Vorsorge

Für die Angehörigen ein Fels in der Brandung sein

Es ist hilfreich, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten seinen Angehörigen mitteilt, wie er einmal bestattet werden möchte, weiß Pfarrerin Stephanie Franz. Fotos: Michael Schütz/Beate Meurer
+
Es ist hilfreich, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten seinen Angehörigen mitteilt, wie er einmal bestattet werden möchte.

Wie Trauerredner den Hinterbliebenen Trost spenden – Eine Pfarrerin berichtet über ihre Erfahrungen

Von Peter Kurz

Remscheid. Es ist ein Moment, in dem die Gefühle über einem zusammenbrechen. Ganz fest vorgenommen hat sich ein Angehöriger, ein paar Worte der Erinnerung über den Verstorbenen zu sprechen. Und dann versagt die Stimme in der Trauerhalle, kein Wort ist mehr möglich, nur noch ein Schluchzen, die Tränen fließen.

Stephanie Franz hat das schon mehrfach erlebt. Sie ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Mettmann und hilft dann aus dieser Situation heraus, übernimmt vielleicht den Redezettel desjenigen und spricht die Gedanken zu Ende, die der von der Trauer Überwältigte nicht aussprechen kann. Stephanie Franz hat Erfahrung mit solchen Situationen, als Pfarrerin ist es ein Teil ihrer Aufgaben, Trauerfeiern zu gestalten und Trauerreden zu halten. Und sie ist durchaus offen und sieht es gern, wenn auch die Angehörigen einen Teil der Feier mitgestalten, durch Text oder Musikwünsche. Erst kürzlich, so erinnert sie sich, hat eine Enkelin für ihren verstorbenen Großvater ein Stück auf dem Horn gespielt. „Das war besonders rührend, aber es ist emotional oft sehr schwierig“, sagt Franz.

Den ersten Kontakt zu Stephanie Franz übernimmt in den meisten Fällen das Bestattungsunternehmen. Sie wiederum nimmt dann mit den Angehörigen Kontakt auf und vereinbart ein persönliches Gespräch.

Pfarrerin Stephanie Franz

Dort erfährt sie, was den Verstorbenen ausmachte, seine Charaktereigenschaften, bekommt Anekdoten erzählt und Fotos gezeigt. „Schon dieses Gespräch, für das wir uns ausreichend Zeit nehmen, ist ein wichtiger Schritt für die Angehörigen, mit dem Verlust ihres Angehörigen zurechtzukommen. Nochmal über ihn zu reden, bringt oft auch ein Lächeln in das Gespräch.“

Oftmals sei es ja so, dass jemand nach langer Krankheit oder in hohem Alter verstirbt. Da sei es besonders wichtig für die Angehörigen, sich an gute, vielleicht auch sehr lange zurückliegende glückliche Zeiten zu erinnern. Das gebe Kraft, den Schmerz zu verarbeiten. Ja, manchmal würden da natürlich auch negative Eigenschaften des Verstorbenen angesprochen, wo der Umgang vielleicht nicht immer so einfach war, aber das spreche sie in ihrer Rede nur an, wenn die Angehörigen es auch wirklich wollten.

Leitlinien des Verstorbenen helfen den Angehörigen

Gelegentlich bekomme sie auch einen Brief überreicht, den der oder die Verstorbene extra zu diesem Anlass hinterlassen hat. „Da steht dann neben einem selbst formulierten Lebenslauf, den Stationen des Lebens, auch drin, wie sich der Betroffene seine Bestattung vorstellt, welche Musik gespielt werden soll, welche Bibelverse oder auch sonstige Texte, zum Beispiel Gedichte verlesen werden sollen. Franz empfiehlt dies auch in Gesprächen mit Menschen, die sich Gedanken über den Tod und die Beerdigung machen: „Man nimmt damit eine große Last von den Schultern der Angehörigen, denn dann wissen diese genau, was zu tun ist, was im Sinne des Verstorbenen ist.“ Wenn der Verstorbene gern Peter Maffay oder Bon Jovi hörte, na dann werde das eben gespielt, wenn es sein Wunsch war.

Die Vorsorgeserie.

Sehr hilfreich sei auch, seinen Angehörigen eine Leitlinie zu geben, ob man etwa eine Urnen- oder Erdbestattung wünsche, oder ein Friedwaldbegräbnis. „Das kann man gar nicht genug betonen, wie hilfreich solche Leitlinien für die Angehörigen sind, die mit der Situation doch auch so schon belastet sind“, sagt Franz.

Aber gibt es nicht auch für Stephanie Franz trotz all ihrer Professionalität und Erfahrung mit dem Thema Situationen, in denen auch sie so gerührt ist, dass ihr vielleicht die Worte wegbleiben? Schließlich ist die Trauerfeier eine allgemein gesellschaftlich akzeptierte Situation, in der Tränen doch ausdrücklich erlaubt sind, in denen die auch für andere sichtbare Verarbeitung des eigenen Schmerzes „erlaubt“.

Ja, solche Situationen kennt auch sie, selbst wenn sie den Verstorbenen nicht immer persönlich kannte, wohl aber die Angehörigen, mit denen sie zuvor den Gesprächskontakt hatte. Ihr hilft in diesem Fall dieser kleine Trick: „In solchen Momenten vermeide ich den Blickkontakt mit diesen nahen Angehörigen, schaue weiter nach hinten in den Raum.“ So gelinge es, in dieser schweren Situation der Fels in der Brandung zu bleiben.

Weitere Folgen – Vorsorge-Ordner

Serie: Wir bieten Ihnen im Remscheider General-Anzeiger immer dienstags und freitags interessante Berichte zum Thema Vorsorge.

Die Folgen: 1: Die gesetzliche Rente

2. Private Altersvorsorge: Die richtige Strategie

3. Private Altersvorsorge: Produktwelt

4. Pflegegrade

5. Pflegekosten

6. Vorsorgevollmacht

7. Patientenverfügung

8. Das Testament

9. Zehn Dinge, die nach einem Todesfall zu regeln sind

10. Was passiert mit der Wohnung?

11. Tabu Sterbehilfe, die Rechtslage in Deutschland

12. Das digitale Erbe

13. Wie Trauerredner trösten

14. Was kostet die Bestattung?

15. Alternative Formen der Bestattung

16. Wenn der Partner stirbt, wann zahlt welche Versicherung?

17. Im Hospiz soll niemand allein sterben

Auf unserer Übersichtsseite finden Sie alle Folgen der Vorsorge-Serie.

Vorsorge-Ordner: Die Vorsorge-Ordner sind ab sofort wieder erhältlich. Bestellungen sind unter der gebührenfreien Nummer Tel. (08 00) 4 48 87 47 oder im Internet möglich. Für unsere Abonnenten mit RGA-Karte gilt ein Sonderpreis von 19,90 statt 24,90 Euro zzgl. Versandkosten (5,90 Euro pro Bestellung).

www.der-vorsorgeordner.de/ wzplus

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Eventgarten auf dem Schützenplatz startet mit Schlager in Open-Air-Saison
Eventgarten auf dem Schützenplatz startet mit Schlager in Open-Air-Saison
Eventgarten auf dem Schützenplatz startet mit Schlager in Open-Air-Saison
Corona: Inzidenz bleibt in Remscheid niedrig - Land überweist 200.000 Euro für Kinder
Corona: Inzidenz bleibt in Remscheid niedrig - Land überweist 200.000 Euro für Kinder
Corona: Inzidenz bleibt in Remscheid niedrig - Land überweist 200.000 Euro für Kinder
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Welche Straße ist hier zu sehen?
Welche Straße ist hier zu sehen?
Welche Straße ist hier zu sehen?

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare