Verkehr

Freiheitstraße bleibt in Warteschleife

Ein Umbau der Freiheitstraße wird, wenn überhaupt, erst in einigen Jahren erfolgen. Es bleibt bei Tempo 30 in der Nacht.
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Ein Umbau der Freiheitstraße wird, wenn überhaupt, erst in einigen Jahren erfolgen. Es bleibt bei Tempo 30 in der Nacht.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Die Verkehrsader wird Bestandteil des neuen Verkehrskonzepts. Ob ein Umbau erfolgt, ist ungewiss.

Remscheid. Seit Jahren gilt sie als sanierungsbedürftig, geschehen ist aber so gut wie nichts: Die Freiheitstraße sollte ab 2016 modernisiert werden, was aber davon abhängig war, dass dafür Bundesmittel nach Remscheid fließen. Nun soll das Projekt, das in den Schubladen verschwand, wieder konkretere Züge annehmen, wie Baudezernent Peter Heinze erklärt. „Sie sollte ja nicht nur ihre Funktion als Hauptverkehrsader erfüllen, sondern auch Remscheids Visitenkarte sein. Es gilt, sie städtebaulich aufzuwerten“, erklärt Heinze, der erst seit Ende 2017 Chef der zuständigen Fachverwaltung ist.

Abteilungsleiter Andreas Huth zählt noch zu jenen, die zuvor mit der Zukunft der Bundesstraße betraut waren. „Allerdings auch nur am Rande“, wie er erklärt. Diverse Mitarbeiter hätten mittlerweile den Ruhestand erreicht und somit das Projekt nicht mehr voranbringen können. Es habe vor allem an der Finanzierung gehapert bei der Aufgabe, die Freiheitstraße in Schuss zu bringen. Anträge, dafür Geld über Förderprogramme zu bekommen, scheiterten. Die Angelegenheit verlief schließlich im Sande, obwohl die Fahrbahndecke bereits seit Jahren als marode gilt.

Straßensubstanz in Remscheid wird immer schlechter

Mittelfristig könnte sich am Gesamtzustand auf dem Streckenabschnitt der Bundesstraße 229 aber etwas ändern. Die Freiheitstraße ist Teil des neuen Verkehrskonzepts, an dem das Dortmunder Fachbüro Planersocietät tüftelt. Daraus wollen die Planer bei der Stadtverwaltung Maßnahmen ableiten, die zum Beispiel dazu dienen sollen, an der Fastenrath- und Hochstraße Fußgängern und Radfahrern mehr Freiraum zu geben. Teil der Betrachtungen ist aber auch die Freiheitstraße, die somit wieder auf die Tagesordnung der Kommunalpolitiker kommen wird. „Das Ganze wird auch eine Frage der Prioritäten sein, die wir nach dem Umbau des Friedrich-Ebert-Platzes setzen“, berichtet Heinze, der eine ganze Reihe von Maßnahmen für die Verkehrsader wünschenswert findet. Vor allem soll sie grüner werden - etwa durch Bepflanzungen zwischen den beiden Fahrtrichtungen.

„Sie sollte Remscheids Visitenkarte sein.“

Peter Heinze über die Freiheitstraße

Diese seien neben Ladezonen vor einigen Geschäften und dem Wegfall einer Fahrbahn zwischen dem Abzweig Bruder- und Blumenstraße bereits bei einer Verkehrsuntersuchung 2013 vorgeschlagen worden, erinnert sich Huth. Es sind Ideen, die wieder aufgegriffen werden könnten. Aber eben nur „mittelfristig“, wie es Baudezernent Heinze formuliert. Denn nachdem das neue Verkehrskonzept im ersten Quartal 2023 vorliegt, müssen daraus zunächst die Einzelmaßnahmen abgeleitet werden. Dann beschäftigen sich die Kommunalpolitiker mit dem Thema, ehe die konkreten Planungen beginnen und die Ausschreibung der Arbeiten erfolgen kann. Abgesehen davon, dass dann die Finanzierung zu klären ist. Es ist also ein Prozess, der auf mehrere Jahre angelegt sein wird. Ende: offen.

Dabei verweist Andreas Huth darauf, dass die Stadt immerhin einige positive Impulse auf der Freiheitstraße setzen konnte. Unter anderem schaffte die Verwaltung dank eines Förderprogramms vom Bund neue Ampelanlagen an, die den Verkehrsfluss verstetigen sollen. Eine weitere Maßnahme galt lange als Zwischenlösung, bis lärmoptimierter Asphalt aufgebracht wird: Tempo 30 in der Nacht, um die Anwohner vor Verkehrslärm zu schützen. „Es gibt jedoch intensive Debatten über diesen Straßenbelag, weil es sich gezeigt hat, dass er sich gerade an Kreuzungen wie der Ringstraße als anfällig entpuppt“, erläutert Huth. Das heißt: Dort, wo die Autofahrer abbremsen und anfahren müssen, erweise er sich als anfällig. Deswegen könnte sich das nächtliche Tempolimit als Dauereinrichtung entpuppen - auf einer Straße, deren Umbau Zukunftsmusik bleibt.

Verkehrskonzept

Beim Verkehrskonzept setzt die Verwaltung auf Bürgerbeteiligung. Unter anderem wurden 500 Passanten nach Stärken und Schwächen der Innenstadt befragt. Demnächst soll es für Interessierte einen Rundgang durch die Innenstadt geben, bei dem die Verwaltung und das zuständige Fachbüro weitere Anregungen entgegennehmen, wo im Straßenverkehr Handlungsbedarf besteht.

Standpunkt von Frank Michalczak: Sie muss Priorität haben

frank.michalczak@rga.de

Es war bei der Recherche zum Thema gar nicht so einfach, einen Rathausmitarbeiter zu finden, der noch etwas zum geplanten Umbau der Freiheitstraße sagen kann. So viele Jahre liegen aber eigentlich gar nicht zurück, als die vielbefahrene Verkehrsader nicht nur instandgesetzt werden, sondern auch ein neues Gesicht erhalten sollte. Es ist schade, dass dies auch in naher Zukunft nicht klappen wird. Denn eine Grundüberholung wäre dringend geboten. Aber genau hier wird es unangenehm für Politiker und Verwaltungsbeamte.

Denn: Mehr Grün, mehr Raum für Radfahrer und Fußgänger bedeutet weniger Platz für den Autoverkehr. Diese Gemengelage birgt Konfliktstoff. So ist es nicht überraschend, dass sich um das Thema niemand gerissen zu haben scheint, nachdem zuständige Mitarbeiter den Ruhestand erreicht hatten.

Dabei hätte die Freiheitstraße ganz oben auf der Prioritätenliste bleiben müssen. Dort gehört sie nach wie vor hin.

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