5 Monate nach der Katastrophe

Flutopfer feiern Weihnachten ohne Heizung

Robert und Petra Köser blicken mit den Hauseigentümern Susanna und Lee Roberts (v. l.) in das Loch im Garten. Hier sieht man die Spezialbetonplatte für den späteren Gastank der Heizung. Foto: Roland Keusch
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Robert und Petra Köser blicken mit den Hauseigentümern Susanna und Lee Roberts (v. l.) in das Loch im Garten. Hier sieht man die Spezialbetonplatte für den späteren Gastank der Heizung.
  • Melissa Wienzek
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Auch fünf Monate nach der Flut kämpft Familie Roberts mit den Folgen – Fluthilfe und Verein Bergisch Land Hand in Hand unterstützen sie.

Remscheid. Susanna Roberts wünscht sich zu Weihnachten usseliges, warmes Nieselwetter. Und dabei ist sie ein Weihnachtsfan. Denn dieses Jahr ist alles anders. Am Heiligen Fest in zwei Wochen müssen Susanna und Lee Roberts (beide 38) zusehen, dass der Ofen nicht ausgeht. Dafür hat das Lehrer-Ehepaar sogar eine Kamera installiert. Denn wenn das Feuer einmal erlischt, drohen die Rohre des Fachwerkhauses einzufrieren. Bereits jetzt hat sich Schimmel auf den Fenstern gebildet. Denn eine Heizung gibt es hier seit dem 14. Juli nicht mehr.

Auch fünf Monate nach der Flutkatastrophe, die den Clemenshammer besonders hart getroffen hat, haben die Roberts noch mit den Folgen des Hochwassers zu kämpfen. Der finanzielle Schaden geht in die Hunderttausende. Der emotionale wiegt aber noch viel höher: Lee Roberts, eigentlich Englischlehrer an einer Privatschule, leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung und kann nicht arbeiten. „Das Wasser hat mich unter das Gartentor gedrückt. Ich war fast tot.“

Während diese zwei Meter unterspülte, traumatische Stelle bereits von einem Hückeswagener Bauunternehmer auf eigene Kosten ausgeschachtet und mit 50 Tonnen Splitt verfüllt wurde – die Kosten dafür übernahm die Fluthilfe –, klafft im Garten hinter dem verschieferten Fachwerkhaus aus 1792 noch ein großes Loch. Und der war dem Paar immer besonders wichtig. Hier tollten die beiden Beagle in der Sonne, hier hatte Susanna Roberts ein Gemüsebeet gepflanzt, rahmte eine 100 Jahre alte Kirsche die kleine Oase ein. Geblieben ist ein abgesackter, matschiger Tümpel, der nicht betreten werden kann.

Das Problem: Der Garten wird von der Wiederaufbauhilfe nicht bezahlt. Die Einfahrt und den Weg dorthin zu verfüllen, war aber nötig. Denn nachdem die Ölheizung in den Fluten versank, muss nun eine neue Heizung her. Die Roberts entschieden sich für eine umweltfreundlichere Variante, eine Luft-Gas-Hybridheizung. Kostenpunkt: 70 000 Euro. Geld, das sie eigentlich nicht haben. Die Versicherung habe sich zurückgezogen, das Gesparte, das eigentlich in die Renovierung des Hauses gesteckt werden sollte, ist aufgebraucht. „Wir hoffen jetzt, dass wir Wiederaufbauhilfe bekommen“, sagt Susanna Roberts. Wie viel das wird, wissen sie nicht. Das Paar versucht bei allem zu sparen, etwas auszuhandeln. „Aber das kostet unheimlich viel Kraft. Vor allem, wenn man noch arbeiten muss“, sagt Susanna Roberts, die in Wuppertal unterrichtet.

Dass die zehn Quadratmeter große Spezialbeton-Bodenplatte dafür nun endlich gegossen werden konnte, daran hatte das Paar, das seit 2014 in dem Fachwerkhaus lebt, nicht mehr geglaubt. „Uns haben so viele Leute sitzengelassen. Bis November waren sicher sechs Installateure hier, von denen wir aber auch auf Nachfrage nichts mehr gehört haben“, erzählt Susanna Roberts. Sie suchten vergeblich nach einer Firma, die ihnen ein Loch mit einem Betonfundament für ihren Gastank der Heizung errichtet. Dass nun endlich etwas passiert ist, dafür haben Petra und Robert Köser vom Verein Bergisch Land Hand in Hand gesorgt. „Hätten wir euch nicht, hätten wir nicht gewusst, was wir hätten machen sollen“, bedankt sich Susanna Roberts. Längst ist eine Freundschaft entstanden. „Nach einem Gespräch mit Herrn Herrmann, Inhaber der Firma Brucks baut GmbH in Remscheid, schaute Herr Herrmann direkt am nächsten Tag bei Familie Roberts vorbei und sagte sofort Hilfe zu“, erzählt Petra Köser, die nach der Flut schnell in die Hilfsaktionen eingestiegen war.

„Wir möchten Menschen wieder einen Halt geben.“

Robert Köser

Nun ist sie bei Bergisch Land Hand in Hand aktiv. Seit Ende November ist dies ein eingetragener Verein. Die Idee dazu stammt von ihrem Sohn Robert Köser (20). Der Schüler half nach der Flutkatastrophe an der Ahr. Als dort ein Bundeswehr-Hubschrauber über ihm kreiste, wurde ihm klar: Die Lage ist ernst. Danach half er in seiner Heimat. „Denn bei uns ist es nicht weniger schlimm. Man muss nur einmal in die Häuser reingehen oder in die Gärten schauen – auch heute noch“, sagt Robert Köser, der auch viele Freunde mobilisieren konnte, im Verein mitzumachen. Seine Mutter Petra Köser, die das Spendenlager in der Lehmkuhle mit aufgebaut hat, verfügt über ein großes Netzwerk, spricht Firmen, Handwerker, Sponsoren an. In Hückeswagen-Wiehagen hat der Verein nun ein eigenes Sachspendenlager. Für Mai ist zudem ein Fest für die Betroffenen geplant, weitere Aktionen sollen folgen. Gemeinsam wollen sie aber nicht nur den Flutopfern helfen, sondern allen Remscheiderinnen und Remscheidern, die unverschuldet in Not geraten sind. „Wir möchten Menschen wieder einen Halt geben, ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind“, sagt Robert Köser.

So auch den Roberts. Zumindest für Wärme in der Stube zu Weihnachten ist gesorgt: Nachdem Kai Kessing von Pro- Kaminfeuer aus Wermelskirchen unentgeltlich einen Kamin eingebaut und die Fluthilfe Brennholz und Radiatoren geliefert hat, sorgt Bergisch Land Hand in Hand nun dafür, dass das Paar zumindest eine kleine Weihnachtsauszeit bekommt: bei einer Alpaka-Wanderung.

Kontakt

Internet: Der Verein ist auf Facebook, hat aber auch eine Website:

bergischlandhandinhand.de

Telefon: Petra und Robert Köser sind hier erreichbar: Handy: Tel. (01 73) 4 72 55 23 oder per E-Mail:

bergischlandhandinhand@web.de

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