Brand an der Hastener Straße kurz vor Weihnachten

Feuer zerstörte ihr Zuhause: Die Ungewissheit nach der Todesangst

Aida und Nehad Colovic mit Baby Maida in ihrer vorübergehenden Bleibe, einem Hotel in der Stockder Straße.
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Aida und Nehad Colovic mit Baby Maida in ihrer vorübergehenden Bleibe, einem Hotel in der Stockder Straße.
  • Andreas Weber
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Familie Colovic steht nach einem Wohnungsbrand vor dem Nichts – Die Eheleute sind von der Hilfsbereitschaft überwältigt und geben ein besonderes Versprechen ab.

Remscheid. Aida Colovic wiegt ihre Maida in den Armen und blickt mit leeren Augen durch das Hotelzimmer: „Es ist immer noch ein Alptraum. Ich kann nicht glauben, was passiert ist.“ In der Nacht zum 22. Dezember ist die Familie Colovic ausgebrannt. Der Spitzboden über ihnen und drei weiteren Mietparteien in der Hastener Straße 72 war in Flammen aufgegangen. Hals über Kopf musste das Ehepaar mit seinen drei kleinen Kindern die Maisonettewohnung verlassen. Mit nichts, außer dem nackten Leben, ihren Ausweisen, noch im Pyjama, hastig angezogenen Jacken, Mützen und Schuhen.

„Wir haben Todesängste ausgestanden“, sagt die 31-Jährige. Zurück können sie nicht. Das Löschwasser hat ihr Hab und Gut zerstört – bis zu den Weihnachtsgeschenken für ihren Sohn Seid (7), Tochter Lejla (6) und ihr Baby. Maida ist der Sonnenschein in diesen traumatischen Tagen, geboren in der 42. Woche der Schwangerschaft als Nikolauskind im Sana-Klinikum. Sie und die beiden älteren Geschwister in Sicherheit zu wissen, gibt dem serbischen Ehepaar Kraft bei den vielen Entscheidungen, die anstehen.

Sie müssen ihr Leben neu sortieren, bei null anfangen. Aida und ihr drei Jahre älterer Ehemann Nehad hatten keine Hausratversicherung, müssen deshalb auch die Kosten für das Hotel in der Stockder Straße tragen, in dem sie nach dem Brand untergekommen sind. Finanzielle Reserven sind nach den Einkäufen für ihr Baby keine vorhanden. Nehad Colovic ist seit Dezember arbeitslos. Er war auf dem Bau in Düsseldorf beschäftigt. Als die Temperaturen unter null Grad sackten, wurde er entlassen. Erst im Frühjahr geht es weiter. Aida Colovic ist Altenpflegerin, aber in Elternzeit. Vom Jobcenter bekamen sie 200 Euro für Verpflegung, um die ersten Tage über die Runden zu kommen.

Eine erste Welle der Hilfsbereitschaft habt Familie Colovic schon erfahren. Zwei Ehepaare meldeten sich beim RGA nach dem Brandartikel, um Geld zu spenden. In der Grundschule Hasten, in der Seid und Lejla die erste Klasse besuchen, hatte sich die Nachricht von der Katastrophe schnell herumgesprochen. Kollegium und Eltern spendeten. So viel, dass vieles momentan noch in der Schule lagert, weil die Wohnungslosen außer einem Schrank in ihrem Hotelzimmer keine Unterbringungsmöglichkeit haben.

„Es ist immer noch ein Alptraum.“

Aida Colovic, Brandopfer

Eine Lehrerin kümmerte sich um eine Wohnung. In Rath sind die Colovic deshalb fündig geworden. Am Freitag unterschrieben sie den Mietvertrag für eine 74 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung. „Wir sind unendlich dankbar, dass wir in Remscheid so große Unterstützung erfahren“, meinen die Eheleute überwältigt von der Hilfe. Momentan besteht ihre Kleidung noch aus geliehenen Trainingsanzügen der Verwandtschaft.

Ihre Eltern leben in den Niederlanden. Über Weihnachten sind sie nach Rotterdam gefahren, die älteren Kinder sind weiter bei Oma und Opa, werden zu Schulbeginn am 9. Januar zurückkehren. „Mama, wo bleiben wir jetzt?“, ist eine Frage, die Aida Colovic immer wieder zu Tränen rührt. „Es ist so ungeheuer anstrengend, tausend Gedanken wirbeln in meinem Kopf. Wir stehen immer noch neben uns“, gibt die dreifache Mutter zu, bei der der Stress zu Hautausschlag geführt hat. Die Kinder sind krank, grippal infiziert. „Irgendwie kommt alles zusammen: die Kündigung für meinen Mann, der Brand, die schweren Erkältungen“, seufzt die Mama.

Perspektivisch wird die Wohnung in Rath zu klein werden, weil sie nur ein Kinderzimmer hat, aber das ist jetzt nebensächlich. „Hauptsache, ein Dach über dem Kopf. Ob meine Frau und ich erst auf dem Boden schlafen, ist egal. Als Erstes werden wir bei Poco Kinderbetten kaufen. Der Rest kommt nach und nach“, setzt Nehad Colovic Prioritäten bei den bevorstehenden Ausgaben. Seit zehn Jahren in Deutschland, acht davon in Dortmund, loben sie die für sie unfassbare Solidarität in der Bevölkerung. „Wenn wir das alles durchgestanden haben, werde ich eine Anzeige schalten, dass ich anderen Remscheidern, die in Not geraten sind, helfen werde“, verspricht Nehad Colovic für andere da zu sein.

Kaufhaus und Caritas helfen weiter

Hilfe: Wie viele in Not Geratene, wird sich das Ehepaar Colovic im Kaufhaus Remscheid der Arbeit Remscheid gGmbH am Markt 17 umschauen, wo es preiswert hochwertige Second-Hand-Möbel gibt. Auch kann die Kleiderkammer der Caritas in der Blumenstraße 9 weiterhelfen, ebenso wie der Caritas-Babyladen, Blumenstraße 5.

Spenden:Wer die Familie darüber hinaus mit Kleidung oder Möbeln unterstützen möchte, schreibt dem RGA eine Mail. Die Redaktion leitet sie weiter: redaktion@rga.de

Standpunkt von Andreas Weber: Glücksmoment

andreas.weber@rga.de

Über Monate wurde in Deutschland über Wohnungen diskutiert, die im Winter nicht richtig warm werden, weil Energiekosten eingespart werden müssen. Dies sind Ängste auf hohem Niveau im Vergleich mit den Menschen, die glücklich wären, ein Dach über dem Kopf zu haben.

Die Familie Colovic traf dieses Schicksal kurz vor Weihnachten. Unvermittelt wurden sie nachts um Viertel vor drei Uhr aus ihrer Sicherheit gerissen, verloren alles, was sie besitzen. Dies im RGA nachzulesen, erfüllt das Ehepaar mit Scham. Dabei kann die Öffentlichkeit helfen.

Wenn es darauf ankommt, sind die Remscheider für andere da. Dies zeigt sich nicht nur gerade bei der RGA-Aktion „Helft uns helfen“. Als wir über den Brand in der Hastener Straße berichteten, meldeten sich direkt zwei Leser-Ehepaare, die den mittellosen Colovic Geld zukommen lassen wollten. Von der einen Zuwendung hat die Familie zwei Kinderbetten kaufen können. In diesen schweren Zeiten ein Glücksmoment für die Familie.

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