Corona-Pandemie

Abgesagte Weihnachtsfeiern - Gastronomen brechen die Umsätze weg

Abgesagte Caterings und Weihnachtsfeiern machen Christian Jablonski (Der Grund) und seinen Kollegen zu schaffen. Foto: Roland Keusch
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Abgesagte Caterings und Weihnachtsfeiern machen Christian Jablonski (Der Grund) und seinen Kollegen zu schaffen.

Viele Weihnachtsfeiern wurden schon abgesagt. Auch Caterings fallen aus.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Markus Kärst steht vor einem großen Problem: 85 Prozent der geplanten Weihnachtsfeiern in seinem Hotel-Restaurant Kromberg wurden schon wieder abgesagt. Jeden Tag rufen ihn Firmen an, um ihre Feier – teils mit mehreren 100 Personen – zu stornieren. Zu groß ist die Gefahr der steigenden Corona-Zahlen.

Auch Christian Jablonski, Inhaber des Restaurants „Der Grund“, kommt kaum hinterher. Die E-Mails mit Absagen von Weihnachtsfeiern und mit Nachfragen nach privaten Geburtstagsfeiern oder Familienfesten überschneiden sich. „Noch bin ich guter Dinge, aber ich vermute, das wird nicht gut enden“, schätzt Jablonski. Mit 70 bis 80 Prozent Absagen rechnet er. „Das ist nicht witzig“, bringt er es auf den Punkt.

Viele Gäste sind sich noch unsicher: „Manche lassen sich die Option noch offen, auf den letzten Drücker abzusagen“, sagt Markus Kärst, Vorsitzender der Dehoga Remscheid. „Ich gehe davon aus, dass auch sie absagen werden.“ Nur kleinere Büros, Vereine oder Arztpraxen haben noch nicht storniert.

Den Ausfall können wir nicht kompensieren.

Markus Kärst, Kromberg

Zehn bis elf Absagen erreichten ihn allein innerhalb von fünf Tagen. „Wir sind wieder in einer ähnlichen Situation wie letztes Jahr“, weiß Kärst. Gab es im vergangenen Jahr noch alternative Angebote wie Food Trucks auf dem Firmengelände, hätten die Firmen in diesem Jahr damit spekuliert, ihre Feiern normal auszurichten. „Jetzt wird auch nicht mehr spontan umgeplant“, sagt Markus Kärst.

Die Folge: 70 Prozent des Umsatzes im Weihnachtsgeschäft fallen so bei den großen Gastronomiebetrieben, die im Veranstaltungsbereich tätig sind, weg, schätzt Kärst. Denn auch die Caterings für die Firmen finden nicht statt.

Die ausgefallenen Weihnachtsfeiern werden – im Gegensatz zu runden Geburtstagen oder anderen besonderen Anlässen – nicht nachgeholt. Kärst: „Den Ausfall können wir nicht kompensieren.“

Schon jetzt sind die steigenden Corona-Zahlen bei Markus Kärst im Restaurant Kromberg zu spüren. Tischreservierungen werden spontan abgesagt. Der Grund: Erkältung, Grippe oder Quarantäne. „Gäste mit Schnupfen kommen nicht, obwohl sie – vor der Pandemie – auch mit Schnupfen gekommen wären“, berichtet der Gastronom. Wenn spontan zwei Gäste weniger am Tisch sitzen, bleibt Markus Kärst auf seinen Waren sitzen. „Wir planen ins Blaue“, fasst er die derzeitige Situation zusammen.

2G-Regel ist nicht das Problem

Die 2G-Regel in der Gastronomie – genesen oder geimpft – sehen die Gastronomen dagegen unproblematisch: „Zu 95 Prozent sind meine Gäste geimpft. Dass uns jemand einen Test unter die Nase hält, kommt so gut wie gar nicht vor“, erklärt Christian Jablonski. Ähnliches berichtet Klaus Fischer, Geschäftsführer des Hotel-Restaurants Fischer in Lüttringhausen. Viele Absagen verzeichnet er noch nicht – große Feiern hat er aber bewusst nicht angenommen.

„Wir sind ja Kummer gewöhnt. Ich gehe davon aus, dass die Reservierungen nicht mehr werden. Die Leute hängen in der Luft“, sagt Klaus Fischer. Die gesamte Branche könne nur reagieren, nicht agieren. In seinem Hotel merke er die steigenden Corona-Zahlen noch deutlicher. „Übernachtungen von Firmen sind schon abgesagt worden. Ebenso das Catering in den Häusern. Das merken wir schon“, sagt Fischer.

Im Restaurant Kromberg steigt derweil die Nachfrage nach Take-away-Menüs, berichtet Markus Kärst. Seine größte Befürchtung: Schnee an Weihnachten. Denn dann kommen die Absagen kurzfristig. „Was ist, wenn die Leute spontan am ersten Weihnachtstag absagen, weil sie in Quarantäne sind. Was ist, wenn wir selbst in Quarantäne müssen?“ Darauf findet Markus Kärst keine Antwort.

Hintergrund

Sollte es noch einmal Personenbegrenzungen im Restaurant zur (Vor)Weihnachtszeit geben, wäre das eine Katastrophe, schätzt Markus Kärst. Viele Restaurants sind schon Wochen im Voraus ausgebucht. Breche das Weihnachtsgeschäft weg, gebe es im Januar und Februar das große Gastro-Sterben, erklärt zudem Isabel Hausmann von der Dehoga. Sie rät dazu, die Situation abzuwarten, bevor Feiern abgesagt werden.

Standpunkt: Bittere Weihnachten

Ein Kommentar von Alexandra Dulinski

alexandra.dulinski@rga.de

Dass am laufenden Band geplante Weihnachtsfeiern abgesagt werden, ist bitter. Für jene, die gerne im Kreis ihrer Kollegen nach langer Zeit feiern wollen. Aber noch viel schmerzhafter sind die Ausfälle für die Gastronomen. Für sie fällt nicht nur ein gemütlicher Abend aus. Nein, sie fangen an zu rechnen. Für die Gastronomen hängt ihre Existenz davon ab, wie sich die nächsten Wochen in Deutschland entwickeln werden. Aber genau da spielen auch die Weihnachtsfeiern eine Rolle. Die Inzidenzen gehen jetzt schon durch die Decke. Was passiert, wenn Corona bei einer Firmenfeier mit 300 Gästen ausbricht, kann man sich ausmalen – möchte man sich aber nicht vorstellen. Da möchte kein Firmenchef die Verantwortung tragen. Genauso wenig wie die Firmen im Fall der Fälle den Stillstand ihrer Produktion riskieren möchten. Beide Seiten, Firmen und Gastronomen, kann man sehr gut verstehen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die familiären Weihnachtsessen in diesem Jahr wieder in den Restaurants der Stadt stattfinden können. Sonst droht uns ein zweites, bitteres Weihnachten.

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