Spaziergänge aus Protest

Geplantes Gewerbegebiet Gleisdreieck: Naturschützer setzen ihren Protest fort

Rund 20 Interessierte verliehen bei einem Spaziergang zum geplanten Gewerbegebiet ihrer Kritik Ausdruck. Foto: Roland Keusch
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Rund 20 Interessierte verliehen bei einem Spaziergang zum geplanten Gewerbegebiet ihrer Kritik Ausdruck.

Seit zwei Jahren laden die Öko-Initiativen Nabu, Bund, und der Rheinisch-Bergische Naturschutzverein (RBN) regelmäßig zu Spaziergängen im Gleisdreieck ein.

Von Sabine Naber

Remscheid. Sie üben dabei Protest gegen das geplante Gewerbegebiet, das Remscheid gemeinsam mit den Städten Wermelskirchen und Hückeswagen erschließen will. Auch am Sonntag war dazu die Tennishalle in Bergisch Born Treffpunkt. Von dort ging es rund zwei Stunden lang durch das bereits bestehende bis hin zum geplanten, interkommunalen Gewerbegebiet. Mit dabei waren rund 20 Interessierte.

Die Naturschützer verliehen dabei ihrer Kritik an den Plänen Ausdruck. „Hier soll eine weitere große Fläche, auf der jetzt noch viele Tierarten leben, versiegelt werden. Und das, nachdem durch das vorhandene Gewerbegebiet bereits die ehemals größte Kiebitz-Kolonie im Bergischen Land ausgelöscht wurde“, machte Hubert Benzheim vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland deutlich. Das Gewerbegebiet sei direkt am Quellgebiet dreier Bäche geplant, die Überschwemmungsgefahr bei Starkregen würde bei zusätzlicher Flächenversiegelung in diesem Bereich drastisch steigen.

„Können wir an diesen Plänen eigentlich wirklich noch was ändern?“, wollte eine Spaziergängerin wissen. Benzheim machte ihr Mut: „Man kann noch viel machen, denn bisher handelt es sich um eine Vorplanung. Allein dass wir hier sind, ist doch ein Zeichen.“ Er betonte, dass nicht zuletzt durch diese Spaziergänge ein Netzwerk entstanden sei, das auch die unterschiedlichen Naturschutzverbände zusammengebracht habe. „Das vorliegende Artenschutz-Gutachten kritisieren wir, weil viele Arten, beispielsweise die Vogelgattung Neuntöter, ausgelassen wurden.“

Auf den Weg gemacht hatte sich am Vormittag auch der Landschaftsökologe Tom Klinkenberg aus Radevormwald. „Die Natur liegt mir am Herzen. Und die hohen Herren im Rathaus planen hier etwas, das nicht gut ist für Mensch und Natur, denn wir brauchen freie Flächen.“ Klar müssten Arbeitsplätze geschaffen und Firmen untergebracht werden. „Aber gleich hier drüben steht beispielsweise ein Firmengebäude leer. Das sollte doch erst einmal genutzt werden, bevor man hier weitere Flächen versiegelt.“

Gebäude sollen bis an den Waldrand reichen

Als es im Gewerbegebiet an der Firma Friedrich vorbeiging, hin zu einer Baustelle in Bornbach, wies Benzheim auf weitere Pläne hin: „Hier ist eine Fläche freigehalten worden, um in ferner Zukunft Platz für eine Straße zu haben, die von Hückeswagen bis zur Kompostieranlage führen soll“, erklärte Benzheim. „Als wir davon erfuhren, da war es bereits zu spät, um noch etwas ändern zu können“, machte Benzheim klar. Ein Spaziergänger wollte vom Naturschützer wissen, wo denn das Ende der Bebauung sei. „Es gibt keins. Es gibt nur Wachstum. Durch den immer schneller fortschreitenden Klimawandel werden wir die Auswirkungen durch solche Bauprojekte nicht erst irgendwann, sondern schon kurzfristig erleben“, ist sich Benzheim sicher. Im geplanten Gewerbegebiet würden die Gebäude bis an den Waldrand reichen. Und weil es von da an leicht abschüssig wird, laufe das Oberflächenwasser in Richtung Eifgen-Quellgebiet ab. Hotspots für die Vögel gebe es dann nicht mehr.

„Die Zeichen der Zeit gehen in eine andere Richtung. Es kann doch nicht sein, dass auch weiterhin die gleichen Kästen für Gewerbe errichtet werden wie hier im Gewerbegebiet“, sagte Anne Hohmeister. Und wenn schon Flachdächer, dann doch mit Photovoltaikanlagen. Und vor den Bauten keine Schottergärten. „Es macht mich krank, wenn ich das sehe. Ich will mich engagieren, vielleicht nützt es ja was“, hofft die Lenneperin.

Hintergrund

Kritikpunkte der Remscheider Naturschutzverbände an dem Vorhaben in Remscheid, Hückeswagen und Wermelskirchen sind auch, dass Bauernhöfe weichen sollen, ein Eichenwäldchen gerodet werden soll und die zu gering geplanten Pufferzonen zu den angrenzenden Naturschutzgebieten. Durch die Spaziergänge wollen die Naturschützer den Teilnehmenden die Möglichkeit geben, sich ein Bild von der Natur im Gleisdreieck zu machen.

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