Flucht aus der Ukraine

Feuerwehr baut 90 Betten für Geflüchtete auf

Zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine sind in den vergangenen Wochen im Bergischen Land angekommen. Foto: Christian Beier
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Zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine sind in den vergangenen Wochen im Bergischen Land angekommen.

Erstunterkunft in der Sporthalle Hölterfeld wird für Menschen aus der Ukraine vorbereitet.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Die Erstunterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine nimmt in der Sporthalle Hölterfeld Formen an. Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Hasten bauten bereits Betten und Trennwände auf und richteten eine Spielecke für Kinder ein, die gemeinsam mit ihren Müttern im Gebäude an der Unterhölterfelder Straße erwartet werden. Das Quartier soll erster Zufluchtsort in Remscheid für Menschen sein, die nicht wissen, wohin sie sollen, berichtet die Leiterin des Ukraine-Krisenstabs Barbara Reul-Nocke. „Hier finden sie zunächst für die ersten Tage und Wochen ein Dach über dem Kopf, Hilfe und Ansprechpartner.“ Auch für die Gesundheitsversorgung und Impfangebote werde gesorgt.

Ein Hilfskonvoi fährt zur polnischen Partnerstadt Mragowo.

Bereits 2016, auf dem Höhepunkt des vergangenen Flüchtlingszustroms, wurde die Sporthalle samt des dazugehörenden Schulkomplexes zur Unterkunft. Dies habe sich bewährt. Und dennoch lasse sich die Situation von vor sechs Jahren nur bedingt mit der heutigen Lage vergleichen. „Wir wissen nicht, wie viele Menschen zu uns kommen und wie lange sie bleiben. Die Geflüchteten aus der Ukraine haben Freizügigkeit. Sie müssen also nicht in der Stadt bleiben, in der sie registriert wurden“, erklärt die Rechtsdezernentin. Für den Oberbürgermeister ist es aber wichtig, „vor die Lage zu kommen“, wie er erläutert. „Wir haben die Aufgabe, den Geflüchteten schnellstmöglich Schutz und Sicherheit zu geben. Und bei der Suche nach Wohnungen stoßen wir mit der Geschwindigkeit an unsere Grenzen“, erklärte Burkhard Mast-Weisz.

Stand Freitagnachmittag sind 407 Menschen aus der Ukraine in Remscheid angekommen – ein Großteil sei privat untergebracht, vor allem bei Freunden und Verwandten. 40 leben in Hotelzimmern, 35 in Wohnungen, die von der Stadt angemietet wurden. Und auf weiteren Wohnraum kommt es nun an. Mit 1143 Geflüchteten sind die städtischen Sammelunterkünfte und sonstige Unterbringungen bereits stark belegt. Denn: Es kommen auch noch Menschen aus anderen Krisengebieten der Welt nach Remscheid, etwa aus Syrien und Afghanistan. Das ist bei der Aufnahme von Flüchtlingen zu beachten

Rund 100 freie Wohnungen stehen auf der Liste der Stadt

Rund 100 freie Wohnungen stehen derzeit auf der Liste, die von Mitarbeitern der Stadt abgearbeitet werden müsse. Es gilt, Besichtigungen vorzunehmen, Mietverträge abzuschließen. Die Erstunterkunft in Hölterfeld diene dabei als Puffer, wie Barbara Reul-Nocke anführt. Betrieben wird sie von der Stadtverwaltung, für Verpflegung sorgt das Lenneper Unternehmen HSD, indem es dreimal am Tag Mahlzeiten liefert. Bei der Betreuung der Geflüchteten wirkt das Deutsche Rote Kreuz mit. Es werde einen Hausmeisterdienst ebenso geben wie Security-Mitarbeiter. „Sie alle sind Ansprechpartner für die Nachbarn, die wir in einem Brief informiert haben“, berichtet der Oberbürgermeister. „Mir ist es wichtig, dass sich die Einrichtung in das Umfeld einfügt.“

90 Betten wird die Sporthalle umfassen. „Dabei wird es abgetrennte Räume für zwei und vier Personen geben – je nach Anzahl der Familienmitglieder,“ kündigt Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan an. Zusätzlicher Platz für 40 bis 50 Menschen ließe sich in der ehemaligen Hauptschule schaffen, in der in einem ersten Schritt der Speisesaal eingerichtet wird. Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass eine weitere Turnhalle zur Erstunterkunft wird.

Die Leitung in Hasten übernimmt Sachgebietsleiter Thomas Kugel, der sich bei der Sozialverwaltung unter anderem um Wohnungsnotfallhilfen kümmert und seit 1993 im Dienste des Remscheider Rathauses tätig ist.

Kontakt

Bis Freitagnachmittag haben sich 80 Menschen bei der Stadt gemeldet, die ehrenamtlich helfen wollen. Etwa die Hälfte bietet Dolmetscherdienste an. Wer ebenfalls Interesse hat oder freien Wohnraum (separat, nicht in der eigenen Wohnung) bieten will, kann sich melden, Tel. (0 21 91) 16 92 00.

ukraine@remscheid.de

So können Sie jetzt helfen

Standpunkt: Weitsichtiges Handeln

Ein Kommentar von Frank Michalczak

frank.michalczak@rga.de

Noch weiß niemand, wann die Erstunterkunft in der Sporthalle Hölterfeld an den Start gehen wird. Über 100 Zuweisungen erwartet die Stadtverwaltung seitens der Bezirksregierung Arnsberg, um die Unterbringungsquote zu erfüllen. Ob aber die Geflüchteten in Remscheid tatsächlich ankommen, ist ungewiss. Denn: Nicht jede und nicht jeder, die aus der Ukraine in Deutschland ankommen, wollen hierbleiben. Manche sind auf der Durchreise in andere Staaten Europas, wo ihre Angehörigen leben. Aber: Je länger der entsetzliche Krieg dauert, umso mehr Menschen werden auch in Remscheid versorgt werden müssen. Von daher ist es weitsichtig, dass sich die Verwaltung auf alle Eventualitäten einrichtet – und bereits prüft, vorsorglich eine weitere Erstunterkunft einzurichten. Der Leiter der Einrichtung in Hasten, Thomas Kugel, freut sich auf seine neue Aufgabe, wie er bekundet. Auch er musste bislang hilflos die Berichterstattung über den Krieg verfolgen. Jetzt könne er etwas für die betroffenen Menschen leisten, die Grausames erlebt haben. So wie ihm wird es vielen gehen, die sich im Haupt- oder Ehrenamt engagieren. Ihre Unterstützung wird noch lange nötig sein.

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