Gastronomie

Gaststätte Rautzenberg: Jetzt ist Schluss

Cornelia und Bernd Rautzenberg haben den Gaststättenbetrieb Ende des Jahres aufgegeben. „Irgendwann muss man einen Schnitt machen“, sagt das Inhaber-Ehepaar – und verweist auch auf die gestiegenen Energiepreise.
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Cornelia und Bernd Rautzenberg haben den Gaststättenbetrieb Ende des Jahres aufgegeben. „Irgendwann muss man einen Schnitt machen“, sagt das Inhaber-Ehepaar – und verweist auch auf die gestiegenen Energiepreise.

Der Betrieb ruht bereits seit Weihnachten. Die Gastronomen bieten nur noch Catering und eine Raummiete an.

Von Peter Klohs

Remscheid. Im Jahr, in dem das Haus in der Burger Straße 72 gebaut wurde, traten Charles Lindbergh, John Steinbeck und Heinz Rühmann in das Leben. Im deutschen Parlament hielt Otto Antrick die mit acht Stunden bisher längste verzeichnete Rede. Und – ebenfalls 1902 – war der Grundstein für die Gaststätte Rautzenberg gelegt. Doch nach 120 Jahren ist jetzt Schluss – fast.

Bernd und Cornelia Rautzenberg haben die Gastronomie zum zweiten Weihnachtsfeiertag geschlossen. „Wir bieten noch Catering an“, informiert Bernd Rautzenberg. „Und wenn man unsere Räumlichkeiten für ein Fest anmieten möchte, so ist das auch weiterhin möglich.“

Zunächst hatte der 1958 in Remscheid geborene Rautzenberg keinen Bezug zur Gastronomie. Er ist gelernter Heizungsbauer und hat jahrelang als Industrieofenbauer gearbeitet. Aber seine Frau Cornelia, die aus Thüringen stammt und seit der Wende in Remscheid lebt, kommt aus der Gastronomie. Als das Ehepaar im März 2013 die Gaststätte übernahm, war klar, dass Bernd seinen Beruf nicht von heute auf morgen kündigen würde. „So eine Gaststätte läuft nicht ohne Weiteres“, weiß er. „Da war mein Job noch wichtig für uns.“ Erst seit 2017 ist er hauptberuflich als Gastronom tätig.

„Das Haus wurde schon immer als Gaststätte benutzt“, berichtet Rautzenberg. „Es wurde 1943 beim Luftangriff auf Remscheid dem Erdboden gleichgemacht. 1947 entstanden neue Baupläne, die 1949 umgesetzt wurden. Es gab noch einige Erweiterungen seit dieser Zeit.“

Der Schankraum, in den man eintritt, ist groß und gemütlich. An den Wänden hängen viele Fotos, auch private der Familie, reichlich Werbung, teilweise aus heutiger Sicht skurrile aus den 60er und 70er Jahren, auf denen der Genuss von Whisky gleichsam als Verführungsmittel angesehen wurde. Da steht eine alte Rechenmaschine, ein Telefon mit Wählscheibe, ein alter Bierkrug. Es schließen sich ein großer und ein etwas kleinerer Raum an, die für Feiern wie gemacht sind. Auf der Rückseite des Hauses ist das Gelände des Mannesmann-Parks. Der „Blaue Mond“ ist zwei Steinwürfe entfernt.

„Die drei Kühlhäuser und sieben -truhen rechnen sich einfach nicht mehr.“

Gastronom Bernd Rautzenberg

Über eine halbrunde Treppe gelangt man in die untere Etage, in der eine gemütliche Sitzecke und zwei Kegelbahnen Platz gefunden haben, die neu gestaltet wurden. Die alte, jedoch noch immer funktionierende Technik, wurde nicht verändert.

Bernd Rautzenberg wird in diesem Jahr 65 Jahre alt. „Das reicht“, sagt er. „Irgendwann muss man einen Schnitt machen. Wir haben jetzt das Alter. Und die Entwicklung der Energiepreise hat die Entscheidung, die Gastronomie jetzt zu schließen, sicher begünstigt. Sehen Sie: Wir haben drei Kühlhäuser und sieben Kühltruhen. Das rechnet sich einfach nicht mehr.“

Als Höhepunkt seiner Gastronomie-Karriere bezeichnet er den sehr guten Kontakt zu den Gästen. „Es ist hier immer angenehm gewesen“, berichtet er. „Ja, es gab auch Zechpreller, aber das war die extrem seltene Ausnahme. Im Endeffekt sind meine Frau und ich froh, dass wir die Chance, diese Gaststätte zu übernehmen, genutzt und ihr durch unser Wirken noch einmal richtig Leben eingehaucht haben.“

Kontakt

Die Gaststätte Rautzenberg in der Burger Straße 72 hat ihre Gastronomie zum 26. Dezember geschlossen und bietet aktuell Catering und die Vermietung ihrer Räumlichkeiten an. Kontakt: Tel. (0 21 91) 4 22 79 60 oder (0 21 91) 4 22 09 20.

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