Lösung in Sicht

Gehweg an der Bismarckstraße ist mit Taubenkot überzogen

Etwa 100 Tauben fühlen sich rund um die Unterführung Bismarckstraße heimisch. Die Tiere grüßen gern mit dem Sterz von oben - zum Leidwesen der Bürger. Die TBR müssen regelmäßig die Hinterlassenschaften auf dem Gehweg darunter reinigen.
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Etwa 100 Tauben fühlen sich rund um die Unterführung Bismarckstraße heimisch. Die Tiere grüßen gern mit dem Sterz von oben - zum Leidwesen der Bürger. Die TBR müssen regelmäßig die Hinterlassenschaften auf dem Gehweg darunter reinigen.
  • Melissa Wienzek
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Technische Betriebe wollen den Gehweg unter der Unterführung für 30.000 Euro asphaltieren. Aber nicht nur das ist geplant.

Von Melissa Wienzek

Rutschgefahr: Der Gehweg an der Bismarckstraße ist mit Taubenkot überzogen.

Remscheid. Immer, wenn es so wie jetzt regnet, wird die Unterführung an der Bismarckstraße zur Ekelfläche – dann sollte man hier besser nicht zu Fuß unterwegs sein. „Taubenkacke-Rutschtage“ nennt der Ehringhauser Klaus Walder jene Tage. Denn dann vermischen sich die Regentropfen mit dem Taubenkot auf dem Gehweg unter der Deutschen-Bahn-Brücke in der Nähe vom Kaufland. Hier hat sich eine große Population von Tauben niedergelassen, die offenbar wieder gewachsen ist – aktuell tummeln sie sich wieder zuhauf auf dem Geländer und halten die Schwänzchen in die Höh.

Seit langem ist das Taubenproblem rund um den Kaufland schon Thema im Südbezirk und in der Bezirksvertretung. Auch für die nächste Sitzung am 30. November will die CDU-Fraktion das Thema wieder auf die Agenda setzen lassen. Mit einem entsprechenden Antrag soll die Verwaltung beauftragt werden, ein Taubenhaus im Südbezirk zu errichten, um das Problem mit Taubenkot an der Bismarckstraße langfristig und im Sinne des Tierschutzes zu lösen. Die Verwaltung möge prüfe, wie die Einrichtung finanziert werden könne. Bislang scheiterte es an der Umsetzung.

Jetzt zeichnet sich aber eine erste andere Lösung ab: Die Technischen Betriebe Remscheid (TBR) wollen im kommenden Jahr, sobald es die Witterung erlaubt, den Gehweg asphaltieren – und investieren dafür 30 000 Euro. Das bestätigt TBR-Chef Michael Zirngiebl auf RGA-Nachfrage. Denn aktuell befinden sich dort Gehwegplatten – und die schlagen den TBR-Reinigern immer entgegen, wenn sie diese mit der Kompaktkehrmaschine samt Hochdruckdüse reinigen wollen. Denn um den klebrigen Vogelkot vom Boden zu lösen, braucht es schweres Geschütz. Eine Zeit lang hätten mehrere Mitarbeiter mit Hochdrucklanzen die Hinterlassenschaften von den Platten gelöst und aufgekehrt. „Aus Arbeitsschutzgründen dürfen wir das jetzt nicht mehr“, erklärt Zirngiebl. Tägliches Reinigen sei nicht drin. „Das Aufwirbeln des Kots ist gefährlich.“

„Ein Taubenhaus ist die einzige Methode, tierschutzgerecht die Anzahl zu reduzieren.“

Andrea Schneider und Cora Pastors, Tierschützerinnen

Die Idee, Netze an der Bahnbrücke anzubringen, scheide aus. „Das kostet ein Schweinegeld und geht entweder nur nachts oder mit einer Vollsperrung.“ Außerdem müsste man die Netze jedes Mal abhängen und wieder aufhängen, wenn die Deutsche Bahn eine Bauwerksprüfung vornehmen, was relativ oft vorkomme. Zumal die Netze auch aus Tierschutzsicht ungeeignet sind.

Daher nun Asphalt, der sich besser reinigen lässt. Die koste zwar auch Geld, bringe aber auf Dauer mehr. Und bis dahin? „Zurzeit versuchen wir, kosmetisch vorzugehen. Außerdem planen wir dieses Jahr noch eine nächtliche Reinigungsaktion.“ Dabei werde mit einem Spülwagen des Kanalbetriebs die ganze Fläche eingeweicht. Dafür müssen eine oder gar zwei Fahrbahnen der Bismarckstraße gesperrt werden.

Die Ursache des Problems sei laut dem TBR-Chef falsch verstandener Tierschutz. „Die Leute meinen, sie müssten die Tauben füttern – aber das ist verboten“, betont er. Der Kot ist übrigens deshalb so flüssig, weil die Tiere kein artgerechtes Futter erhalten. Schon oft erhielt Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD) Fotos von abgestellten Futtersäcken in diesem Bereich.

Für Andrea Schneider, Cora Pastors und weitere ehrenamtlich Aktive gibt es ebenfalls nur eine Lösung: ein Taubenhaus. Denn auch an vielen anderen Stellen in der Stadt gibt es Populationen. Ein Taubenhaus ist ein betreutes Zuhause für Stadttauben. Hier bekommen die Tiere artgerechtes Futter, frisches Wasser, medizinische Versorgung und können ohne Stress ihrem angezüchteten Bruttrieb nachgehen. „Taubenhäuser sind die einzige Methode, tierschutzgerecht und nachhaltig die Anzahl der Stadttauben zu reduzieren, ohne den Tieren zu schaden“, betonen die beiden. Denn hier würden Bruteier gegen Attrappen getauscht.  | Standpunkt

Das sagt das Veterinäramt

Nach Bestimmungen der Bundesartenschutzverordnung sowie dem Tierschutzgesetz dürfen Stadttauben nicht mit Fallen, Netzen oder auf andere Weise mit der Folge der Tötung, der Verletzung oder zu einem anderen Zweck gefangen und verfolgt werden. Zu empfehlen sei jedoch eine kontrollierte Regulierung statt einer Bekämpfung, wie in einem Taubenhaus. Stadttauben seien standorttreue Tiere, zeigten eine ausgeprägte Futtersuche, aber reinigten ihre Brutplätze nicht – auch Parasiten sind daher oft Thema.

Passend zum Thema: Tierschützer fordern ein Taubenhaus für Remscheid

Standpunkt von Melissa Wienzek: Henne-Ei-Problem

melissa.wienzek@rga.de

Zugegeben, der kotüberzogene Gehweg Bismarckstraße ist wirklich eklig. Schuld sind aber eigentlich nicht die Tauben. Sie gehen einfach nur ihrem natürlichen Verhalten nach – den Brutzwang hat ihnen der Mensch anerzogen. Und füttert die Tauben auch noch, was verboten ist. Ein klares Henne-Ei-Problem. Wie sehr der Kot auch nervt – Tauben zu jagen, zu überfahren oder zu quälen, geht gar nicht. Insofern ist das Engagement der Tierschützer lobenswert. Sie versuchen, mit dem Eier-Tausch im Kaufland-Parkhaus die Population der Stadttauben in diesem Bereich zu senken.

Doch es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Die Idee eines Taubenhauses könnte hier, neben dem guten Vorstoß der TBR, eine dauerhafte Lösung sein. Hiermit wäre allen geholfen: Die Tauben würden in einer zentralen Stelle ordentlich versorgt, ihre Bruteier gegen Plastik ausgetauscht und somit die Population gesenkt – und die Stadt würde wieder sauberer.

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