Eschbachtal

Er lebt auf dem Freibad-Gelände

Blick aus dem Wohnzimmer: Joachim Drosten (80) wohnt über der Freibad-Gastronomie – den Ausblick gibt es gratis.
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Blick aus dem Wohnzimmer: Joachim Drosten (80) wohnt über der Freibad-Gastronomie – den Ausblick gibt es gratis.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Joachim Drosten (80) hat eine außergewöhnliche Wohnlage: Sein Nachbar ist das Schwimmerbecken.

Remscheid. Er hat die wohl ungewöhnlichste Wohnung der ganzen Stadt: Wenn Joachim Drosten (80) aus dem Wohnzimmerfenster schaut, blickt er auf Schwimmerbecken, Sprungtürme und Kiosk-Terrasse. Denn Drosten bewohnt mit seiner Lebensgefährtin und Hund Smiglo die einzige Wohnung auf dem Gelände des Freibads Eschbachtal. Nachbarn? Nur die Bäume. Der Blick? Unverbaut. Ein Traum für jeden Makler. „Und jetzt fängt die Heide gegenüber am Hang langsam an zu blühen“, schwärmt der ehemalige Bademeister.

Seit 1996 lebt der gebürtige Lenneper „im Freibad“, bekommt in der Saison täglich Geschrei vom 5er, weinende Babys oder die aktuellen Charts aus den Lautsprechern mit. Derzeit nur mittwochs bis sonntags, denn montags und dienstags hat das älteste Binnenfreibad Deutschlands zu. „Die Arschbomben hört man zwar platschen, aber das stört mich nicht“, sagt der 80-Jährige. „Ich hatte mein Leben lang in den Bädern den Trubel um die Ohren, das bin ich gewohnt.“ Zumal die Fenster gut verglast seien. Vielmehr stören ihn die Lkw und die tiefergelegten Schlitten, die über die Eschbachtalstraße an seinem Haus vorbeidonnern - denn nach vorn hin haben Joachim Drosten und seine Lebensgefährtin die Terrasse, auf der sie gern mit Smiglo sitzen.

„Die Arschbomben stören mich nicht.“

Joachim Drosten

Hier, am Gartentor, stehen auch des Öfteren schon mal Kinder und klingeln. „Vor allen Dingen montags und dienstags, wenn das Freibad geschlossen ist.“ Drosten nimmt es gelassen. Einen Nachteil in der speziellen Wohnlage sieht er nicht. „Man gewöhnt sich daran, dass man alles mit dem Auto machen muss - einkaufen, zum Arzt.“ Er sehe vielmehr einen Vorteil: „Mit dem Hund bin ich sofort im Grünen.“ Und das ist ein wichtiges Kriterium für den gebürtigen Lenneper, der sich seit Jahren für den Tierschutz engagiert. So kam Smiglo auch aus einem polnischen Tierheim nach Remscheid.

Beim Hundeschwimmen, das nach Saisonende wieder stattfindet, wird der weiße Mischling aber nicht planschen gehen, auch wenn er direkt über dem Bad lebt: „Smiglo macht um jede Pfütze einen Bogen“, erzählt der 80-Jährige. Herrchen wird allerdings dabei sein: Er unterstützt den Förderverein Freibad Eschbachtal am Grill.

Denn Joachim Drostens Element ist das Wasser - Bäder sind sein Leben. Mit dem Schwimmen ist er groß geworden. In der Grundschule lernte er es, danach war er stets im Lenneper Schwimmverein aktiv. Er absolvierte erst eine Lehre als Dreher - doch sein Herz schlug für das Wasser. Über einen Kollegen kam er 1961 zur Stadt. Es folgte eine zweijährige Ausbildung zum Schwimmmeister. Seine erste Dienststelle war das ehemalige kleine Bad in Lüttringhausen, dessen Leitung er bis 1975 übernahm. Hier lebte er auch schon „im Bad“. Auch im kleinen Lenneper Bad, im Lehrschwimmbecken auf dem Hasten, an der Freiheitstraße oder im „Teufelsteich“ half Joachim Drosten mit, später in der Saison auch im Freibad Eschbachtal.

Er kannte alle Bäder. „Jedes hatte seinen Charme. In Lennep war die Bahn 16 zwei Drittel Meter lang, man musste für 100 Meter 6 Bahnen mit Wenden schwimmen“, erzählt der Sportler, der auf dem Goldenberg Handball gespielt hat, im Winter gern Ski gefahren ist, schon zwei Mal am Sahara-Marathon teilgenommen hat und bereits den 6000er Kala Patthar in Nepal erklommen hat. Und immer setzte er sich für die Hunde ein.

Ende April 1996 zog Drosten dann mit seinem damaligen Schäferhund Randy ins Eschbachtal und arbeitete dort - übrigens auch, nachdem er in Rente gegangen war. Mit dem Team ist er gut befreundet. Auf die Schiffsparade am 3. und 4. September freut er sich schon. Schließlich hat er dabei die beste Aussicht.

Freibad-Umbau

Das Freibad Eschbachtal soll für 14,5 Millionen Euro umgebaut und der Eschbach renaturiert werden. Die Idee ist, das Bad künftig über die Saison hinaus als Freizeitort zugänglich zu machen - mit Bacherlebnisraum, Spielplatz und einem Boulderfelsen. Die reine Bauzeit würde laut den Architekten 18 Monate betragen. Die Stadt geht derzeit von einem Baustart 2023 aus. Drosten hofft, dass er nach dem Umbau in die neu geschaffene Hausmeisterwohnung ziehen kann.

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