Coronavirus

Ferientage: „Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Eltern“

Erik (10) macht sein Homeschooling in der Firma seiner Eltern – natürlich normalerweise im Büro. Der Fünftklässler setzt sich aber auch mal in den Gabelstapler in der Produktion, wenn er Fragen an seinen Vater Markus Schulz hat, während der mit der Arbeit beschäftigt ist. Foto: Roland Keusch
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Erik (10) macht sein Homeschooling in der Firma seiner Eltern – natürlich normalerweise im Büro. Der Fünftklässler setzt sich aber auch mal in den Gabelstapler in der Produktion, wenn er Fragen an seinen Vater Markus Schulz hat, während der mit der Arbeit beschäftigt ist.

Eltern kritisieren Homeschooling und Organisation von Lehrzeiten in der Pandemie.

Von Katharina Birkenbeul

Remscheid. Als unfassbar bezeichnet Markus Schulz die Statements der Schulleitungen zu den beweglichen Feiertagen um Rosenmontag in einem RGA-Artikel der vergangenen Woche. „Die Kinder haben so viel verloren im letzten Jahr, und jetzt nach vier Wochen Unterricht brauchen die Lehrer frei zum ,Durchschnaufen’, und die Möglichkeit wegzufahren – in einer Pandemie“, drückt der Vater eines zehnjährigen Sohnes seinen Unmut aus. „Bald sind schon wieder Osterferien, und wann haben wir als Eltern und Selbstständige einmal frei?“

„An die Kinder denkt kein Mensch.“

Kristina Schulz, Mutter eines zehnjährigen Sohnes

Seit dem Beginn des Distanzunterrichtes Anfang Januar läuft der Tagesablauf der Familie Schulz anders ab als gewohnt. Anstatt dass Sohn Erik morgens in die Schule fährt, begleitet er seine Eltern in die eigene Firma. Das Büro ist der Arbeitsplatz des Fünftklässlers. Wann er starten soll, erfahre er teilweise erst am späten Vorabend oder am nächsten Morgen, einen klassischen Stundenplan gebe es nicht. „Da ist die Organisation im Vorfeld schwer“, sagt Schulz.

Unterrichtet wird in allen Fächern – von Deutsch und Mathe bis zu Philosophie und Sportunterricht. „Mein Lieblingsfach ist Englisch“, sagt Erik. In der freien Zeit turnt er dann in der Firma rum, fährt mit seinem Vater Gabelstapler, schaut den Maschinen zu, fährt mit seinem Roller durch die Gegend, „einfach für ein bisschen Abwechslung und Spaß zwischendrin.“ Nachmittags heißt es dann noch mal Hausaufgaben machen. Die macht er an manchen Tagen nur widerwillig und über den ganzen Nachmittag verteilt. „Ich habe das Gefühl, dass die Lehrer erwarten, dass alles läuft. Reagieren mit Unverständnis, wenn Aufgaben nicht genau nach ihren Vorstellungen bearbeitet werden. Dabei sind wir keine Pädagogen, müssen aber derzeit oft in die Lehrerrolle schlüpfen“, sagt Mutter Kristina Schulz, die von vielen Eltern ähnliche Erfahrungen geschildert bekomme.

So zehre das Homeschooling sowohl an den Kräften der Eltern als auch an den Kräften der Kinder. „Erik ist eigentlich total ausgeglichen, jetzt ist er von allem genervt und will endlich wieder in die Schule“, sagt Markus Schulz. Und Kristina Schulz fügt hinzu, dass langsam auch körperliche Beschwerden wie „Kopfschmerzen nach langer Zeit auf den Bildschirm starren und Rückenschmerzen“ auftreten. Soziale Kontakte fehlen dem Zehnjährigen, und wenn die Technik nicht funktioniere, verspüre er Druck. „An die Kinder denkt kein Mensch“, bedauert Mutter Kristina, dabei gehe es bei der Schulbildung doch gerade um sie.

Remscheid: Ferienzeiten sollten verkürzt werden, um Stoff aufzuholen

An den freien Tagen wie etwa am Rosenmontag, an denen viele Eltern weiter arbeiten, müsse dann zusätzlich Beschäftigung für die Kinder gesucht, Betreuung organisiert oder bei aufgeschobenen Aufgaben geholfen werden. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das bei anderen Familien ist, die nicht die Möglichkeiten haben wie wir. Das ist nicht Sinn der Sache“, sagt Kristina Schulz.

„Es wäre wichtig, dass die beweglichen Feiertage, pädagogische Tage und Ferienzeiten soweit verkürzt werden oder ausfallen wie möglich“, nennt Markus Schulz seine Bitte. Denn auch ohne zusätzliche freie Tage fehle es den Kindern mittlerweile an inhaltlichem Stoff, den die Eltern mit den Kindern dann wieder aufholen müssen. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Eltern“, so der Familienvater.

Aber das Homeschooling habe auch gute Seiten: „Die Kinder sind bereits jetzt fit am PC“, sagt Kristina Schulz, und Markus Schulz fügt hinzu, dass die Familie nun täglich gemeinsam zu Mittag essen kann. Aber das sei, auch wenn das Homeschooling besser laufe als gedacht, nur ein kleiner Trost. „Es wäre schön gewesen, wenn von Anfang an versucht worden wäre, die Schulen offenzuhalten“, zieht Markus Schulz das Fazit des Homeschoolings.

Hintergrund

Die Weihnachtsferien an den Schulen begannen zwei Tage eher als geplant. Auch als Ausgleich dafür stand es laut Schulministerium NRW den einzelnen Schulen offen, die beweglichen Ferientage um Karneval zu verschieben oder wegfallen zu lassen. Die Remscheider Schulen haben sich aber für unterrichtsfrei an diesen Tagen entschieden. Das kam nicht bei allen Eltern gut an.

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