Coronavirus

Geimpfte sollen alle Freiheiten zurückerhalten

Sascha Schnitzler möchte sobald wie möglich wieder Gäste in seinen Gesundheitszentren begrüßen.
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Sascha Schnitzler möchte sobald wie möglich wieder Gäste in seinen Gesundheitszentren begrüßen.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Mit steigenden Impfzahlen stellt sich die Frage nach den Konsequenzen.

Remscheid. Die Impfzahlen steigen zwar nicht so schnell, wie man es sich wünschen würde, aber sie steigen. Weil mittlerweile mehr Impfdosen die Stadt erreichen als noch zu Jahresbeginn, wird das Impfzentrum jetzt um eine fünfte Impfstraße erweitert. Die Zahl der Geimpften dürfte in den nächsten Wochen mithin deutlich zunehmen – und damit eine Frage aufwerfen, die angesichts der seit heute geltenden Ausgangssperre in Remscheid bislang wenig diskutiert wurde: Sollen Geimpfte ihre bürgerlichen Freiheiten zurückerhalten, während Nichtgeimpfte weiter unter Einschränkungen leben müssen?

Wer sich nicht impfen lässt, muss mit Konsequenzen leben.

Sascha Schnitzler, Medora

Ja, sagt Sascha Schnitzler, Chef des Zentrums für Gesundheit und Bewegung Medora. Das aber erst, wenn allen Bürgern zumindest ein Impfangebot unterbreitet worden ist. „Dann ist es doch nur fair, dass die Geimpften ihr altes Leben zurückbekommen“, sagt Schnitzler. „Wer sich nicht impfen lassen möchte, muss dagegen mit den Konsequenzen leben.“ Wie alle Fitnessstudios hat auch die Medora geschlossen. Schnitzler hofft auf die Geimpften als die ersten Rückkehrer, denn: „Wenn wir im Sommer keine Öffnung hinbekommen, dann ist Feierabend.“

Skeptisch sieht eine Wiederöffnung nur für Geimpfte Markus Kärst, Chef des Hotel Restaurants Kromberg in Lüttringhausen und Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Er sieht einen neuen Bürokratiewust auf die Betriebe zukommen, wenn sie erst dazu verpflichtet sind, die Impfausweise ihrer Gäste zu kontrollieren. „Am Ende steigt der Aufwand, und es bleibt nichts zurück in der Kasse“, sagt er. Außerdem: „Wenn Geimpfte wieder bewirtet werden dürfen, müssten unsere Mitarbeiter dann nicht auch geimpft sein?“

Noch stellt sich die Frage nach Lockerungen für die Geimpften nicht

Björn Lenz, Schauspiel- und Theaterpädagoge beim Westdeutschen Tourneetheater (WTT), teilt die Bedenken. „Natürlich freuen wir uns über jede Chance, wieder spielen zu können.“ Doch: „Wie weit dürfen wir dazu in die Privatsphäre der Menschen eingreifen?“, fragt Lenz. Zumal: Solange nur Teile der Bevölkerung geimpft werden, dürfte sich die Zahl der Theatergäste in Grenzen halten.

Noch stelle sich die Frage nach Lockerungen für die Geimpften ohnehin nicht, sagt Remscheids Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke (CDU) und verweist auf den gestrigen Beginn der nächtlichen Ausgangssperre. Allerdings wird sie sich absehbar stellen. Die Juristin bezieht dazu eine klare Position. Insofern sichergestellt sei, dass von den Geimpften keine Infektionsgefahr mehr ausgeht, müssten sie natürlich ihre bürgerlichen Freiheiten zurückerhalten. „Das“, sagt die Dezernentin, „steht doch außer Frage“. | Standpunkt

Standpunkt: Kein Anlass für Debatten

Kommentar von Manuel Böhnke

manuel.boehnke@ rga.de

Es ist eine gesellschaftlich und wohl auch juristisch unausweichliche Diskussion. Welche Freiheiten stehen Personen mit vollständigem Impfschutz zu? Dabei von Privilegien zu sprechen, wäre falsch. Vielmehr geht es um Grundrechte, die zur Pandemiebekämpfung zeitlich begrenzt eingeschränkt wurden. Die Diskussion birgt Zündstoff. Weniger, wenn es um wegfallende Quarantäne-Vorgaben oder obsolete Tests geht. Sondern vielmehr, wenn sich Gastronomen, Fluggesellschaften oder Veranstalter entscheiden, nur geimpften Personen Zutritt zu ihren Angeboten zu gewähren. Rufe nach einer Impfpflicht durch die Hintertür kämen auf, die Gerechtigkeitsfrage stünde im Raum. Denn bislang hat nur ein Bruchteil der Deutschen überhaupt ein Impfangebot erhalten. Doch Impfneid ist an dieser Stelle fehl am Platz. Wenn es den Branchen, die die Corona-Krise wirtschaftlich am härtesten getroffen hat, hilft, zunächst nur für Geimpfte zu öffnen, dann sollte das kein Anlass für eine Gerechtigkeitsdebatte sein. Es wäre die hoffentlich letzte große Prüfung unserer Solidarität in dieser Pandemie. | Geimpfte sollen alle Freiheiten zurückerhalten

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