Seniorenbeirat diskutiert

Folgenutzung des Berufskollegs: Beirat möchte Wohnen für Senioren

In etwa neun Monaten wird das Gebäude in der Stuttgarter Straße frei. Über seine Zukunft wird derzeit diskutiert. Archivfoto: Michael Sieber
+
In etwa neun Monaten wird das Gebäude in der Stuttgarter Straße frei. Über seine Zukunft wird derzeit diskutiert. Archivfoto: Michael Sieber

Diskussion über die Folgenutzung des Berufskollegs in der Stuttgarter Straße.

Von Peter Klohs und Sven Schlickowey

Remscheid. In der Diskussion um die Folgenutzung des bisherigen Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung hat der Seniorenbeirat Stellung bezogen. Das beratende Gremium, das die Belange der Remscheider über 60 Jahre vertritt, folgte nach längerer Diskussion einem Antrag der SPD, der auf dem innenstadtnahen Areal Wohnbebauung mit viel Grün oder einen sozialen Standort vorsieht.

Seit klar ist, dass das Kolleg in einen Neubau am Bahnhof umzieht, wird über eine weitere Verwendung der bisherigen Immobilie diskutiert. Sie gilt aufgrund ihrer Größe und Lage als stadtplanerisches Filetstück. Und gehört darüber hinaus auch noch der Stadt. In einem ersten Beschluss hatte sich der Stadtrat bereits 2017 dafür ausgesprochen, das Grundstück für Wohnbebauung zu nutzen. Zwischenzeitlich hat die Verwaltung weitere Varianten erarbeitet.

Neben den nun vom Beirat vorgeschlagenen Nutzungen für Wohnungen oder einem sozialen Standort könnte die Immobilie demnach auch weiterhin als Schule genutzt werden. Zudem gibt es die Idee, aus dem Grundstück die „Grüne Lunge Westpark“ zu machen. Alle Varianten seien nach wie vor „im Rennen“, erklärt Baudezernent Peter Heinze im Gespräch mit dem RGA. Es seien aber auch Mischformen denkbar, die Aspekte verschiedener Modelle enthalten.

Folgenutzung des Berufskollegs: Wohnen für Senioren wird teuer

Heinze hatte dem Seniorenbeirat die vier Varianten erläutert. In der anschließenden Aussprache zeigte sich recht deutlich die Präferenz des Beirates in Richtung seniorengerechtes und barrierefreies Wohnen. Auch die Verwendung des Geländes als Stadtteilpark wurde thematisiert. „Da kann man drüber diskutieren. Klar muss aber sein, dass das teuer wird“, gab der Baudezernent allerdings zu bedenken.

Recht früh, so Klaus Grunwald, stellvertretender Vorsitzender des Gremiums, habe seine Partei, die SPD, einen Antrag eingebracht, der das seniorengerechte Wohnen favorisiere und an der Stuttgarter Straße realisiert sehen wolle. Die Frage sei nun, ob man das Thema heute intensiv diskutieren wolle oder ob eine Abstimmung über den SPD-Antrag erfolgen solle. Die Meinungen innerhalb des Beirates dazu gingen deutlich auseinander. Auch weil manchen Mitgliedern die vorhandenen Informationen nicht ausreichten.

Da kann man drüber diskutieren. Klar muss aber sein, dass das teuer wird.

Baudezernent Peter Heinze über einen möglichen Stadtteilpark

Die Vorsitzende Gundula Michel (CDU) legte wie Grunwald Wert auf die Feststellung, dass man „gerne bezahlbaren Wohnraum für Senioren“ haben wolle. Wie das im Detail aussehe, werde man erst in der Zukunft erfahren. Heute ginge es um die grundsätzliche Entscheidung. So einigte man sich schließlich darauf, über den SPD-Antrag abzustimmen. Er wurde bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung angenommen.

Ein Stimmungsbild, das sich auch mit dem Ergebnis einer Umfrage deckt, die die SPD in der Nachbarschaft des Berufskollegs durchgeführt hatte. Damals hatten sich rund 90 Prozent der Teilnehmer für eine Wohnanlage im Grünen ausgesprochen. Otto Mähler (SPD), Bezirksbürgermeister in Alt-Remscheid, hatte sich daraufhin für Sozialwohnungen ausgesprochen: „Denn da herrscht akuter Bedarf.“

Baudezernent Peter Heinze spricht derweil von einem nach wie vor offenen Verfahren. Die Verwaltung orientiere sich am Ratsbeschluss von 2017, biete aber auch Alternativen an. Welche davon schließlich umgesetzt werde, ergebe sich in der politischen Diskussion: „Die Pläne werden dann sicherlich auch noch mal modifiziert.“ Fest steht hingegen schon der weitere Zeitrahmen: Im Sommer 2022 wird das Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung nach heutigem Stand in Richtung Hauptbahnhof umziehen. „Innerhalb dieses Rahmen werden wir uns positionieren müssen“, sagt Heinze. Allein schon, weil ein leerstehendes Gebäude nur Kosten verursache, ohne etwas zu bringen.

Hintergrund

Schon vor einem Jahr hatte das Schuldezernat in der Diskussion um die Immobilie darauf hingewiesen, „dass im Rahmen der Schulentwicklungsplanung weiterer schulischer Raumbedarf angemeldet wurde und das Gebäude an der Stuttgarter Straße eine Handlungsoption darstellt“. Da die Entscheidung aber noch aussteht, erklärte Sozialdezernent Thomas Neuhaus im Seniorenbeirat, dass er die Schulentwicklungsplanung vorerst ohne die Stuttgarter Straße vorantreibt.

Berufskollegs in Remscheid wünschen sich Impfmobile - die Stadt lehnt das ab.

Standpunkt: Nicht allen gerecht werden

Kommentar von Sven Schlickowey

sven.schlickowey @rga.de

Das Rennen um das Filetstück in der Stuttgarter Straße ist längst eröffnet, nach und nach kommen die ersten Interessengruppen mit ihren Vorstellungen aus der Deckung. Dabei wird klar: Remscheid braucht mehr kleine barrierefreie Wohnungen für Senioren, mehr große für Familien, mehr Grün und mehr Platz für Schüler. Doch das wird das Grundstück des Berufskollegs, trotz seiner Größe, nicht alles allein leisten können. Deswegen sollte sich die Politik bald möglichst auf ein schlüssiges Konzept einigen, auch auf die Gefahr hin, dabei nicht allen gerecht zu werden, und das dann auch umsetzen. Lieber ein paar Ziele wirklich erreichen, als sich ganz vielen nur halbherzig zu nähern. Und lieber ein brauchbares Ergebnis in absehbarer Zeit als endlose Diskussionen. Dass dabei einige Interessen nicht berücksichtigt werden können, ist klar. Aber die Nachnutzung der Immobilie in der Stuttgarter Straße wird ja nicht das letzte Bauprojekt in Remscheid bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Neueröffnungen setzen im Lüttringhauser Zentrum neue Impulse
Neueröffnungen setzen im Lüttringhauser Zentrum neue Impulse
Neueröffnungen setzen im Lüttringhauser Zentrum neue Impulse
Einbrüche in Remscheid: Die Polizei sucht Zeugen
Einbrüche in Remscheid: Die Polizei sucht Zeugen
Einbrüche in Remscheid: Die Polizei sucht Zeugen
Schockanruf: 87-Jährige übergibt 40.000 Euro
Schockanruf: 87-Jährige übergibt 40.000 Euro
Schockanruf: 87-Jährige übergibt 40.000 Euro
Pipersberg investiert mit neuem Gaszähler in digitale Zukunft
Pipersberg investiert mit neuem Gaszähler in digitale Zukunft
Pipersberg investiert mit neuem Gaszähler in digitale Zukunft

Kommentare