Katastrophenschutz erhält größere Bedeutung

Feuerwehr rüstet nach Hochwasser auf - Neues Fahrzeug vom Land

Daniel Kwiaton (45), freiwilliger Feuerwehrmann des Löschzugs Nord, in der Gerstau. Über diese Brücke schwappte das Wasser am 14. Juli. Im Hintergrund ist Haus Nr. 19 zu sehen, das er und seine Kameraden zuerst mit Sandsäcken schützen sollten. Danach die Brücke und den Rest der Siedlung. Fotos: Roland Keusch
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Daniel Kwiaton (45), freiwilliger Feuerwehrmann des Löschzugs Nord, in der Gerstau. Über diese Brücke schwappte das Wasser am 14. Juli. Im Hintergrund ist Haus Nr. 19 zu sehen, das er und seine Kameraden zuerst mit Sandsäcken schützen sollten. Danach die Brücke und den Rest der Siedlung.

Freiwilliger Feuerwehrmann erzählt vom 25-Stunden-Einsatz.

Von Melissa Wienzek

Drei Wochen nach der Katastrophe kehrt Daniel Kwiaton (45) an die Stelle zurück, an der er mit seinen fünf Kollegen am 14. Juli um kurz nach 19 Uhr die erbarmungslose Kraft des Wassers zu spüren bekam: in die Gerstau. Hier sind die Nachbarn immer noch mit dem Aufräumen beschäftigt und sorgen sich um die Brücke an der Bushaltestelle. Diese sei komplett unterspült, berichten sie dem freiwilligen Feuerwehrmann Daniel Kwiaton vom Löschzug Nord und Sascha Ploch von der Berufsfeuerwehr.

Helmut Millings Haus, Gerstau 11, stand unter Wasser. Er sieht den Wupperverband in der Pflicht.

Die Anweisung am Katastrophenabend lautete: Haus Nr. 19 vor der Flut sichern, das direkt am Morsbach steht. Dafür war das Katastrophenschutzfahrzeug 10-DekonP-1 mit 175 Sandsäcken à 25 Kilo beladen. „Als wir ankamen, stand das Wasser schon 30 Zentimeter unter der Brücke. Wir waren erschrocken, welche Strömung hier herrschte und wie laut es war“, sagt Kwiaton. Er habe seinem Gruppenführer mitgeteilt, er würde gern abrücken, weil er Angst hatte, gibt er zu. „Es wurden Mülltonnen und Baumstämme angeschwemmt, sie verkeilten sich vor der Brücke. Aber wir mussten da durch“, erzählt der Wehrmann, der gemeinsam mit seinem Sohn (21) seit 14 Uhr im Einsatz war. Also schleppte das Team in schweren Stiefeln eine Stunde lang im Eiltempo Sandsäcke, um die Gerstau zu schützen.

Doch der Morsbach schwoll immer schneller an, den Einsatzkräften lief die Zeit davon. „Wir haben die Anwohner dann aufgefordert, ihre Fahrzeuge in Sicherheit zu bringen, haben danach die Brücke gesperrt und eine provisorische Mauer gebaut.“ Aber auch die hielt nicht mehr. Die Menschen wurden panisch. „Zwei Personen wollten noch mit ihren Autos über die Brücke. Als wir Nein sagten, kochten die Emotionen hoch.“ Die Nachbarn seien mit Mülltonnen gekommen und wollten Sandsäcke haben – doch die Wehrleute hatten einfach nicht genug.

Bei dieser Gemengelage noch klar im Kopf zu bleiben, sei eine Herausforderung gewesen, sagt der Feuerwehrmann. Und dann kam auch schon die nächste Alarmierung. Immer wieder fuhren die Wehrleute nach Hasten, um das Fahrzeug mit neuen Sandsäcken aus dem Lager zu beladen und wieder nach ganz Remscheid auszurücken. 2000 Sandsäcke gingen drauf – der ganze Bestand.

„Am 14. Juli werden wir schwimmen.“

Daniel Kwiaton zu seinen Kameraden 10 Tage vor der Flut

25 Stunden dauerte der Dienst von Daniel Kwiaton und seinem Sohn. „Wir haben so viel geschwitzt.“ Wie sie das schafften? „Das Adrenalin hielt uns wach“, sagt der 45-Jährige, der sonst im Versand einer Sprockhöveler Firma arbeitet. Nach den vielen Hochwassereinsätzen konnte das Team am Donnerstagmorgen nur kurz verschnaufen – es brannte auch noch in Lüttringhausen. Dort sei er völlig erschöpft angekommen, gibt Kwiaton zu. Und danach ging es zur überfluteten Firma Grimm. Als dann endlich Ende war, habe er nur eins getan: geschlafen. Um danach in seinem Urlaub seinem Freund Friedrich Halbach beim Entschlammen der Schmiede zu helfen.

Der Einsatzplan sei aufgegangen, sagt Kwiaton. „Dass uns die Berufsfeuerwehr das Fahrzeug schon einen Tag vorher beladen hingestellt hatte, war genau richtig“, sagt Kwiaton, der seinen Kollegen bereits zehn Tage vorher gesagt hatte: „Am 14. Juli werden wir schwimmen.“ Bereits morgens fuhr er die neuralgischen Punkte im Morsbachtal ab und wusste: Er würde recht behalten. Über 200 Einsätze mit 160 Kräften fuhren Berufs- und freiwillige Wehren, plus THW und DRK. Und das zwei Tage. Schwerpunkt war das Morsbachtal.

Nach dem Hochwasser in Remscheid: Hier können Sie spenden und helfen

Die Feuerwehr zieht nun ihre Lehren daraus – und rüstet auf. Nächste Woche erhalte die Berufswehr ein neues Fahrzeug vom Land mit 18-Tonnen-MAN-Fahrgestell, sagt Sascha Ploch, der bei der Feuerwehr für den Zivil- und Katastrophenschutz zuständig ist. Das neue Fahrzeug habe eine höhere Ladekapazität. „Das wird uns helfen.“ Dann müssen die Helfer im Notfall nicht mehr so oft hin und her fahren und nachladen. Auch ein neues Hochwasserboot ist im Gespräch, sagt Ploch. Das bisherige sei schwer, und es brauche viele Männer, um es zu bewegen. Dies habe sich im Hochwasserfall als Manko herausgestellt.

„Wir erarbeiten gerade ein Konzept, um diese Lücke in der Einsatzfähigkeit zu schließen.“ Ein weiteres Konzept liegt bereits fertig auf den Tischen der Stadträte, die nun entscheiden müssen: Die Feuerwehr schlägt vor, 14 bis 15 neue Sirenen stadtweit zu installieren, um die Bevölkerung im Katastrophenfall wie Unwetterlage oder AKW-Unfall flächendeckend zu warnen. Die Stadt greift damit auch die Kritik auf, es sei nicht rechtzeitig vor der Flutkatastrophe gewarnt worden. Und schließlich hat nicht jeder die Nina-Warn-App auf dem Handy.

Der Zivil- und Katastrophenschutz wird nun nach dem Hochwasser wohl wieder eine größere Bedeutung bekommen, sagt Ploch – so auch mit dem landesweiten Warntag, der erneut im September ansteht.

Löschzug Nord

Ort: Haddenbacher Straße 138a

Personen: Um die 50 aktive freiwillige Feuerwehrleute. Nord hat auch eine Jugendfeuerwehr.

Fahrzeuge: 7, darunter ein ABC-Fahrzeug.

Experten: Laut Kwiaton gibt es hier die meisten mit ABC-Ausbildung.

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