Gift im Boden

Galvanik-Betrieb: 640 Lkw-Ladungen verseuchte Erde

Seit Anfang 2019 liegt das Gelände brach. 2021 wurde die Stadt Remscheid Eigentümerin. Künftig sollen Wohnungen darauf entstehen. Jetzt aber rücken zunächst die Abrissbagger an.
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Seit Anfang 2019 liegt das Gelände brach. 2021 wurde die Stadt Remscheid Eigentümerin. Künftig sollen Wohnungen darauf entstehen. Jetzt aber rücken zunächst die Abrissbagger an.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Die Sanierung des ehemaligen Galvanik-Betriebes Fischer in Westhausen beginnt am 1. Juni. Die Bagger sollen 16.000 Tonnen verseuchte Erde ausgraben. Die Anwohner sorgen sich um ihre Gesundheit.

Remscheid. Nicht wenige Anwohner sehen die Bagger mit Unbehagen anrücken. Sie haben Angst vor dem, was im Boden lauert. Chrom, Chromat, per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) und andere Gifte, die an die Oberfläche gelangen. Doch an der Sanierung des ehemaligen Galvanik-Betriebes Fischer in Westhausen führt kein Weg vorbei. Am 1. Juni wird damit begonnen. In den folgenden 40 Wochen sollen die Bagger 16.000 Tonnen verseuchte Erde ausgraben. Das ist der Inhalt von 640 Lkw-Ladungen.

Gift im Boden verunsichert die Nachbarn

Verantwortlich für den Rückbau der Fabrikgebäude und die Sanierung des Bodens ist der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung. Der Verband mit Sitz in Hattingen beseitigt überall dort Altlasten in Boden und Grundwasser, wo der Verursacher nicht mehr haftbar gemacht werden kann. Das ist bei Galvano Fischer der Fall. Und nicht nur dort in Remscheid.

Das Unternehmen verseuchte Erde und Grundwasser

Das 1954 gegründete Unternehmen beschichtete Metallprodukte mit Chrom, Kupfer, Zink und Nickel. Dabei scherten sich die Galvaniseure wenig um den Umweltschutz. Bis Mitte der 60er Jahre ließen sie die Gifte in Sickergruben verrinnen.

1965 errichteten sie eine Abwasserentgiftungsanlage und die Abwässer versickerten auf einer Brachfläche. „Die Sickergruben liefen des Öfteren über und überschwemmten und verunreinigten die angrenzenden Grundstücke“, berichtet der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung bereits 2014 in seinem Jahresbericht. Die Gifte, das zeigen Untersuchungen, gelangten tief ins Erdreich und bis ins Grundwasser. Die Quellen des Westhauser Siepens und des Ohlsiepens, zweier Bäche in Westhausen, sind mit Chromat und PFC belastet.

Die Sickergruben liefen des Öfteren über.

Verband für Flächenrecycling und Abfallsanierung 2014

Die verseuchte Erde darf deshalb nicht an Ort und Stelle verbleiben. „Es geht nicht nur um die Standortsanierung, sondern auch um den Schutz des Grundwassers“, erklärte Sonja Dresen, Leiterin der Abteilung für Gewässer und Bodenschutz bei der Stadt Remscheid, auf Nachfrage des RGA.

Seit 2021 ist die Stadt Eigentümerin des insgesamt 4500 Quadratmeter großen Geländes. Die Witwe des ehemaligen Firmeninhabers verkaufte der Stadt die Grundstücke zu einem symbolischen Preis. Künftig sollen Wohnungen darauf gebaut werden.

Galvano Fischer: Zuerst werden die Gebäude entkernt

Doch zunächst wird abgerissen. Das damit beauftragte Bauunternehmen soll zunächst alle Abfälle aufsammeln, die sich noch in den Gebäuden befinden. Danach werden die Räume entkernt und schließlich rückgebaut. „Insgesamt fallen rund 2250 Tonnen Bauschutt an, die in 90 Lkw-Fuhren abgefahren werden“, schreibt der Verband.

Anschließend sind die Bagger an der Reihe. Sie werden den belasteten Boden zwischen zweieinhalb und drei Metern Tiefe ausbaggern. Das Erdreich landet als Sondermüll auf der Deponie, die Gruben werden mit sauberem Boden verfüllt. Für die Baustelle müssen Teile der Westhauser Straße genutzt werden.

So solle die Anwohner vor den Giften geschützt werden

Für das Bauunternehmen gelten strenge Regeln zum Schutz der Anwohner. „Sofern bei den Arbeiten Staub entsteht, wird er mit Wasser niedergeschlagen“, schreiben Stadt und Verband. Eben das ist eine Sorge aus der Anwohnerschaft. Der Wind könne Staub in die Gärten wehen. Ein Mitarbeiter soll ständig vor Ort sein, um zu kontrollieren, ob die Vorgaben eingehalten werden. Täglich sollen an der Baugrube Messungen vorgenommen werden.

Das alles kostet sehr viel Geld. Annähernd 4,3 Millionen Euro sind für die Sanierung veranschlagt. Der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung trägt 80 Prozent der Kosten, die restlichen 20 Prozent die Stadt.

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Seit 100 Jahren

Betriebe wie Galvano Fischer gibt es in Remscheid seit mehr als 100 Jahren. Der nächste Sanierungsfall ist nicht weit entfernt: An der Küppelsteiner Straße produzierte einst die Firma Blasberg. Wie Fischer ging sie in Insolvenz. Der Eigentümer starb. Auch dort schlummern Gifte im Boden.

Um solche Fälle kümmert sich der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung. Das Land und seine Kommunen sind Pflichtmitglieder. Auf freiwilliger Basis haben sich ihm auch private Unternehmen angeschlossen. In Remscheid wurde der Verband unter anderem bei der Sanierung des einstigen Schießstandes Tente aktiv.

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