.

Remscheid: Die Standortfrage soll am Montag abschließend geklärt werden

OB Burkhard Mast-Weisz reagierte prompt, ebenfalls mit einem öffentlichen Brief. „Natürlich verstehen wir die Sorgen des Remscheider Sports. Auch wir finden es nicht toll, dass Sport zurzeit kaum stattfinden kann, auch wir bedauern, dass wir auf die Halle Neuenkamp als Notkrankenhaus zurückgreifen müssen“, erklärt der Stadtchef, der betont, dass der Krisenstab seine Entscheidungen mit Bedacht treffe. Bei der Schaffung eines Impfzentrums gehe es aber nicht um eine Kleinigkeit.

Es gehe darum, schnellstmöglich darauf vorbereitet zu sein, 15 000 Menschen gegen das Coronavirus zu impfen. „Ich darf daran erinnern, dass wir schon 39 Menschen haben, die verstorben sind. Und letztlich wird das Impfen dazu führen, dass sich die Lage bei uns wieder normalisiert und dass vieles – auch Sport – erst wieder umfassend möglich ist.“ Das, was der Krisenstab derzeit unter riesigem Druck erarbeiten müsse, sei kein Spaß oder Schikane gegenüber dem Sport, sondern die Aufgabe, die bestmögliche Versorgung vieler Tausend Menschen zu garantieren.“ Dafür müsse vieles zurückstehen – es gehe um Menschenleben. Man wolle bei der Standortfrage die Interessen vieler berücksichtigen, sagt der OB.

„Wir nehmen die Sorgen ernst und prüfen nun, ob die Halle 4 infrage käme. Zudem prüfen wir andere Alternativen“, erklärte Mast-Weisz gestern Abend im RGA-Gespräch. „Wir werden auch für die IGR eine Lösung finden“, verspricht er. Am Montag soll die Standortfrage abschließend geklärt werden. 

Standpunkt: Eine sportliche Aufgabe

Von Melissa Wienzek

In der Haut des Krisenstabs möchte derzeit wohl niemand stecken. Das Wohl der Remscheider liegt seit Ausbruch der Pandemie in seinen Händen – und aktuell ganz besonders. Denn das Team sucht derzeit einen geeigneten Standort für das geplante Remscheider Impfzentrum. Alles läuft auf die Sporthalle Hackenberg hinaus.

melissa.wienzek@rga-online.de

Allerdings könnten auch andere Orte infrage kommen. Hierbei gilt es, viele Interessen zu berücksichtigen. Auch die der Sportvereine. Keine leichte Aufgabe, zumal die IGR eines der sportlichen Aushängeschilder der Stadt ist. Die Sorge der Sportler, ihre Trainings- und Spielheimat Hackenberg auf unbestimmte zu verlieren, ist daher nur nachvollziehbar. 

Aber: Die Lage ist ernst. 39 Remscheider sind bereits gestorben. Das Impfzentrum zur Bekämpfung von Covid-19 hat Priorität – damit auch der Sport bald wieder richtig durchstarten kann. Dennoch tut der OB gut daran, die Sorgen der Sportler ernstzunehmen und nach Alternativen zu suchen – und eine Lösung für die Rollhockeyspieler zu finden. Das wird eine sportliche Aufgabe.

OB Mast-Weisz und Feuerwehrchef Eul-Jordan zum geplanten Impfzentrum in Remscheid.

Das Remscheider Corona-Impfzentrum wird wohl im Sportzentrum Hackenberg in Lennep untergebracht.

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