Prozess

Frau taucht fünf Jahre unter, um Haft zu entgehen

Das Amtsgericht in Remscheid.
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Das Amtsgericht in Remscheid.

Amtsgericht verurteilt Remscheiderin zu einer Bewährungsstrafe wegen Unfallflucht und Fahrens ohne Führerschein.

Von Jana Peuckert

Remscheid. Um einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe zu entgehen, war eine Frau aus Remscheid jahrelang untergetaucht, hatte sich nirgends angemeldet und quasi „unter dem Radar“ gelebt. Doch dann setzte sie sich ans Steuer, obwohl sie keine Fahrerlaubnis hat. Die verbotene Fahrt brachte sie ins Gefängnis, um ihre Haft abzusitzen, und danach auf die Anklagebank des Amtsgerichts Remscheid, wo sie zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde.

Es ist der 4. April 2017, als die 35-Jährige auf der Neuenkamper Straße mit dem Auto unterwegs ist. Aufgrund zu geringen Abstands verursacht sie einen Auffahrunfall. Als der Unfallgegner auf sie zukommt, ergreift sie die Flucht. „Ich wurde per Haftbefehl gesucht. Ich konnte doch nicht anhalten. Aus Schock habe ich Gas gegeben“, erklärte die Angeklagte im Gericht. „Ich war fünf Jahre auf der Flucht. Ich habe mich durch das Fahren einfach freier gefühlt“, beantwortete sie die Frage des Richters, warum sie sich überhaupt ans Steuer gesetzt hatte.

Die Unfallfahrt war nicht der einzige Vorfall, wegen dem sich die Frau verantworten musste. Am 11. Januar 2020 ist sie in Remscheid auf der Neuenkamper Brücke Richtung Willy-Brandt-Platz unterwegs – und zwar zu schnell. 90 statt der erlaubten 50. Polizisten beobachten die Fahrt. Die 35-Jährige gib gegenüber den Beamten an, gerade vom Sport zu kommen und keine Papiere bei sich zu haben. Statt ihrer Daten gibt sie die ihrer Cousine an und fährt weiter. „Ich wollte einfach aus der Situation heraus. Meine Cousine war zu der Zeit in Spanien. Ich dachte, was soll ihr da schon passieren“, so die Angeklagte.

Remscheid: Angeklagte hat zwei Vorstrafen wegen Betrugstaten

Mit ihrem Verhalten hatte sie sich eine Anklage wegen falscher Verdächtigung eingehandelt. Allerdings stellte das Gericht diesen Vorwurf ein. Denn, so der Richter, für falsche Verdächtigung sei Voraussetzung, dass der Täter sicher weiß, dass gegen einen anderen ein Strafverfahren eingeleitet wird. Aber genau das sah er im vorliegenden Fall nicht, da die Angeklagte davon ausgegangen sei, dass ihrer Cousine in Spanien nichts geschehe.

Im Laufe der Verhandlung hakte der Richter intensiv nach, wie die derzeitige Lebenssituation der Frau ist. Grund: Mit zwei Vorstrafen wegen 111 und 36 Betrugstaten jeweils mit Haftstrafen belegt, ging es um die Frage, ob eine erneute Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Der Vorsitzende entschied sich dafür. Die Angeklagte sei gut in einem familiären Umfeld integriert, sie habe einen offenbar zuverlässigen Lebensgefährten gefunden und einen kleinen Sohn. Und: Bis zu ihrer Einlieferung ins Gefängnis hatte ihr Freund nicht gewusst, dass die 35-Jährige keine Fahrerlaubnis besitzt.

Am Ende wurde die Frau wegen Unfallflucht, der verbotenen Fahrt vor und der Fahrt nach dem Unfall, sowie der Fahrten vor und nach dem Anhalten durch die Polizei verurteilt. Als Bewährungsauflage muss die Remscheiderin 600 Euro an den Verein für Bewährungshilfe zahlen. Zudem verhängte der Richter eine zehnmonatige Sperre zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis.

Erst kürzlich musste sich ein Mann vor Gericht verantworten, weil er beim Sonnenbaden einen Joint geraucht hatte.

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