Zu wenig und teures Frittierfett

In Remscheid bleiben Pommes auf der Karte

Özgür Alagöz von Pommes & Friends serviert seinen Kunden auf der Alleestraße auch weiterhin frische Pommes.
+
Özgür Alagöz von Pommes & Friends serviert seinen Kunden auf der Alleestraße auch weiterhin frische Pommes.

Imbisse und Restaurants spüren steigende Preise für Speiseöl. Gastronomen in Remscheid halten an den Pommes fest.

Von Michelle Jünger

Remscheid. Mehl, Nudeln und ganz besonders Speiseöl sind derzeit aufgrund des Krieges in der Ukraine höchst gefragte Lebensmittel. Nicht nur im Supermarkt sind die Regale leer, auch Gastronomen spüren Lieferengpässe und steigende Preise. Im Umland bedeutet das für viele Imbisse, dass sie Pommes von der Speisekarte nahmen, um Kosten zu sparen.

Das sagen Bäcker und Einzelhändler in Remscheid zu fehlenden Rohstoffen.

Doch Remscheids Gastronomie ist bisher noch lange nicht an dem Punkt, Pommes zu streichen. Zwar gibt es weniger Frittierfett als gewöhnlich vom Großhandel, aber die Lieferketten funktionieren gut und auch die Preiserhöhung ist in den Augen einiger Imbisse und Restaurants, die als Hauptbeilage eben oft die frittierten Kartoffelspalten anbieten, kein Grund sie weg zu lassen.

Markus Kärst vom Restaurant Kromberg hat auch in seiner Funktion als regionaler Dehoga-Vorsitzender keine Hilferufe von Kollegen gehört. „Grundsätzlich ist viel eher die Frage zu stellen, wie viel kann man für Produkte nehmen und wie viel der Kunde bereit ist zu zahlen. Wenn die Grenze des Zumutbaren erreicht ist, wird ein Gericht gestrichen“, sagt Kärst.

Wenn die Grenze des Zumutbaren erreicht ist, wird ein Gericht gestrichen.

Markus Kärst, Gastronom

Es gehe schließlich nicht nur um Öl oder Frittierfett. Auch Mehl und andere Produkte sind sehr teuer geworden und nicht zuletzt die Gaspreise müssen in Preiskalkulationen aufgenommen werden. Beim Speiseöl müsse man dennoch über Preissteigerungen von bis zu 30 Prozent reden, die sich teilweise auch im Endprodukt niederschlagen.

„Wenn man normalerweise drei Euro für eine Portion Pommes nimmt, überlegt man gleich zweimal, ob man seinen Kunden die Pommes für 4,50 Euro anbietet“, erklärt der erfahrene Gastronom. Die Entscheidung Pommes zu streichen sei deshalb verständlich, aber bisher für sein eigenes Restaurant nicht notwendig.

Auch andere Gastronomen sehen es genauso, Ob in Lüttringhausen, Lennep oder in Remscheid auf der Alleestraße – Pommes wird es ohne Probleme weiterhin geben, auch wenn der Endverbraucher dafür zumindest ein wenig tiefer in die Tasche greifen muss.

Bernd Unkel holt sein Frittierfett mittlerweile von drei Großhändlern

„Die Preise gehen zwar hoch und es herrscht ein gewisser Mangel, aber es ist ja nicht so, dass man die Sachen gar nicht mehr bekommt“, sagt Bernd Unkel, Inhaber von der Grillstube Unkel in Lüttringhausen. Damit er seine 90 bis 120 Kilo Frittierfett bekommt, die er in der Woche braucht, muss er derzeit zu drei verschiedenen Großhändlern fahren. Letztlich bekommt er die benötigten Mengen jedoch zusammen.

Damit möglichst viele Gastronomen zumindest einen Teil des benötigten Öls oder Fetts bekommen, rationiert der Großhandel die Liefermenge. Denn auch die Großhändler wollen ihre Kunden nicht verlieren und fair aufteilen. Bernd Unkel sieht den Großhandel nicht als Verursacher des Engpasses an. „Für mein Dafürhalten hält die Industrie da künstlich zurück, damit es ihnen nicht ausgeht. Bei den Großhändlern selber kommt viel weniger an“, meint Unkel. Der Imbissbesitzer schließt dennoch Probleme mit den Lieferwegen vom Produktionsort bis in den deutschen Großhandel nicht aus, die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöst werden könnten.

Pommes & Friends-Betreiber Özgür Alagöz auf der Alleestraße hat eine Vermutung, wieso Pommes hier nicht von der Karte genommen werden müssen. „Remscheid ist klein, in Köln werden ganz andere Mengen gebraucht. Bräuchte ich jede Woche 200 Liter und mehr, hätte ich ein viel größeres Problem“, sagt er. Deshalb sieht er den Verkauf von Pommes in Remscheid auch nicht gefährdet.

Alle Gastronomen blicken mit Sorge auf die Gesamtheit der Preissteigerungen, insbesondere im Bereich der Energiekosten. Diese Kosten würden viel stärker am Endverbraucher hängen bleiben.

Kampf gegen hohe Strom- und Heizkosten

Hintergrund

In Städten wie Köln fangen immer mehr Gastronomen an Pommes von ihren Speisekarten zu streichen – zumindest temporär. Stattdessen greifen sie auf Kartoffelsalat oder andere Beilagen zurück, die weniger Fett in der Verarbeitung benötigen. Begründet werden diese Entscheidungen unter anderem durch die steigenden Preise und die schlechte Verfügbarkeit von Speiseöl und Frittierfett.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Knallkörper lösen Großeinsatz der Polizei an der Honsberger Straße aus
Knallkörper lösen Großeinsatz der Polizei an der Honsberger Straße aus
Knallkörper lösen Großeinsatz der Polizei an der Honsberger Straße aus
Wetterdienst warnt vor schweren Unwettern in Remscheid
Wetterdienst warnt vor schweren Unwettern in Remscheid
Wetterdienst warnt vor schweren Unwettern in Remscheid
Rat verlängert Arbeitsverträge von drei Dezernenten
Rat verlängert Arbeitsverträge von drei Dezernenten
Rat verlängert Arbeitsverträge von drei Dezernenten
9-Euro-Ticket: Das gilt es zu beachten
9-Euro-Ticket: Das gilt es zu beachten
9-Euro-Ticket: Das gilt es zu beachten

Kommentare