Pandemie

Gemeinsames Gebet im Ramadan fällt aus

Erden Ankay-Nachtwein weiß, dass die Dramatik der Corona-Pandemie in den Gemeinden angekommen ist. Foto: Roland Keusch
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Erden Ankay-Nachtwein weiß, dass die Dramatik der Corona-Pandemie in den Gemeinden angekommen ist.

Muslime sind von der Ausgangssperre betroffen

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Zeitgleich zur Ausgangssperre startet heute auch der Ramadan, der muslimische Fastenmonat. Bis zum 12. Mai verzichten gläubige Muslime tagsüber auf Speisen und Getränke. Das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang wird von vielen Familien oft im großen Bekannten- und Freundeskreis gefeiert. „Davon nehmen die Muslime Abstand“, sagt Integrationsratsvorsitzende Erden Ankay-Nachtwein.

Sei es im letzten Jahr noch schwieriger gewesen, die Gefahr der Pandemie und deren Tragweite zu verstehen, hätten viele Gemeindemitglieder mittlerweile Erfahrungen mit dem Virus gemacht. „Die Dramatik ist angekommen.“ Alle Gemeindemitglieder zeigten das größte Verständnis für geltende Hygienemaßnahmen und Corona-Regeln.

Vereine, die normalerweise ihre Mitglieder zum gemeinamen Fastenbrechen einladen, haben schon weit im Voraus ihre Pläne abgesagt. „Dass das nicht stattfinden kann, war selbstverständlich“, sagt Erden Ankay-Nachtwein. Auch das Zuckerfest, mit dem das Ende der Fastenzeit gefeiert wird, werde ausfallen müssen.

Eingeschränkt werden die Muslime aber auch durch die Ausgangssperre. Das traditionelle Gebet nach dem Fastenbrechen – das sogenannte Teravih –, zu dem die Muslime normalerweise in die Moschee kommen, muss ausfallen. „Das ist kein Pflichtgebet, wird im Ramadan aber sehr ernst genommen“, erklärt Atib-Vorsitzender Tevfik Baylan.

Remscheid: Gebet wurde im Vorfeld schon gekürzt

Das Gebet, das gemeinsam von Gemeindemitgliedern und dem Imam gebetet wird, sei im Vorfeld schon gekürzt worden, damit sich die Menschen nicht zu lange in den Gebetsräumen aufhalten. Eine Dreiviertel- bis hin zu einer vollen Stunde würde die abendliche Tradition normalerweise dauern. Statt 20 Rakat – die Wiederholungen bei den täglichen Gebeten – habe man das Teravih auf acht gekürzt. Durch die nun geltende Ausgangssperre falle das Gebet aber komplett aus. „Das Teravih wird nicht nachgeholt, weil es kein Pflichtgebet ist, aber das kann jeder individuell alleine oder als Familie zusammen zu Hause beten“, sagt Tevfik Baylan. Eine andere Möglichkeit, als in Remscheid die Bremse zu ziehen, sehe er derweil nicht. „Wir können ja nächstes Jahr oder übernächstes Jahr alles richtig machen.“

Standpunkt

alexandra.dulinski@rga.de

Kommentar von Alexandra Dulinski

Für die Muslime in Remscheid ist es sehr schade, dass das gemeinsame Fastenbrechen und Beten in der Moschee coronabedingt ausfallen muss, ist es doch schon das zweite Jahr, in dem das Coronavirus den Menschen einen Strich durch die Rechnung macht. Doch genau wie die Christen an Weihnachten und zu Ostern ihre Kontakte reduzieren mussten und Gottesdienste nur online stattfinden konnten, sind nun auch die Muslime in besonderer Art und Weise betroffen: Die Ausgangssperre zwingt sie dazu, zu Hause zu bleiben. Dabei haben die muslimischen Gemeinden in der Stadt schon im Vorfeld vorbildlich gehandelt, haben das traditionelle Ramadan-Gebet und somit die Aufenthaltszeiten in der Moschee verkürzt. Somit haben sie schon vor Beginn des Ramadans für mehr Sicherheit gesorgt. Dennoch: Die Ausgangssperre zwingt die Menschen, zu Hause zu bleiben, so dass abendliche Treffen gar nicht erst stattfinden. Im Falle des gemeinsamen Gebets erfüllt die Ausgangssperre also ihren Zweck, reduziert das Infektionsrisiko und die Gefahr von Menschenansammlungen.

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