Ein großer Wunsch geht in Erfüllung

Rotationstheater: Gäste atmen nun Frischluft

Stephan und Jan Klaiß (1. und 2. v. l.) erklären den Sponsoren Peter Hardebeck (Sparkasse, 3. v. l.) sowie Dr. Britta und Dr. Peter Wurm (3. und 2. v. r.) von der Wurm-Stiftung die Lüftungstechnik. Reintraut Schmidt-Wien (M.) und David Schmidt (r.) vom Rotationstheater sind glücklich. Nun wurde das umgesetzt, was sie sich schon lange gewünscht haben. Foto: Roland Keusch
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Stephan und Jan Klaiß (1. und 2. v. l.) erklären den Sponsoren Peter Hardebeck (Sparkasse, 3. v. l.) sowie Dr. Britta und Dr. Peter Wurm (3. und 2. v. r.) von der Wurm-Stiftung die Lüftungstechnik. Reintraut Schmidt-Wien (M.) und David Schmidt (r.) vom Rotationstheater sind glücklich. Nun wurde das umgesetzt, was sie sich schon lange gewünscht haben.
  • Melissa Wienzek
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Firma Klaiss baute eine große Belüftungsanlage ein – Bund, Sparkasse und Stiftung halfen bei der Finanzierung

Remscheid. Jetzt, nach drei Jahrzehnten ist der Wunsch von David Schmidt endlich in Erfüllung gegangen – und möglich gemacht hat es die Corona-Pandemie. „So schräg das auch klingen mag“, sagt der Sohn der Rotationstheater-Betreiber Johannes Schmidt und Reintraut Schmidt-Wien. Denn ab sofort atmen Gäste, Künstler und Team der Kleinkunstbühne nur noch frische Lenneper Luft von draußen ein – eine neue Belüftungsanlage sorgt dafür. „Es ist genau das, was das Rotationstheater so dringend nötig hatte“, freut sich David Schmidt. Wir erklären die Details.

Was für eine Anlage ist es genau?

Eine große Querbelüftungsanlage mit getrennter Zuluft- und Ablufttechnik, die auf 3000 Kubikmeter ausgelegt ist – also auf die maximale Personenzahl im Theater. Dafür mussten Wände durchbrochen, dabei aber auch die Brandschutzvorschriften beachtet werden. „Das war kniffelig, denn die Räume sind hier so eng und verwinkelt“, sagt Reintraut Schmidt-Wien. Dennoch stellte dies kein Problem für das Remscheider Unternehmen Klaiss Kälte-Klima dar. „Für uns war das eine Herzensangelegenheit“, sagt Jan Klaiß. „Wir können der bergischen Kleinkunst so zu einem besseren Klima verhelfen“, sagt sein Vater, Firmenchef Stephan Klaiß. „Und wir sind froh, dass Sie Zeit hatten – und das Material auch geliefert werden konnte“, sagt David Schmidt mit Blick auf aktuelle Engpässe.

Nachdem Jan Klaiß alles genau geplant hatte, startete die Bauphase im Mai. Im ehemaligen Lagerraum im Keller wurden die Oberlichter geöffnet und zwei große getrennte Luftschächte installiert – einen für die Zuluft und einen für die Abluft. Die Schächte wurden durch mehrere Räume unter der Decke verlegt. „Es handelt sich hier um kein Umluftverfahren, sondern um 100 Prozent Außenluft. Wir simulieren im Raum ein Außenklima mit leichter Windführung über den Köpfen der Besucher“, erklärt Firmenchef Stephan Klaiß. Die verbrauchte Luft wird zügig abgesaugt und frische von draußen eingeleitet. „Dadurch erreichen wir eine 100-ige Sicherheit gegen Viren wie das Coronavirus. Mehr kann man heutzutage nicht tun“, unterstreicht der Experte für Klima- und Belüftungsanlagen. „Die Anlage sorgt nun für eine ganz erhebliche Verbesserung der Luftqualität.“ Herzstück ist ein Kreuzwärmetauscher für die Wärmerückgewinnung. 85 Prozent der Wärme bleibt im Haus, 15 Prozent produziert die Heizung dann im Winter.

Welche Räume werden versorgt?

Nicht nur der eigentliche Theatersaal, sondern auch die Künstlergarderobe und das Foyer. „Mein Wunsch war es zudem, auch die Künstler, die auf der Bühne stehen, mit Frischluft zu versorgen“, sagt David Schmidt. Auch dieser Wunsch ging in Erfüllung. Wenn Comedian Sascha Korf also demnächst wieder auf der Bühne explodiert, wird ihm dabei wenigstens nicht mehr ganz so heiß. Und auch die Schüler der angrenzenden Schule für Musik, Tanz und Theater profitieren von der neuen Anlage: Sie nutzen das Theater für Gesangsunterricht und Bandcoachings. Die Belüftungsanlage kann vom Mischpult aus gesteuert werden. Sie ist anpassbar auf die Personenzahl.

Hat die Belüftung Auswirkung auf die Besucheranzahl?

Nein, sagt David Schmidt. Man müsse sich an die geltende Corona-Schutzverordnung halten. „Ich gehe aber davon aus, dass wir im Herbst in Abstimmung mit dem Ordnungsamt wieder 50 oder 60 Personen reinlassen dürfen.“ Er hoffe auf ein volles Haus, also 99 Personen, bei der nächsten Travestieshow im Winter. „Dann werden wir die Luftqualität deutlich spüren“, ergänzt seine Mutter. Hören werden die Gäste die Anlage allerdings nicht: Sie ist sehr leise.

Wer hat die neue Anlage finanziert?

Die Kosten, die laut David Schmidt „im mittleren fünfstelligen Bereich“ liegen, wurden zu 90 Prozent durch das Programm „Neustart Kultur“ des Bundes gedeckt. In Folge des Corona-Lockdowns legte die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien das Rettungs- und Zukunftsprogramm auf, das mit Mitteln in Höhe von einer Milliarde Euro helfen soll, den Kulturbetrieb und die kulturelle Infrastruktur dauerhaft zu erhalten. So auch in Remscheid. Verbunden mit der Zusage war allerdings ein Eigenanteil in Höhe von 10 Prozent – diesen übernahmen die Stadtsparkasse Remscheid und die Britta und Peter Wurm-Stiftung zu nahezu gleichen Teilen.

Programm

Das neue Programm soll im September starten – sofern die Gesundheitslage stabil bleibt. Dann wird es eine Neuheit im Rotationstheater geben: Entertainer Wolf Haumann wird dort exklusiv seine Talkshow „Der mit dem Wolf spricht“ ausrichten. Zu den Talkrunden gibt es Musik.

rotationstheater.de

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