Ausgewanderte Bäckerfamilie

Gäste erkunden Backkultur der Bäckerei Evertzberg

Die Besuchergruppe aus den USA informierte Oliver Platt von der Bäckerei Evertzberg über deutsches Brot.
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Die Besuchergruppe aus den USA informierte Oliver Platt von der Bäckerei Evertzberg über deutsches Brot.

US-Amerikaner entdecken die Welt ihrer Vorfahren. In der Bäckerei lernten sie das traditionelle Handwerk kennen.

Von Sabine Naber

Remscheid. Gäste aus sechs Staaten der USA besuchten am Dienstagmittag die Bäckerei Evertzberg an ihrer Produktionsstätte in der Karl-Kahlhöfer-Straße. „Wir alle sind Nachfahren von drei Handwerkern, die im 19. Jahrhundert aus Deutschland ausgewandert sind und ihren Beruf als Bäcker in den Staaten weiter ausgeübt haben. Auf unserer Familientour – es ist das erste Mal, dass wir zusammen nach Deutschland reisen – wollten wir gerne mehr erfahren vom deutschen Bäckerhandwerk und der deutschen Backkultur“, erzählt Thomas Conrad, der aus Philadelphia angereist war.

Weil er die Namen der Ausgewanderten im Kopf hatte und wusste, dass zumindest für eine Familie Lennep mehr als 100 Jahre die Heimat gewesen war, wandte er sich an die Bäckerei Evertsberg, weil ihm bekannt war, dass auch hier die Wurzeln in Lennep liegen. Conrad bat um einen Betriebsbesuch und begründete ihn damit, dass Evertzberg traditionelle Brotsorten anbietet und neuartige Ansätze mit naturnahen Zutaten und Praktiken kombiniert.

Arbeiten in Lennep: Gemischte Industrie bietet viele Möglichkeiten

Bäckermeister und Geschäftsführer Oliver Platt empfing die generationsübergreifende Gruppe, die als Erstes wissen wollte, was einen Bäcker in Deutschland ausmacht. Der Experte schilderte seinen Werdegang zum Bäckermeister und die Geschichte des Familienunternehmens, das 1945 von Johann Evertzberg gegründet wurde. „Wir bekommen Maschinen aus der ganzen Welt. Aber nur hier an diesem Standort wird alles produziert. Und das Besondere an uns ist, dass wir auf Zusatzstoffe verzichten und auf natürliche Prozesse setzen.“

Was dabei herauskommt – unterschiedliche Brötchen, spezielles weißes und dunkles Brot, Pantiti, Croissants und vieles mehr – davon durften die rund 25 Besucher aus Colorado, Illinois, Pennsylvania, Indiana und California zu Beginn der Führung eine Kostprobe genießen. „Für ein gutes Brot braucht ein Bäcker 20 Stunden. Ein schlechter Bäcker braucht nur drei Stunden“, machte Platt deutlich.

Im Schutzanzug ging es in die Produktionshalle

„Wie lange ist das Brot haltbar“, wollte eine Besucherin wissen. Die Antwort hieß: „Mindestens fünf Tage, wenn es nicht geschnitten wurde. In Deutschland lassen sich aber 70 Prozent der Kunden ihr Brot schneiden. Dann ist es mit der richtigen Lagerung schwierig. Deshalb verkaufen wir nur ganze Brote an Supermärkte.“

Als alle einen Schutzanzug angezogen und die Haube aufgesetzt hatten, ging es durch die Produktionshalle. Platt erzählte, dass hier 120 Menschen arbeiten und 14 Stunden pro Tag produziert wird. In einem hohen Raum wurde Sauerteig und Mehl gelagert und der Bäckermeister erklärte, dass der Sauerteig 16 Stunden zur Reife braucht und man dann acht Stunden Zeit hat, ihn zu verarbeiten. „Wir behandeln unser Mehl nicht mit Ascorbinsäure. Das brauchen wir nicht, weil wir es, wenn es gemahlen ist, 20 Tage lang hier lagern. Abgelagertes Mehl gibt besseres Brot.“

60 Prozent sei Handarbeit, den Rest erledigten Maschinen. Platt zeigte, wo die süßen Sachen mit Zuckerguss oder Konfitüre veredelt werden und ließ die Besucher auch s die weihnachtliche Spezialität Spekulatius probieren.

„Das war informativ und hat Spaß gemacht. Ich denke, dass die Themen Bäckerhandwerk und Brot gerade bei so einem Betriebsbesuch lebendig werden“, befand Thomas Conrad. Die Gruppe, die sich aus Kindern im Schulalter, jungen Familien, Singles und Erwachsenen zusammensetzte, hatte bereits ehemalige Wohnorte ihrer Vorfahren im Ruhrgebiet und im Bergischen Land besucht, um sich über Lebensumstände, Geschichte und das damalige soziale Umfeld zu informieren. Am 30. Juli geht es zurück in die Heimat.

Besucherprogramm

Am vergangenen Sonntag hatte Pfarrer Hans-Jürgen Roth die Gruppe schon zur Klosterkirche, zum Alten Markt, wo das Pilgerfest gefeiert wurde und zur Kirche St. Bonaventura – dort entstand ein Gruppenfoto vor dem Altar - und abschließend noch durch Lenneps Altstadt geführt. In seinem Wohnhaus auf dem Hasten bewirtete der Pfarrer seine Gäste aus den USA mit Kaffee und Kuchen, den die Bäckerei Evertzberg gesponsert hatte. Am Ende des Tages wurde noch der Steffenshammer besucht, bevor es nach Windgassen zum Abendessen ging.

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