Coronavirus

Firmen fürchten den Wirtschaftslockdown

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im Gespräch mit RGA-Lokalchef Axel Richter. Im August 2020 versprach der Politiker den Unternehmen rasche und unbürokratische Hilfe.Archivfoto: Michael Schütz
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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im Gespräch mit RGA-Lokalchef Axel Richter. Im August 2020 versprach der Politiker den Unternehmen rasche und unbürokratische Hilfe.
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Wirtschaftsminister versprach rasche Hilfen – Nun macht ein anderer Begriff die Runde.

Von Axel Richter

Im August versprach Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) den Unternehmen in Remscheid rasche und unbürokratische Unterstützung. Nicht nur, um sie zu retten, denn, hielt er damals im RGA-Gespräch fest: „Wir haben das beste Gesundheitssystem der Welt. Wir können uns dies aber nur so lange leisten, wie wir eine gesunde Wirtschaft haben“. Heute macht angesichts nicht sinkender Coronazahlen der Begriff „Wirtschaftslockdown“ die Runde. Beim Arbeitgeberverband für Remscheid und Umgebung schrillen deshalb die Alarmglocken.

„Wenn das kommt, stehen nicht nur Unternehmen und Arbeitsplätze auf dem Spiel, sondern dann gehen auch die letzten Steuerzahler vom Netz“, sagt Dr. Marcus Jankowski, Präsident des Verbandes, der den Minister damals eingeladen hatte. Dann stünden nicht nur Unternehmen und Arbeitsplätze, sondern auch das beste Gesundheitssystem der Welt vor dem Ende.

Jankowski, Chef der Robert Röntgen GmbH & Co. KG., hat viel unternommen, um seine Mitarbeiter zu schützen. In allen Büros mit mehr als einem Arbeitsplatz reinigen Filter die Luft. Wer kann, arbeitet im Homeoffice. Doch nicht jeder kann das. „Es scheitert ja schon an der Internetversorgung“, sagt der Firmenchef. Schon deshalb hält er nichts von einem Recht auf Homeoffice, wie SPD und Grüne es fordern: „Das lässt sich doch nicht mit Brachialgewalt einführen.“

Die Novemberhilfen kommen nächste Woche

Tatsächlich vermutet auch der Remscheider Corona-Krisenstab die meisten Neuinfektionen nicht am Arbeitsplatz, sondern im Privatbereich. „Die meisten Neuansteckungen lassen sich auf Freunde und Familie zurückverfolgen“, erklärte Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling zuletzt den Kommunalpolitikern. Nach den Gastronomen, die ebenfalls viel in die Sicherheit ihrer Gäste investiert haben, würden im Falle eines Wirtschaftslockdowns aus Unternehmersicht mithin erneut die Falschen bestraft.

Apropos Gastronomen: Das Restaurant Schützenhaus, in dem Minister Peter Altmaier den Unternehmern im August rasche Finanzhilfe versprach, hat bis heute eine Abschlagszahlung über 10 000 Euro erhalten. „Das war’s“, sagt Gastronom Paul Clemens, der mit Tino Burk und weiteren Kollegen im Schützenhaus, in der Klosterschänke und im H2O annähernd 60 Mitarbeiter beschäftigt.

Von den vielzitierten November- und Dezemberhilfen ist noch kein Cent angekommen. Paul Clemens ist deshalb nicht undankbar. Irgendwann werde das Geld kommen. Er kenne aber auch etliche Unternehmen in seiner Branche, die händeringend auf weitere Auszahlungen warten.

Im Laufe der nächsten Woche soll es so weit sein. Die gute Nachricht kam am Freitag von Thomas Grigutsch, der bei der Bergischen Industrie- und Handelskammer für den Bereich Unternehmensförderung und -sicherung zuständig ist. Er weiß: „In etlichen Unternehmen liegen derzeit die Nerven blank.“

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Standpunkt

sven.schlickowey@rga-online.de

Ein Kommentar von Sven Schlickowey

Dass die deutsche Wirtschaft zwar von Corona getroffen wurde, dies aber besser verkraftet als manch andere Volkswirtschaften, hat einen einfachen Grund: Vertrauen. In unsere Wirtschaftskraft. In unsere Fähigkeit, Krise zu überstehen und daraus zu lernen. Aber vor allem in den Staat, der ja mit der Bazooka, wir erinnern uns, dafür sorgen wollte, dass der Einbruch nicht allzu stark ausfällt. Deswegen können Unternehmer halbwegs gelassen bleiben, deswegen können Arbeitnehmer weiter konsumieren. Doch die Bundesregierung ist gerade dabei, genau dieses Vertrauen zu verspielen. Und damit ihr wirtschaftspolitisch derzeit höchstes Gut. Dabei stehen wir an einem Scheideweg. Übersteht die Wirtschaft Corona mit einem blauen Auge und kann danach wieder durchstarten, was im besten Fall zu einem lang anhaltenden Aufschwung wie nach der Weltfinanzkrise führt? Oder fährt sie richtig vor die Wand? Diese Frage wäre leicht zu beantworten, wenn die versprochenen Hilfsmittel endlich fließen. Und das Vertrauen damit wieder zurück käme.

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