Freizeit

Geocaching: „Hedwigeule“ versteckt Wissen am Wegesrand

Dorothea Zobel (67) alias „Hedwigeule“ und Erhard Herhaus (74) alias „Teamliner“ machen am liebsten zusammen Geocaching. Oder gemeinsam mit ihrer Gruppe „Team Deens“. Über 140 Caches hat „Hedwigeule“ in Remscheid und Wermelskirchen bereits versteckt. Foto: Roland Keusch
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Dorothea Zobel (67) alias „Hedwigeule“ und Erhard Herhaus (74) alias „Teamliner“ machen am liebsten zusammen Geocaching. Oder gemeinsam mit ihrer Gruppe „Team Deens“. Über 140 Caches hat „Hedwigeule“ in Remscheid und Wermelskirchen bereits versteckt.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Dorothea Zobel (67) hat bereits 14 548 Geocaches gefunden und über 140 selbst kreiert – „Geocaching bildet“, sagt sie.

Remscheid. Spazierengehen gibt ihr Rätsel auf. Oder die Eschbachtalsperre. Manchmal wacht sie nachts auf mit einer Idee im Kopf und muss sie schnell in ihrem Notizblöckchen notieren. Denn Dorothea Zobel (67) ist Geocacherin mit Leib und Seele – die nicht nur sucht, sondern auch leidenschaftlich gern Rätsel kreiert. Als „Hedwigeule“ hat sich die gelernte Kauffrau und Harry-Potter-Anhängerin in der Szene der digitalen Schnitzeljagd einen Namen gemacht. Hier hat jeder einen Avatar, man kennt sich nur über diese Namen. „Hedwigeule“ kann nicht nur erstaunliche 14 548 Funde verzeichnen und ist damit wohl eine der aktivsten Geocacher der Stadt, sondern hat bereits über 140 sogenannte Caches in Remscheid und Wermelskirchen selbst kreiert und versteckt – und die Leute lieben es. 1180 sogenannte Favoritenpunkte hat sie dafür bisher von den Rätseljägern erhalten. Wenn „Hedwigeule“ ein Event plant, flattern die Buchungen zudem nur so herein. Denn sie wissen: Hier gibt es nicht nur etwas zu gewinnen, sondern knifflige Rätsel und viel Spaß.

„Schuld“ am Geocaching-Fieber ist Dorothea Zobels Bruder. Eines Tages erklärte er ihr: „Ich habe da was, das ist was für dich.“ Dorothea Zobel konnte sich zunächst nicht richtig vorstellen, warum man bitteschön Dosen am Wegesrand suchen sollte. „Aber als ich es dann gesehen hatte, war ich Feuer und Flamme“, erzählt sie. „Das ist der Jagdinstinkt in mir.“ Schon als Kind sei sie unheimlich gern auf Schnitzeljagd gegangen. Bei einem Treffen 2011 im Jagdhaus Pohlhausen lernte Dorothea Zobel dann andere Cacher kennen – „Team Deens“ war geboren. Es setzt sich zusammen aus Dorothea Zobel, Erhard Herhaus, Elisabeth „Eli“ Meurer, Nils Dietrich und Sascha Kaiser. Sie kommen aus Remscheid, Wermelskirchen, Wuppertal und Düsseldorf. Jeder bringt seine Fähigkeiten und Ideen ein. Seit 2011 haben sie sich schon 386 Mal dienstags getroffen. 7 Events haben sie bereits zusammen ausgerichtet, gern auf dem Thomashof, mit Rätseln, Spaß und Ideen für neue Schatzsuchen. Am liebsten jagen sie gemeinsam.

Beim Geocaching werden Verstecke anhand geografischer Koordinaten im Internet veröffentlicht und können anschließend mithilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden. Dazu müssen aber erst Aufgaben oder Rätsel gelöst werden, damit sich die Koordinaten ergeben. Hat der Jäger das „Final“, also das gesuchte Objekt, gefunden, trägt er sich mit seinem Avatar in ein Logbuch ein, das meist mit einem kleinen Gimmick in einer Dose versteckt ist.

„Ich zeige dir einen schönen Ort in meiner Stadt und verstecke dort etwas.“

Dorothea Zobel zitiert den Gedanken von Geocaching

Es gibt verschiedene Arten von Caches. Ein Multi-Cache kann zum Beispiel bis zu zehn Kilometer lang sein und aus zwei Stationen bestehen. „Hedwigeule“ fliegt auf die Mystery Caches oder die Earth Caches. „Der Ursprungsgedanke von Geocaching ist: Ich zeige dir einen schönen Ort in meiner Stadt und verstecke dort etwas“, erklärt Zobel, die früher in der evangelischen Gemeinde in Hasten für die Jugendarbeit zuständig war. Sie ist zudem Diakonin und hat eine Altenpflegeausbildung. Heute ist sie Rentnerin – und leidenschaftliche Geocacherin.

Über 140 Caches hat sie bislang kreiert, zu allen möglichen Themen. Zum Beispiel über die Fibonacci-Folge, die Eschbachtalsperre oder Schädlinge am Baum. Auch eine Serie „Sehenswertes in Remscheid“ hat „Hedwigeule“ entworfen. 40 Caches führen die Spieler dabei durch die Stadtteile – zum Beispiel auch zum Tüpitter. „Das macht unglaublich viel Spaß.“ Auch wenn sie alles nur noch in Rätseln sehe, gibt sie lachend zu. „Wenn ich irgendwo hinfahre, schaue ich direkt: Gibt es hier einen Cache?“ Als die Gruppe einst ein Rätsel zur Zeitumstellung kreieren wollte und sich nachts um 2 Uhr auf dem Rathausplatz traf, um ein Foto von der Rathausturmuhr zu machen, rief dies auch die Polizei auf den Plan. „Sie haben von uns dann ein Osterei bekommen“, erzählt „Hedwigeule“ lachend.

Die Fotos zu den Aufgaben stammen übrigens ebenfalls von Dorothea Zobel. Wichtig ist ihr die Wissensvermittlung. „Cachen bildet“, sagt die 67-Jährige. „Es ist allumfassend, es betrifft jegliche Bereiche des Lebens. Man lernt unheimlich viel dazu, wenn man sich mit den Aufgaben beschäftigt.“ Wikinger, Mayas, Weltreligionen, Sternbilder – die Themen seien schier unendlich. Auch für Kinder sei dies interessant. Mit der Natur-Schule Grund habe sie bereits Geocaching für Kinder angeboten.

Wichtig ist „Hedwigeule“, dass sich alle an die Spielregeln halten: Keine Tiere aufscheuchen, keine Natur zerstören, nicht von den Wegen abkommen, Naturschutzgebiete sind tabu. Wenn sie einen Fundort einrichten möchte, muss sie zudem den Eigentümer fragen, ob sie die Dose dort platzieren darf. Glücklicherweise seien die meisten Waldgebiete in städtischer Hand – mit Markus Wolff, Geschäftsbereichsleiter für Grünflächen, Friedhöfe und Forstwirtschaft, pflege sie ein gutes Verhältnis. Zudem haben die Cacher bereits mehrfach Müll gesammelt, unter anderem rund um die Eschbachtalsperre, unterstützt von den TBR. „Wir sind eine starke Gemeinschaft“, betont „Hedwigeule“.

Mitmachen

Jeder kann Caches suchen, sagt „Hedwigeule“. Es gebe 3,2 Millionen Caches weltweit. Man müsse sich dazu lediglich registrieren und sich einen Nicknamen ausdenken. Zudem gibt es die Möglichkeit einer Premiummitgliedschaft. Diese koste zwar eine Jahresgebühr, doch gebe es hierbei auch mehr Möglichkeiten.

geocaching.com

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