RGA vor Ort

Familienbetrieb setzt auf „Einkaufen wie früher“

Ulrich Obodzinski und Kevin Buschhaus führen den neuen Frischmarkt an der Theodor-Körner-Straße. Das ist für beide mit viel Arbeit verbunden. Aber der Einsatz lohnt sich, und die Kunden auf dem Stadtkegel sind ihnen dankbar. Foto: Roland Keusch
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Ulrich Obodzinski und Kevin Buschhaus führen den neuen Frischmarkt an der Theodor-Körner-Straße. Das ist für beide mit viel Arbeit verbunden. Aber der Einsatz lohnt sich, und die Kunden auf dem Stadtkegel sind ihnen dankbar.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Nahkauf und andere Discounterketten kehrten der Innenstadt den Rücken. Aber geschäftstüchtige Remscheider füllen die Versorgungslücke - und zeigen, dass Erfolg eben auch anders geht.

Remscheid. Frische Backwaren führen sie nicht. Mit Rücksicht auf die Bäckerei von schräg gegenüber. „Die sollen auch ihr Auskommen finden“, sagen Ulrich Obodzinski und Kevin Buschhaus. Die beiden Chefs im Frischmarkt an der Theodor-Körner-Straße sagen damit einiges über den Geist, der im Geschäftsquartier rund um die Hindenburgstraße weht. Zwar muss sich am Ende des Tages das Aufschließen des Ladens gerechnet haben. Doch vom Gewinnstreben der großen Konzerne und Ketten sind die Ladenbetreiber weit entfernt. „Sonst würde es auch nicht funktionieren“, sagt Ulrich Obodzinski.

Der 63-jährige Remscheider weiß, wovon er spricht. Vor sechs Jahren baute er mit seiner Partnerin Regine Buschhaus an der Baisieper Straße den ersten Frischmarkt Remscheid auf. Und zwar in Räumen, die die Discounterkette Nahkauf zuvor verlassen hatte. Lange hatte Regine Buschhaus als Verkäuferin für das Unternehmen gearbeitet. Nun übernahm sie den geräumten Laden und die Stammkundschaft gleich mit.

„Einkaufen wie früher“, umschrieb die Gründerin im Gespräch mit dem RGA damals ihr Konzept: „Wir geben Tipps für jedes einzelne Lebensmittel, wir packen die Sachen ein und bringen sie den Kunden auf Wunsch auch nach Hause. Und: Man darf sich auch gern mit uns unterhalten.“

Familie eröffnete in Remscheid weiteren Frischmarkt

Das kam bei den Menschen an, weshalb die Familie ihr Ladenkonzept vor vier Monaten nach Alt-Remscheid exportierte und dort einen weiteren Frischmarkt eröffnete. Auch an der Theodor-Körner-Straße beseitigten die Unternehmer damit einen Leerstand, den Nahkauf dort hinterlassen hatte. Und nicht nur dort.

In kurzen Abständen trennte sich der Rewe-Konzern, zu dem Nahkauf gehört, von Filialen auch am Markt, am Hasenberg und in Hasten. Mangelnde Rentabilität nannte Rewe damals als Grund. Erfolgreiche Märkte müssten mindestens 800 Quadratmeter groß sein, besser mehr als 1000. Und nicht 350 Quadratmeter klein, wie die Räume an der Theodor-Körner-Straße, in der zudem die Parkplätze fehlen, die die meisten Einkäufer heute für den wöchentlichen Großeinkauf brauchen.

Der Familie Buschhaus reicht der Platz. 34 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen sie heute in ihren beiden Geschäften, darunter viele Teilzeitkräfte und Minijobber.

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Dankbar sind vor allem die Kunden. 600 sind es im Durchschnitt am Tag, die das Team an der Theodor-Körner-Straße begrüßt, 700 in der Baisieper Straße. Sabine Möller ist eine davon. „Ich bin heilfroh, dass es diesen Markt gibt“, sagt sie. „Wo sollen die Leute denn sonst einkaufen? Vor allem die, die ohne Auto sind?“

Schließlich war Nahkauf nicht die einzige Lebensmittelkette, die sich aus Remscheid verabschiedete. Von der Daniel-Schürmann-Straße verschwand der Netto und der Kaufpark von der Elberfelder Straße. Als Letztes schloss der Real im Allee-Center, weshalb sich insbesondere für ältere Remscheider eine echte Versorgungslücke auftat. Am Telefon des RGA wurden die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten zum regelmäßig wiederkehrenden Thema.

Nun will ein neuer Anbieter die Lücke schließen. Für den 19. Juli kündigt Penny die Eröffnung einer neuen Filiale auf der oberen Alleestraße an. Ulrich Obodzinski und Kevin Buschhaus beunruhigt der Mitbewerber nicht. Sie setzen auf die Stärken, die sie gegenüber den Ketten auszeichnen. Das heißt unter anderem: Haben wir nicht, gibt´s bei ihnen nicht.

„Wo sollen die Leute denn sonst einkaufen - ohne Auto?“

Sabine Möller, Kundin

„Natürlich kann es sein, dass wir ein Produkt nicht führen“, sagt Kevin Buschhaus. Lebensmitteln aus der veganen Küche zum Beispiel, die auf dem Stadtkegel übrigens häufiger nachgefragt werden als an der Baisieper Straße. Aber, sagt der 27-jährige Juniorchef: „Wenn wir etwas nicht haben, dann besorgen wir es eben.“

120 Lieferkunden zählt das Frischmarkt-Team außerdem. Überwiegend sind es ältere Menschen, die nicht mehr selbst aus dem Haus kommen. Für sie erfüllen Ulrich Obodzinski, Kevin Buschhaus und Co. längst eine soziale Funktion. „Die Menschen freuen sich darauf, am Telefon ihre Lebensmittel zu bestellen. Viele Ältere haben sonst niemanden zum Reden.“

Stadtteilserie

Auftakt: In der ersten Ferienwoche steht Alt-Remscheid im Fokus der Stadteilserie 2021. Der RGA freut sich über Hinweise. Kontakt gibt es unter Tel. 02191/909-211. Oder per E-Mail: redaktion@rga.de

Fortsetzung: Lennep steht vom 12. bis 17. Juli im Mittelpunkt, Hasten vom 19. bis 24. Juli, Lüttringhausen vom 26. bis 31. Juli und Süd vom 2. bis 7. August.

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