Galerie „Ins Blaue“

Arbeiten fordern zum Nachdenken und Austausch auf

Hans Gerd Müller betrachtet die Lichtprojektion von Alicja Darski. Foto: Doro Siewert
+
Hans Gerd Müller betrachtet die Lichtprojektion von Alicja Darski.

Galerie „Ins Blaue“ eröffnete den zweiten Teil der Ausstellung „Experiment _ Raum“ in Honsberg.

Von Michelle Jünger

Remscheid. Schwarz-weißes Fernsehrauschen flimmert über eine Wand, in einem anderen Ausstellungsraum gibt es eine riesige schwarze Röhre und einen QR-Code aus Gurtband oder schwarz-weiß Projektionen. In der Galerie „ins Blaue“ an der Siemensstraße am Honsberg hat am Sonntagabend der zweite Teil der Ausstellung Experiment_Raum begonnen.

Die Idee der Ausstellung ist, Raum und Zeit verschiedene Darstellungen und Formen zu geben, sie zu hinterfragen oder auch mal ganz anders zu definieren. Manche Besucher und Besucherinnen waren bei einigen Ideen auf den ersten Blick verwirrt, dann neugierig und nachdenklich. Andere haben angefangen, sich unmittelbar mit anderen auszutauschen.

So auch Hans Georg Müller, der sich mit der Kunstszene am Honsberg auskennt und auch viele bekannte Gesichter wiedertrifft. Deshalb ist er gekommen. „Es ist Kunst und Kunst. Das zu erklären, ist eine sehr schwierige Angelegenheit“, meint er im Hinblick auf die Ausstellung. Ihm gehe es mehr um die persönliche Begegnung, den Austausch. Und auch darum zu sehen, was den zahlreichen Kunstprojekten und den dauerhaft bleibenden Graffiti der letzten Jahre noch hinzugefügt wird.

Angesprochen hat ihn auch die Performance der Künstlerin Alicja Darski. Die Wuppertalerin hat einen Teil ihrer Filmprojekte ausgestellt, performte aber auch im Rahmen der Eröffnung live ihr neustes Projekt #Ruhe #Eskalation. „Für mich ist es die Verarbeitung der Coronazeit, die mich selbst in eine tiefe Lethargie gerissen hat. Ich fiel in ein Loch“, sagt Alicja Darski. Ihre Darstellungen sollen die Emotionen einfangen.

Performance thematisiert Spannungsfelder

„Ich hatte für diese Ausstellung hier schon zu gesagt, und irgendwann im Januar rief mich Katja Wickert von Ins Blaue an und fragte, wie weit ich bin. Als ich sagte, dass ich noch gar nichts geschafft habe und erzählt habe, wie es mir geht, sagte sie: ‚Klingt gut. Mach mal!’“, sagt Darski. Das habe den Anstoß zu der Arbeit gegeben, die nun über eine große Wand der Galerie flimmert.

Die Künstlerin will die ungeschminkte Wahrheit des wahren Ichs oder Spannungsfelder wie die Abhängigkeiten von Männern und Frauen zeigen. Auch ihre Performance zeigt Wirkung. Ist in manchen Gesichtern am Anfang Verwirrung zu lesen, weicht das irgendwann der Nachdenklichkeit über die intensiv wirkende Darstellung.

Auch Hans Georg Müller kann sich damit in Bezug auf die Coronapandemie identifizieren. „Die Pandemie hat mich psychisch an die Wand gestellt. Ich habe darüber auch erstmal nicht gemerkt, dass ich eine reale, ernste Erkrankung habe“, erklärt er. Deswegen konnte er die ruhige und dann wieder eskalierende Performance der Künstlerin gut nachvollziehen. Aber auch andere Künstler und Künstlerinnen haben in und um die Galerie ausgestellt. So auch Ria Gerth. Ihre Projektionen laufen im Außenbereich auf zwei Hauswänden und beschäftigen sich vor allem damit, dem Raum wortwörtlich Raum zu geben.

Sie arbeitet perspektivisch mit Fluchtpunktprojektionen und grafischen Darstellungen, die ständig mal ruhig, mal recht wechselhaft in Bewegung sind. „Das bewegte Bild hält den Menschen einfach ganz anders fest. Es zieht die Aufmerksamkeit an, so dass man stehenbleibt und es wirken lässt“, sagt die gelernte Bildhauerin, die nun vor allem mit digitalen Medien arbeitet.

Und dann mit Einbruch der Dämmerung erscheint immer mehr auf den Hauswänden rund um die kleine Galerie und taucht die Straßen vom Löf bis zum alten Bunker am Honsberg künstlerisch in ein ganz anderes Licht.

Hintergrund

Das multimediale Kunstprojekt ist in der ins Blaue Art Gallery noch bis zum 14. November zu sehen. Dort kann man jeweils samstags und sonntags von 18 bis 20 Uhr die Video- und Rauminstallationen sowie die Außenprojektionen betrachten.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Verdacht auf illegales Rennen: Polizei kassiert Führerscheine von jungen Remscheidern
Verdacht auf illegales Rennen: Polizei kassiert Führerscheine von jungen Remscheidern
Verdacht auf illegales Rennen: Polizei kassiert Führerscheine von jungen Remscheidern
Ansturm auf Termine in der Impfstelle im Zentrum Süd
Ansturm auf Termine in der Impfstelle im Zentrum Süd
Ansturm auf Termine in der Impfstelle im Zentrum Süd
Impfbetrüger legen falsche Dokumente vor - Polizei ermittelt wegen Urkundenfälschung
Impfbetrüger legen falsche Dokumente vor - Polizei ermittelt wegen Urkundenfälschung
Impfbetrüger legen falsche Dokumente vor - Polizei ermittelt wegen Urkundenfälschung
Dr. Frank Neveling: „Intensivkapazitäten sind bereits knapp“
Dr. Frank Neveling: „Intensivkapazitäten sind bereits knapp“
Dr. Frank Neveling: „Intensivkapazitäten sind bereits knapp“

Kommentare