Interview der Woche

Feuerwehrchef: „Gebt uns das Serum, den Rest machen wir“

Guido Eul-Jordan stammt aus dem Ruhrgebiet und ist von Hause aus studierter Bergbauingenieur. Seit 16 Jahren steht er an der Spitze der Feuerwehr Remscheid. Jetzt zeichnet er verantwortlich für den Betrieb des Corona-Impfzentrums in Reinshagen. Foto: Roland Keusch
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Guido Eul-Jordan stammt aus dem Ruhrgebiet und ist von Hause aus studierter Bergbauingenieur. Seit 16 Jahren steht er an der Spitze der Feuerwehr Remscheid. Jetzt zeichnet er verantwortlich für den Betrieb des Corona-Impfzentrums in Reinshagen.

Heute nimmt das Impfzentrum seinen Betrieb auf - Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan würde gern mehr Spritzen setzen.

Das Gespräch führte Axel Richter

Herr Eul-Jordan, am heutigen Montag öffnen Sie das Corona-Impfzentrum für die Impfung der über 80-Jährigen in Remscheid. Sind Sie bereit?

Guido Eul-Jordan: Ja, das sind wir. Es steht alles, die Ärzte sind breit, alle sind voll motiviert. Heute geht es los.

Wie viel Impfstoff steht Ihnen zur Verfügung?

Eul-Jordan: 120 Dosen. Um 14 Uhr erwarten wir die ersten beiden über 80-Jährigen, denen wir den Impfstoff verabreichen können. Mittwoch, Samstag und Sonntag geht es dann im gleichen Umfang weiter.

Das ist überschaubar. Wie viele Menschen könnten Sie impfen?

Eul-Jordan: Wir haben drei Impfstraßen eingerichtet. Pro Straße und Tag könnten 240 Menschen geimpft werden. Das wären 720 pro Tag. Davon sind wir leider weit entfernt.

Was nicht an Ihnen liegt.

Eul-Jordan: Nein. Unser Impfzentrum steht seit dem 15. Dezember und ist einsatzbereit. Wir haben immer gesagt: Gebt uns den Impfstoff, den Rest machen wir. Das klingt vielleicht überheblich, aber so selbstbewusst bin ich mal.

Sie verimpfen den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Erwarten Sie in den nächsten Wochen auch Impfstoff von anderen Herstellern?

Eul-Jordan: Ja, und zwar schon am kommenden Freitag. Es soll uns dann eine Lieferung des Serums von Astrazeneca erreichen.

Was an jüngere Menschen verimpft werden soll?

Eul-Jordan: Ja. Wir erstellen deshalb gerade neue Pläne und möchten am Freitag die ersten unter 65-jährigen Remscheider gegen Corona impfen. Mitarbeiter der Rettungsdienste, der Tagespflege, ambulanter Pflegedienste, aus Hospizen, Wohngemeinschaften und anderen Einrichtungen werden dazu von uns angeschrieben. Ich habe allerdings noch keine Freigabe dazu. Die Informationen aus Düsseldorf ändern sich täglich, manchmal auch stündlich.

Wie erreicht Sie das Serum?

Eul-Jordan: Der Impfstoff wird uns am Morgen von einem Spediteur angeliefert. Das Serum von Biontech / Pfizer ist dann bereits auf zwei bis acht Grad Celsius erwärmt und wird vor Ort von einem Apotheker mit einer Kochsalzlösung versehen. Danach kann die Spritze aufgezogen werden. Sie muss dann binnen sechs Stunden verimpft werden.

Wie muss ich mir den Ablauf im Impfzentrum vorstellen?

Eul-Jordan: Im Idealfall wird der zu impfende Mensch von einem Angehörigen begleitet. Das hilft, Ängste zu nehmen. Aber natürlich kümmern auch wir uns um die Menschen. Im Eingangsbereich der Sporthalle West werden alle Besucher von einem Sicherheitsdienst in Empfang genommen. Der nimmt zunächst eine Plausibilitätsprüfung vor und lässt sich Ausweis und Einladung zeigen. Schließlich soll sich bei der Impfung niemand vordrängeln können.

Rechnen Sie mit entsprechenden Versuchen?

Eul-Jordan: Wir können nichts ausschließen. Der Impfstoff ist begrenzt, und die Menschen wollen geimpft werden. Da kann sich schon mal einer vertun, sage ich mal. Aber wir müssen alle wegschicken, die nicht legitimiert sind.

Wie geht es dann weiter?

Eul-Jordan: Bei jedem, der das Impfzentrum betreten will, wird zunächst Fieber gemessen. Wer krank ist, darf nicht geimpft werden. Dann geht es weiter zur Registrierung und zum Aufklärungsgespräch und zur Impfung. Anschließend muss der Impfling noch eine halbe Stunde bleiben, um mögliche Reaktionen abzuwarten. Die Menschen stehen dabei unter der Beobachtung unseres Sanitätsdienstes. Insgesamt wird die Impfung etwa eine Dreiviertelstunde in Anspruch nehmen.

Das wäre der Idealfall. Beim RGA meldete sich in der vergangenen Woche ein älterer Herr, dem hatte man am Telefon eine andere Uhrzeit genannt als in der späteren Bestätigungsmail. Nach dem Chaos bei der Anmeldung klingt das nach neuem Ärger.

Eul-Jordan: Der Fall, den Sie schildern, ist mir noch nicht begegnet. Wir haben aber Hinweise darauf, dass nicht alle Impflinge auch ihre Unterlagen erhalten haben, die sie für den Impftermin brauchen. Ich rechne deshalb ohnehin nicht mit einem reibungslosen Verlauf. Aber wir stehen nach den Impfungen in den Alten- und Pflegeheimen ja nicht vor einem Kaltstart. Wir haben Erfahrungen und wir sind es gewohnt, schnell zu reagieren und wenn nötig auch zu improvisieren.

Haben Sie die Abläufe im Impfzentrum eigentlich geprobt?

Eul-Jordan: Ja, wir haben tatsächlich Testläufe gemacht und den Mitarbeitern bei der Registrierung zum Beispiel ein paar unter 80-Jährige untergeschleust. Sie haben es gemerkt. Insofern: Wir haben uns gut vorbereitet.

Auch auf die Zweitimpfung in drei Wochen?

Eul-Jordan: Alle Impflinge, die wir ab Montag erwarten, haben auch bereits einen zweiten Termin genannt bekommen. Und das Land hält auch das Serum für die zweite Spritze bereit. In dem Zusammenhang: Wir haben Hinweise auf Trittbrettfahrer, die sich die Situation der alten Menschen zunutze machen wollen. Sie rufen die Menschen an, um ihnen eine zweite Impfung für viel Geld zu verkaufen. Bei dieser Vorstellung kann einem wirklich schlecht werden. Deshalb der klare Hinweis: Die Impfung bleibt kostenlos und sie erfolgt hier bei uns auf Termin im Impfzentrum. Die Menschen sollen sich also nicht aufs Glatteis führen lassen.

Zur Person

Guido Eul-Jordan (55) ist Leitender Branddirektor und steht seit 16 Jahren an der Spitze der Feuerwehr Remscheid. Im Corona-Krisenstab der Stadt übernahm er den Aufbau des Impfzentrums in der Sporthalle West in Reinshagen. Eul-Jordan stammt aus Dortmund und ist studierter Bergbauingenieur. Heute lebt er mit Familie in Lennep.

Die Berufsfeuerwehr Remscheid zählt 135 Feuerwehr-Beamte. Verstärkt werden sie von aktuell 220 freiwilligen Feuerwehrmännern und -frauen. Sie sind in sieben Einheiten organisiert, die über das Stadtgebiet verteilt sind.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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