Trend

Friseure im Wandel: „Die Zeit der großen Salons ist vorbei“

Alles ein paar Nummern kleiner – Sylvia Zimmermann (r.) ist trotzdem zufrieden. Nach 42 Jahren in einem großen Friseursalon am Zentralpunkt hat sie bei Manuela Frowein angeheuert. Das passt zu einer Entwicklung, die es schon seit Jahren in der Branche gibt. Foto: Roland Keusch
+
Alles ein paar Nummern kleiner – Sylvia Zimmermann (r.) ist trotzdem zufrieden. Nach 42 Jahren in einem großen Friseursalon am Zentralpunkt hat sie bei Manuela Frowein angeheuert. Das passt zu einer Entwicklung, die es schon seit Jahren in der Branche gibt.

Umbruch im Friseur-Handwerk: Es gibt immer mehr aber kleinere Geschäfte. Zudem gibt es heute oft einfache Frisuren. Die Kunden kommen dadurch seltener.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Dass sich Sylvia Zimmermann nach fast 42 Jahren beim gleichen Arbeitgeber noch mal einen neuen Job suchen muss, hätte sie auch nicht gedacht. Am 1. September 1979 hatte sie ihre Ausbildung zur Friseurin im Salon Kaufmann an der Burger Straße begonnen, aus dem später der Salon Klammann wurde. Am 31. Juli schloss das Friseurgeschäft seine Türen für immer. Und Sylvia Zimmermann musste sich noch mal an den PC setzen, um Bewerbungen zu schreiben.

„Ich habe erstmal im Internet ein wenig recherchiert, wie das geht“, berichtet sie. Fünf Bewerbungen brachte sie schließlich zu Papier – und dann persönlich bei den Betrieben vorbei. „Gemeldet haben sich alle fünf, bei drei war ich zum Gespräch.“ Am Ende heuerte sie bei Manu´s Hair Design, Ecke Christianstraße/Zur Böckerswiese, an.

Die Geschichte von Sylvia Zimmermann erzählt viel über die Veränderungen im Friseur-Handwerk. Ihre bisherigen Arbeitgeber, die miteinander verwandten Familien Kaufmann und Klammann, standen für Friseur-Dynastien, die den Beruf über viele Generationen ausübten. Und für große Salons, die früher in den Innenstädten alles andere als ungewöhnlich waren. „Das Geschäft am Zentralpunkt hatte 150 Quadratmeter und 15 Bedienplätze“, erzählt Holger Klammann, der letzte Inhaber. Zeitweise, als er zudem noch einen Salon an der Blumenstraße betrieb, hätten bis zu 17 Friseurinnen und Friseure gleichzeitig für ihn gearbeitet. „Am Zentralpunkt hatte ich allein zwei Rezeptionistinnen.“

Remscheid: Stammkunden gingen früher wöchentlich zum Friseur

Zuletzt waren es im Salon Klammann noch zwei Angestellte, was so auch in den bundesweiten Trend passt: Es gibt immer mehr Friseurläden, die aber immer kleiner werden. „Die Zeit der großen Salons ist vorbei“, sagt deswegen auch Holger Klammann. Dass er seinen Laden nun zugesperrt hat, habe aber auch andere Gründe: „Ich habe ja inzwischen das Alter“, sagt der 63-Jährige. Zudem mache der Körper nicht mehr mit. „Und dann kam auch noch Corona.“

Seine Tätigkeit sei früher schöner gewesen, meint Klammann: „Ich trauer der alten Zeit schon nach.“ Die Arbeit sei kreativer gewesen: „Mit Farben, mit Strähnen, das machte einfach mehr Spaß.“ Heute trage die Mehrheit der Frauen schlicht einen Pferdeschwanz. „Inzwischen sind junge Männer meistens kreativer.“

Eine Entwicklung, die seine frühere Mitarbeiterin Sylvia Zimmermann bestätigen kann. Durch die einfacheren Frisuren hätten sich zudem die Abstände zwischen den Friseurbesuchen verändert, hat sie beobachtet: „Früher hatte man noch viele Stammkunden, die teilweise wöchentlich kamen.“ Verbunden immer auch mit persönlichen Gesprächen. „Da wusste man irgendwann alles. Auch das, was man gar nicht wissen wollte.“

„Ich trauer der alten Zeit schon nach.“

Friseurmeister Holger Klammann

Dieser Kontakt mit Menschen und die Arbeit mit den Händen, das mache für sie die Faszination am Friseur-Handwerk aus, sagt Sylvia Zimmermann. Obwohl sie ihre erste Ausbildung bald wieder abbrach: Ein Salon in Wuppertal habe sie nach drei Wochen vor die Tür gesetzt, erinnert sie sich: „Ich sei nicht für den Beruf geeignet, hieß es.“ Mehr als vier Jahrzehnte später kann sie darüber nur lachen.

Und sie freut sich, nahtlos einen neuen Job gefunden zu haben. „Ich bin kein Mensch, der zu Hause rumgammeln kann“, sagt sie über sich selbst. Dass es so gut geklappt hat, überrasche sie ein wenig, gibt Sylvia Zimmermann zu. Nach wenigen Tagen habe sie sich schon gut eingelebt, nur daran, dass der neue Salon ungleich kleiner ist, müsse sie sich noch gewöhnen. „Aber handwerklich ist das ja das Gleiche wie vorher.“

Hintergrund

Mehr als 85 400 Betriebsstätten zählte der Zentralverband des Friseurhandwerks im Jahr 2018. Zwölf Jahre zuvor waren es noch 72 300 – ein Plus von über 18 Prozent. Derweil hat sich die Zahl der sogenannten Kleinstbetriebe, die mit Jahresumsätzen unter 20 000 Euro von der Umsatzsteuer befreit sind, seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt. 2017 machten sie fast ein Drittel aller Salons in Deutschland aus. Solche Läden machen im Schnitt gerade mal 75 Euro Umsatz pro Arbeitstag.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Schrittweise bis 2033: Alte Führerscheine werden bald umgetauscht
Schrittweise bis 2033: Alte Führerscheine werden bald umgetauscht
Schrittweise bis 2033: Alte Führerscheine werden bald umgetauscht
Schneller Ermittlungserfolg nach Messerstecherei in Remscheid
Schneller Ermittlungserfolg nach Messerstecherei in Remscheid
Schneller Ermittlungserfolg nach Messerstecherei in Remscheid
Corona: Sieben-Tage-Inzidenz bleibt niedrig - Mobile Impfungen für alle ab 12 Jahren
Corona: Sieben-Tage-Inzidenz bleibt niedrig - Mobile Impfungen für alle ab 12 Jahren
Corona: Sieben-Tage-Inzidenz bleibt niedrig - Mobile Impfungen für alle ab 12 Jahren
Wermelskirchener Straße nach Unfall für mehrere Stunden gesperrt
Wermelskirchener Straße nach Unfall für mehrere Stunden gesperrt
Wermelskirchener Straße nach Unfall für mehrere Stunden gesperrt

Kommentare