BFD und FSJ

Freiwilligenarbeit hilft bei Studienwahl

Jefalja Manet (l.) und Anna Victoria Buschmann haben während ihres BFDs auch Spiele mit „ihren“ Kindern gespielt. Foto: Roland Keusch
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Jefalja Manet (l.) und Anna Victoria Buschmann haben während ihres BFDs auch Spiele mit „ihren“ Kindern gespielt.
  • VonValeria Schulte-Niermann
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Anna Victoria Buschmann und Jefalja Manet kümmerten sich ein Jahr lang um hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche.

Remscheid. In wenigen Wochen werden Anna Victoria Buschmann (18) und Jefalja Manet (19) ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD) bei der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land (EJBL) beenden. Ein lehrreiches Jahr liegt hinter ihnen. Während der Corona-Pandemie betreuten sie als Bufdis Kinder und Jugendliche in ihren Wohngruppen und fanden heraus, dass ihnen soziale Berufe liegen.

Die beiden Nachfolger hat die EJBL schon gefunden. „Wir haben noch nie eine Stelle ausgeschrieben“, sagt Markus Emonts von der Jugendhilfe.

Beim DLRG wird das Freiwillige Jahr oft als Lückenfüller genutzt

Auch im Sport laufe es gut, Freiwillige zu finden, wie die Sportjugend NRW berichtet. Alle 330 Stellen für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und fast alle 220 Bufdi-Stellen sind besetzt. An der Hilda-Heinemann-Schule waren vor kurzem noch drei Plätze frei. „Bislang konnten wir aber meist noch junge Menschen finden”, teilt Schulleiter Christian Jansen mit. Beim Deutschen Roten Kreuz gibt es gewohnheitsgemäß immer Probleme, Freiwillige zu finden. Hier wird der Platz oft als Lückenfüller genutzt, wenn kein Ausbildungs- oder Studienplatz gefunden wurde.

Das ist im EJBL nicht möglich. „Man muss bereit sein, berührende Lebensschicksale kennenzulernen”, sagt Markus Emonts. Anna Victoria Buschmann und Jefalja Manet waren dazu bereit. Nach ihrem Abitur wollte sich Jefalja einen Überblick über die verschiedenen Facetten der sozialen Arbeit verschaffen. Nach einem Probetag in der EJBL war sie begeistert und stieg tiefer ein.

Geduld, Gelassenheit und Empathie brauchten die beiden Mädchen für ihr BFD

Anna Victoria festigte mit dem BFD ihren Berufswunsch Soziale Arbeit. Sie arbeitete in der Aufnahme- und Clearing Gruppe. Dort musste sie sich auf rund 35 Kinder von sechs bis 13 Jahren einstellen. „Man muss die Bedürfnisse immer wieder neu erkennen”, sagt die 18-Jährige. Gestresst hat sie das aber nicht: „Es war nicht überfordernd, sondern sehr interessant durch die Wechsel.” Ihr Arbeitgeber zahlte ein beim BFD übliches Taschengeld von 414 Euro monatlich, Essen war inklusive, es gab 30 Urlaubstage.

Um als Bufdi bei der EJBL zu arbeiten, sind Geduld, Gelassenheit, Empathie und Einfühlungsvermögen wichtig. „Wenn ein Kind wütend ist, muss man ruhig rangehen. Ich war nie genervt, wenn etwas nicht wie gewollt geklappt hat”, sagt Jefalja. Und Anna Victoria weiß: „Man muss seine Erwartungen an jedes Kind anpassen und flexibel mit Situationen umgehen.” Diese Erwartungen haben die jungen Frauen erfüllt: „Sie waren eine große Unterstützung für die Pädagogen. Sie sind Gold wert”, sagt Markus Emonts. Da sie keine Bürotätigkeiten übernahmen, waren sie immer ansprechbar. Diese Zeit, sich nur um die Kinder kümmern zu können, gibt es sonst nicht, bedauert Emonts.

Kleine Erfolgserlebnisse sind die Highlights des Jahres

So halfen Anna Victoria und Jefalja bei Hausaufgaben und gestalteten die Freizeit. „Wir waren viel draußen, immer an der Wupper”, sagt Anna Victoria. In der Natur sah sie die Kinder aufblühen, die so etwas oft noch nie erlebt haben. Sie bedauert aber, dass wegen der Pandemie Ausflüge wegfielen und den Kindern der Außenkontakt fehlte. Auch Jefalja erzählt, dass es mehr Streit gab.

Außer Erinnerungen an Ausflüge nehmen die beiden kleine Erfolgserlebnisse aus dem Jahr mit: „Ein Kind hat etwas mit weniger Hilfe geschafft oder reagiert auf eine Situation weniger gereizt”, erklärt Jefalja ihre Erfahrungen.

Sie hat sich nun an verschiedenen Unis für Sonderpädagogik beworben. „Ein Jahr BFD reicht, es muss weiter gehen”, sagt Jefalja. Auch Anna Victoria hat die Bewerbungen für Soziale Arbeit an ihre Wunschunis schon eingereicht. „Ich bin sehr traurig, mich verabschieden zu müssen. Es war ein sehr schönes Jahr”, sagt sie. Vielleicht wird sie dem EJBL ehrenamtlich erhalten bleiben.

Standpunkt: Probieren vor Studieren

Kommentar von Valeria Schulte-Niermann

valeria.schulte-niermann@ rga.de

Probieren geht über Studieren, heißt es bekanntermaßen. Ob es darübersteht, sei mal dahingestellt, zumindest sollte das Probieren vor dem Studieren kommen. Besonders, wenn das Studium auf einen konkreten Beruf vorbereiten soll – wie das Lehramt, Medizin oder Pädagogik. Erst bei der tatsächlichen Arbeit merkt man, ob einem die Praxis liegt und Spaß macht und nicht nur die Theorie. Hierfür bietet der Bundesfreiwilligendienst eine gute Möglichkeit. Freiwillige engagieren sich für die Allgemeinheit und lernen im Gegenzug ein Berufsfeld intensiv kennen. Zur Wahl stehen nicht nur soziale Bereiche wie beim Freiwilligen Sozialen Jahr, sondern auch kulturelle, sportliche, ökologische sowie der Zivil- und Katastrophenschutz. Außerdem ist ein BFD altersunabhängig. Ab 16 Jahren kann er alle fünf Jahre absolviert werden. Mit 40 Jahren neu orientieren, mit 60 einfach Gutes tun – das geht auch in Teilzeit. Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten, sich auszuprobieren oder zu engagieren – als Au Pair, mit einem FSJ, einem Freiwilligen Ökologischen Jahr, Praktika, einem Ehrenamt oder Mitgliedschaften.

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