Baumaßnahmen stehen an

Rückkehr zu G9: Gymnasien sorgen sich um Anbauten

Das Gertrud-Bäumer-Gymnasium erhält einen Anbau im Bereich der Mensa: Schulleiter Stephan Döring mit dem Entwurf.
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Das Gertrud-Bäumer-Gymnasium erhält einen Anbau im Bereich der Mensa: Schulleiter Stephan Döring mit dem Entwurf.
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    VonAndreas Weber
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Die Schulleiter wollen aufs Gaspedal drücken. Die Stadt beschwichtigt: Zeitplan befindet sich im grünen Bereich.

Remscheid. Im Sommer 2026 wird es für die Gymnasien ernst. Durch die Rückkehr zu G9 entsteht in vier Jahren ein zusätzlicher Jahrgang, der entsprechenden Raumbedarf nach sich zieht. Alle vier Remscheider Gymnasien benötigen An- oder Neubauten. Erste Pläne liegen vor. „2026 rückt immer näher, die Preise steigen und am Ende fehlen die Handwerker“, befürchtet Stephan Döring, Chef des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums.

Drei Jahre sind bei Baumaßnahmen der öffentlichen Hand keine lange Zeit. Döring und seine drei Kollegen Jörg Bergemann (Rögy), Thomas Giebisch (Leibniz) und Rainer Schulz (EMMA) sind sich einig: Langsam muss die Stadt Zeitpläne vorlegen. „Wir haben versucht, aufs Gaspedal zu treten, bislang ohne Erfolg“, meint Stephan Döring. „Ich kann kein Tempo machen, wo es im Moment keines geben kann“, entgegnet Dirk Schöneborn vom Gebäudemanagement und beschwichtigt: „Das Ziel 2026 ist bei allen Gymnasien nicht in Gefahr.“

Für das EMMA haben die Architekten gerade den Bauantrag eingereicht, die Stadt befindet sich in der Ausführungsplanung, danach folgen Ausschreibung für die Gewerke und Vergabe. „Anfang 2024 könnten wir am EMMA anfangen.“ Bauplatz wird der Schotterparkplatz für die EMMA-Lehrer an der Elberfelder Straße sein, wo der notwendige eingeschossige Anbau auf Stelzen entstehen wird. Darunter kann geparkt werden.

„Das Ziel 2026 ist bei allen Gymnasien nicht in Gefahr.“

Dirk Schöneborn

Etwas länger wird es mit dem GBG, Rögy und Leibniz dauern, die alle von dem Büro Plan Vorward (Essen/Stuttgart) betreut werden. Dirk Schöneborn weist darauf hin, dass man sich dort in der Leistungsphase 3, der Entwurfsplanung, befinde. „Ich denke, dass in vier bis sechs Wochen die Bauanträge gestellt werden können“, deutet Schöneborn an. Was den Baubeginn betrifft, rechnet der Abteilungsleiter mit Mitte 2024. Das wäre rechtzeitig, um 2026 nicht in Raumnot zu geraten. Die Gymnasien wird diese Nachricht beruhigen.

Seit das Thema 2021 aufkam, gab es zwar Austausche und auch die Entwürfe durch ein externes Fachbüro, aber in den letzten Monaten fühlten sich die Schulleiter von städtischen Informationen abgeschnitten. „Wenn wir nicht nachfragen würden, wüssten wir nichts“, kritisiert Döring mangelnde Transparenz. „Wir haben nicht nur im Nebel gestochert, sondern tappen im Dunkeln.“ Dass die Kommunikation besser sein könnte, findet auch Rögy-Leiter Jörg Bergemann. Sein Konrektor Thomas Benkert ist der schulinterne Baukoordinator des „Riegels“, wie der Neubau im Rögy genannt wird.

In Lennep werden für den Anbau zwei der drei Pavillons weichen. Nummer 3, mit der Mensa verbunden, bleibt stehen, an die Stelle der anderen beiden tritt ein zweigeschossiger, länglicher Neubau mit insgesamt elf Räumen, in denen der zusätzliche Bedarf abgebildet ist, aber auch der Ersatz für die wegfallenden Pavillons. Während der Bauphase bedeutet dies, dass das Rögy eine Container-Lösung benötigt. Zweigeschossig wird auch der Anbau am GBG sein. Auf dem Schulhof, an den Mensa-Glasbau drangesetzt, werden vier Unterrichtsräume plus kleinere Zimmer entstehen.

In einer Rochade möchte das Gymnasium sein nicht mehr zeitgemäßes Lehrerzimmer im Hauptgebäude in den Neubau verlegen. Aus dem alten Lehrerzimmer sollen zwei Klassenräume werden. Wenn am Stichtag 1. August 2026 G9 mit neun Jahrgängen voll greift, müssen an der Hindenburgstraße 80 bis 100 Schüler mehr untergebracht werden. „Wir sind heute schon beengt und haben sehr wenig Platz, wenn es hart auf hart käme und nicht alles rechtzeitig fertig wäre, müssten wir jede Besenkammer nutzen“, denkt Döring voraus. Eine Lösung, die nur vorübergehend funktionieren würde.

Millioneninvest

Die Rückkehr zu G9, die im Schuljahr 2019/20 in Nordrhein-Westfalen mit den Jahrgangsstufen 5/6 begann und 2027 einen ersten G9-Abi-Jahrgang wieder hervorbringt, kostet auch die Stadt Remscheid viel Geld. Schon 2018 taxierte das Büro Lexis & Garbe (Schulentwicklungsplaner) vorsichtig mit 5,3 Millionen Euro. Eine Summe, die sich bis heute weit mehr als verdoppelt hat. Hinzu gesellen sich die Umbauten an über zehn Grundschulen in Remscheid, die OGS-gerecht erweitert werden müssen.

Standpunkt von Andreas Weber: Der Stand der Planung

andreas.weber@rga.de

Um die schulische Infrastruktur auf die Höhe der Zeit und die gesetzlichen Vorgaben zu bringen, wird die Stadt in den kommenden Jahren einen exorbitant hohen Betrag investieren. Geschätzte 180 Millionen Euro werden Schritt für Schritt fließen. Ein Großteil, um dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab 2026 Rechnung zu tragen, ein weiterer Millionen-Batzen, um die Gymnasien fit für G9 zu machen. Wenn mit einem Schlag die Jahrgangsstufe 13 mit 100 Schülern pro Schule Platz braucht, fehlen Quadratmeter. Schon heute gibt es zu wenig Räume, fehlen die Spielräume in den Gebäuden. Was alle Schulen schultern müssen während des Um- und Anbaus, ist nicht ohne.

Auch wenn dies erst in drei Jahren der Fall sein wird, gibt es schon heute Fragen von Eltern und Lehrern zu den Bauprojekten, die Schulleitungen beantworten müssen. Zurecht wollen diese von der Stadt wissen, an welchem Punkt die Planungen sind. Den beruhigenden Stand erfahren sie heute aus dem RGA.

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