Mein Blick auf die Woche in Remscheid

Um ein Grad kälter, und die ersten beschweren sich

axel.richter@rga.de
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Es war nur ein kleiner Blackout. Und doch zeigt der Stromausfall in Lüttringhausen, wie verwundbar wir sind. Ziehen die Menschen im Bergischen daraus die richtigen Schlüsse? Nein, schätzt RGA-Lokalchef Axel Richter. In Radevormwald beschweren sich die ersten bereits, weil das Badewasser um ein Grad kälter wurde. So werden wir die Energiekrise nicht meistern.

Remscheid. Auf einmal war er da, der Blackout. Die Lüttringhauser hatten nach dem Großbrand bei der Härterei Lohe gerade wieder die Fenster öffnen können, da standen viele von ihnen mit einem Mal ohne Strom da. Ursache war ein Unfall in einem Umspannwerk auf der Stadtgrenze zu Wuppertal. Insgesamt betroffen waren
20 000 Haushalte.

Der Ausfall währte längstens zwei Stunden. Nicht wenige Lüttringhauser verpassten deshalb das EM-Endspiel der deutschen Fußballerinnen gegen England. Das war für sie ärgerlich, mehr aber auch nicht.

Der kleine Blackout macht allerdings auch deutlich, wie angreifbar unsere hochtechnisierte Gesellschaft ist. Auch die zunehmende Zahl von Cyberangriffen zum Beispiel auf die Bergische Uni und auf die Industrie- und Handelskammer zeigen: Wir sind verwundbar.

Bereits in den 80er Jahren prägte der Soziologe Ulrich Beck dafür den Begriff der Risikogesellschaft. Danach sind Gefahren nicht mehr individuell verteilt, sondern betreffen tendenziell jeden. So unterscheidet radioaktive Strahlung nicht zwischen Arm und Reich. Und auch einen Stromausfall hat für alle die gleichen Konsequenzen, schließlich braucht es nicht mehr als den Ausfall der Energieversorgung, um eine Gesellschaft an den Rand des Chaos zu bringen.

Mit dem dem Ende des „Kalten Krieges“ ist die Existenz solcher Risiken aus dem kollektiven Bewusstsein verschwunden. Bis zum Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine. Dabei zeigte schon die Corona-Pandemie und die Hochwasserkatastrophe, wie schlecht wir auf existenzielle Bedrohungslagen vorbereitet sind.

Die Feuerwehr Remscheid will das ändern und widmet sich wieder stärker dem Katastrophen- und Zivilschutz der Bevölkerung. Der kleine Blackout vom Sonntag wurde dafür zum ungeplanten, aber erfolgreichen Testlauf: Das Notstromaggregat im Lüttringhauser Gerätehaus funktionierte, was gut ist, denn im Notfall sollen die Gerätehäuser zu „Leuchttürmen“ werden, die die Menschen aufsuchen können.

Einen echten Blackout, also einen großflächigen und längerfristigen Stromausfall, halten die Experten übrigens gut für möglich, sollten im kommenden Winter bei einer erkalteten Gasheizung alle zur selben Zeit den Heizlüfter anwerfen.

Wird das zu verhindern sein, weil alle den Ernst der Lage erkannt haben? Wahrscheinlich nicht. Der Umstand, dass, wie in dieser Woche in Radevormwald geschehen, sich die ersten Senioren darüber beschweren, dass das Wasser im Rader Hallenbad um ein Grad weniger warm ist, lässt jedenfalls nicht viel Gutes erwarten.

Geht gar nicht: Dubiose Firmen spielen mit Ängsten in der Gaskrise.

Geht doch: Das Freibad im Eschbachtal öffnet in der nächsten Woche auch montags und dienstags.

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