Durch schweres Gerät zerstört

Forstwirtschaft vor Erholung? Ehepaar beschwert sich über Waldwege

Dr. Haide Cuntze moniert durch schweres Gerät zerstörte Waldwege in Remscheid,hier zwischen Hackenberg und Durchsholz. Fotos: Roland Keusch
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Dr. Haide Cuntze beschwert sich über durch schweres Gerät zerstörte Waldwege in Remscheid, hier zwischen Hackenberg und Durchsholz.

Ein Lenneper Ehepaar beschwert sich über den schlechten Zustand der Waldwege in Remscheid.

Von Andreas Weber

Remscheid. Als Mediziner raten Dr. Helmut und Dr. Haide Cuntze ihren Patienten zur Bewegung. Gerade den Wald empfiehlt das Lenneper Ehepaar zum Regenerieren. Das japanische Shinrin-Yoku, das übersetzt Waldbaden oder Waldatmen bedeutet, schätzen die Cuntzes als Gesundheitsprophylaxe.

Obwohl sie täglich mit ihrem Hund ihre Spaziergänge im Remscheider Forst unternehmen, schmeckt ihnen die Waldmedizin, die in ihrer fernöstlichen Heimat zu einem eigenen Forschungszweig geworden ist, zurzeit nicht. „Bisher waren wir stolz auf unsere schönen Wanderwege in der Umgebung, die auch von unseren Freunden aus den umliegenden Städten häufig genutzt wurden. Leider sind nun fast alle Wege durch die großen Maschinen, die für die Rodungen benutzt wurden, zerstört“, klagen die Cuntzes.

Dr. Haide Cuntze

Die Harvester in Remscheids Wäldern hinterlassen Spuren. Holz muss abgefahren werden. Das zerfurcht die Böden und – durch den Niederschlag obendrein – für ein matschiges Geläuf. Wandern ist kein erholsames Vergnügen mehr und nur noch in Gummistiefeln möglich. Stadtförster Markus Wolff kann den Wunsch der Bevölkerung auf leicht begehbare Waldwege zwar nachvollziehen, betont aber: „Ein Wald ist kein Park.“

Wandern im Bergischen

Allein durch den Klimawandel habe sich in den letzten Jahren in hiesigen Wäldern viel verändert. Die Waldwirtschaft käme dem Bedürfnis nach Sicherheit, aber auch einem ökologisch gestalteten Umbau nach. Längst nicht alle Wege seien Wanderwege, sondern viele für die Forstwirtschaft gedacht, gibt Wolff zu Bedenken. Außerdem: Zu den 1450 Hektar an städtischem Wald kommen 1200 Hektar in privater Hand. Der Erholungsgedanke sei zwar wichtig, aber die Bevölkerung stehe im Wald in der Priorität hintenan.

Markus Wolff erinnert an die Kampagne, die Forstamt und Stadt der Öffentlichkeit im November 2021 vorgestellt haben. Ihren Ausdruck findet sie in 250 Schildern („Achtung: Waldgefahren“), die in Remscheids Wäldern angebracht werden. Mit ihnen weisen der Forstverband Remscheid und die Stadt Spaziergänger und andere Besucher auf die aktuelle Situation im Wald und die rechtlichen Grundlagen hin: Das Risiko zum Beispiel durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste sei zuletzt gestiegen, ist dort zu lesen. Doch eine Haftung des Eigentümers bestehe in der Regel nicht: Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung erfolge immer auf eigene Gefahr.

Markus Wolff weiß, dass es momentan Wälder gibt, die sich nicht zum Spazierengehen eignen, denkt dabei zum Beispiel an Hackenberg/Wilhelmsthal, sagt aber auch, dass längst nicht alles unbegehbar sei: „Im Lenneper Stadtwald sind die Wege in Ordnung.“

Dass man für Wanderer einen schmalen Pfad am Rand erhält oder präpariert, regen Cuntzes an. Grundsätzlich, entgegnet Wolff, sei dies begrüßenswert, aber nicht praktikabel, wenn Stadtmitarbeiter und externe Unternehmer mit schwerem Gerät unterwegs seien.

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