Auszeichnung

Forscher tragen die Röntgenplakette mit Stolz

Seit 1951 vergeben die Stadt Remscheid und die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Deutschen Röntgen-Museums die Röntgenplakette. Prof. Dr. Günther Hasinger (Mitte) hätte die Auszeichnung eigentlich schon 2020 sollen. Die Verleihung wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (l.) und Dr. Uwe Busch (r.), Leiter des Röntgen-Museums in Lennep, holten sie nun nach. Foto: Michael Schütz
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Seit 1951 vergeben die Stadt Remscheid und die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Deutschen Röntgen-Museums die Röntgenplakette. Prof. Dr. Günther Hasinger (Mitte) hätte die Auszeichnung eigentlich schon 2020 sollen. Die Verleihung wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (l.) und Dr. Uwe Busch (r.), Leiter des Röntgen-Museums in Lennep, holten sie nun nach.

Der eine bekämpft Krebstumore, der andere forscht nach dem Geheimnis der schwarzen Löcher: Stadt Remscheid zeichnet Wissenschaftler aus.

Von Sabine Naber

Remscheid. Der eine bestrahlt Tumore besser und schonender als zuvor, weshalb ihm manch ein Krebspatient das Weiterleben verdankt. Der andere betrachtet schwarze Löcher im Weltall und ist mithilfe der Röntgenstrahlen dem vielleicht größten Geheimnis des Universums auf der Spur. Am Samstag nahmen Prof. Dr. Wolfgang Schlegel und Prof. Dr. Günther Hasinger die höchste Auszeichnung entgegen, die die Stadt Remscheid zu vergeben hat, die Röntgen-Plakette.

Prof. Dr. Günther Schlegel konnte die Plakette nicht persönlich entgegennehmen, schaltete sich bei der Verleihung aber per Video zu. Der Wissenschaftler hat neue Verfahren entwickelt, um Krebstumore zu bekämpfen.

In einem Festakt in der Aula des Röntgen-Gymnasiums begrüßte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) die zahlreichen Gäste. „Ich freue mich, Sie, Professor Hasinger, als Plakettenträger begrüßen zu können. Und hätte das genauso gerne mit Professor Schlegel getan. Aber er ist leider erkrankt, so dass wir ihm nach seiner Genesung die Plakette in Heidelberg übergeben werden.“

Das Stadtoberhaupt nannte Wolfgang Schlegel einen Pionier der Medizinischen Physik: „Zahllose Patientinnen und Patienten weltweit haben es seinen Erfindungen zu verdanken, dass ihre Tumore präzise und schonend bestrahlt und ihre Heilungschancen so verbessert werden konnten.“

Röntgenstrahlen zum Schuhgrößen messen

Per Video wurde Schlegels Kollege Prof. Dr. Jürgen Debus vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg zugeschaltet. Er hielt die Laudatio auf den Plakettenträger: „Die von ihm entwickelten Systeme zur Strahlentherapie haben international höchste Aufmerksamkeit gebracht. Sie haben mit diesem herausragenden Wissenschaftler einem hervorragenden Menschen und guten Freund eine glückliche Wahl getroffen“, versicherte Debus dem Plakettenausschuss.

Nie hätte ich gedacht, zum Geburtsort Röntgens zu kommen.

Prof. Dr. Günther Schlegel

Auch Professor Schlegel meldete sich per Video zu Wort und bedauerte, nicht persönlich in Lennep sein zu können. „Nie hätte ich gedacht, mal zum Geburtsort Röntgens zu kommen, um eine Plakette zu erhalten“, sagte der Ausgezeichnete und schilderte seine erste Begegnung mit der Erfindung des großen Lennepers: „Das war, als ich mit meiner Mutter Schuhe kaufen ging und die Füße in diese Kiste stecken sollte, um die exakte Schuhgröße herauszufinden.“ Tatsächlich gab es einst einen so sorglosen Umgang mit den Strahlen.

Die Laudatio auf Professor Hasinger hielt der Vorsitzende des Plakettenausschusses, Prof. Dr. Metin Tolan. „Seine Doktorarbeit trug die Überschrift ‘Krebs-Nebel in hartem Röntgenlicht‘“. 2008 wurde Hasinger zum wissenschaftlichen Direktor des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik berufen, 2011 übernahm er die Leitung des Instituts für Astronomie der Universität Hawaii. Tolan zeigte dazu ein Foto Hasingers mit Bill Clinton. Seit 2018 ist der Plakettenträger Wissenschaftsdirektor der European Space Agency (ESA).

Seinen Festvortrag hatte Hasinger unter die Überschrift „Schwarze Löcher und das Schicksal des Universums“ gestellt. Er zeigte den Himmel in einem anderen Licht. Mit Hilfe des Sternenbildes Orion machte er deutlich, dass am Himmel gleiche Objekte anders strahlen, wenn sie im Röntgenlicht zu sehen sind.

Dass er seine Plakette pandemiebedingt mit einem Jahr Verspätung erhielt, nahm der Wissenschaftler mit Humor. „Ich hatte Zeit genug, um mich auf den heutigen Tag zu freuen“, bemerkte er, bevor er die Röntgenplakette entgegennahm. Danach trug sich der Forscher sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

Röntgen-Plakette

Wilhelm Conrad Röntgen wurde 1845 in Lennep geboren. Die Familie verließ die damalige Kreisstadt jedoch bald. 1895 entdeckte Röntgen in Würzburg die nach ihm benannten Strahlen.

Die Stadt Remscheid und die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Deutschen Röntgen-Museums vergeben die Röntgen-Plakette seit 1951. In Wissenschaftskreisen gilt sie als „kleiner Nobelpreis“.

Die Plakette ist vergoldet. Sie zeigt auf der einen Seite das Bildnis Wilhelm Conrad Röntgens. Auf der anderen Seite wird der Name des jeweiligen Ausgezeichneten eingraviert.

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