Ab 1. Mai

Familienbetreuer sichern Hebammen-Standort

Diese Räume werden sie sich nun teilen: (v. l.) Maik Osterode und Uta Wiesemann von „Mi Casa – Dein zu Hause“ sowie die Hebammen Melina Hill und Nicole Bornschier in ihrer Lenneper Hebammenpraxis an der Kölner Straße. Foto: Tim Oelbermann
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Diese Räume werden sie sich nun teilen: (v. l.) Maik Osterode und Uta Wiesemann von „Mi Casa – Dein zu Hause“ sowie die Hebammen Melina Hill und Nicole Bornschier in ihrer Lenneper Hebammenpraxis an der Kölner Straße.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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„Mi Casa – Dein zu Hause“ steigt in Lenneper Praxis als Untermieter ein – So können Kurse fortgeführt werden.

Remscheid. Den Bedarf der Mütter und Väter können die Hebammen Melina Hill (28) und Nicole Bornschier (29) kaum noch decken. Denn viele Hebammen gibt es nicht mehr in Remscheid. „Der Beruf ist für viele nicht mehr lukrativ genug“, sagt Melina Hill. Ein Job mit Herzblut. „Man ist als Hebamme nicht nur mittendrin in der Familie, sondern auch eine halbe Therapeutin“, sagt Nicole Bornschier. „Es ist eben auch ein einschneidendes Erlebnis im Leben einer Frau“, sagt Melina Hill. Und dabei entstehen viele Fragen, kommen vielleicht auch Ängste auf. Die Lenneper Hebammen sind dabei die Begleiterinnen der Familien in dieser wichtigen Phase. „Wir waren auch die einzigen, die im Lockdown noch kamen“, betont Nicole Bornschier.

Vor drei Jahren haben die beiden Lenneperinnen die Lenneper Hebammenpraxis in der Kölner Straße 110 eröffnet. Ihr Einzugsgebiet umfasst Remscheid, Radevormwald, Hückeswagen, Ronsdorf, Beyenburg. Mittlerweile sind sie zu zweit, wobei Melina Hill gerade in Elternzeit ist. Das Angebot umfasst Beratung, die Vor- und Nachsorge, Akupunktur, Taping sowie Geburtsvorbereitungs-, Rückbildungs- und Erste-Hilfe-am-Kind-Kurse in der Praxis. Doch wegen Corona standen diese Kurse plötzlich vor dem Aus.

Kurse lohnen sich finanziell nicht mehr

Während früher 20 werdende Mamis und Papis beim Geburtsvorbereitungskurs in die hübsch eingerichteten 40 Quadratmeter passten, sind es jetzt nur noch 6. Es lohnt sich kaum noch. „Es möchte auch niemand mehr diese Enge“, sagt Bornschier. „Rückbildung lohnt sich finanziell ohnehin eigentlich nicht, es ist fast ein Minusgeschäft“, erklärt Melina Hill. Und Online-Kurse wolle niemand. Also entschlossen sich die beiden Frauen dazu, ohne Kurse weitermachen – und suchten im Internet einen Nachmieter für die Räume in der Kölner Straße 110. Der Mietvertrag läuft schließlich noch zwei Jahre.

Über diese Anzeige stolperte Uta Wiesemann (42). Die Inhaberin der Familien- und Seniorenbetreuung „Mi Casa – Dein zu Hause“ war nämlich gerade auf der Suche nach Kursräumen. „Ich habe sofort in der Hebammenpraxis angerufen und gefragt: Wollt ihr aufgeben? Warum?“, erzählt die Lüttringhauserin. Nachdem ihr Melina Hill die Situation geschildert hatte, fasste die gelernte Krankenschwester einen Entschluss: „Lasst uns doch gemeinsame Sache machen.“ Denn Aufgeben sei keine Option gewesen, sagt Uta Wiesemann. „Hebammen und die Kurse für Familien sind einfach unfassbar wichtig.“

Ab sofort teilen sich die Hebammen und „Mi Casa“ die Räume und somit auch die Kosten. Für beide eine Win-Win-Situation. Vormittags kommen die Mamas und Papas, nachmittags wird die Familien- und Seniorenbetreuung, die insgesamt 90 Mitarbeiter an vier Standorten hat, hier erstmals Schulungen anbieten. Am 1. Mai soll es losgehen.

Wir kämpfen dafür.

Uta Wiesemann über Antragstellungen für Familien-Hilfen

„Wir möchten zum einen unsere Mitarbeiter im Umgang mit zu pflegenden Personen schulen, denn die Kommunikation ist das A und O in diesem Beruf“, sagt Pflegedienstleiter Maik Osterode (43). Zum anderen soll es auch kostenfreie Fortbildungen für pflegende Angehörige geben. Diese zahlt die Pflegekasse. Im zweiten Halbjahr sollen Erste-Hilfe-Kurse dazukommen. Der Vorteil: Der Standort ist gut erreichbar, auch per Bus, selbst vom Umland aus. Die Haltestelle ist direkt vor der Tür.

Es gibt bereits einige Ideen, wie sich Hebammen und „Mi Casa – Dein zu Hause“ ergänzen oder austauschen könnten. Denn es ergeben sich Schnittmengen. „Wenige wissen zum Beispiel, dass Familien mit Zwillingen einen Anspruch auf Haushaltshilfe haben“, sagt Osterode. „Wir kämpfen dafür“, sagt Uta Wiesemann, die sich auf die Bereiche Demenz, ADHS und Asperger spezialisiert hat und selbst Mutter ist. „Viele Frauen verlieren auch ein Kind, das ist gar nicht so selten. Hier könnte ,Mi Casa‘ helfen“, sagt auch Hebamme Nicole Bornschier.

„Mi Casa – Dein zu Hause“ steht für die stundenweise, nicht-medizinische Unterstützung von hilfs- und pflegebedürftigen Familienmitgliedern jeden Alters sowie für die Entlastung der pflegenden Angehörigen. So hilft das Team bei den Hausaufgaben, geht schon mal mit Kindern auf den Spielplatz, um Eltern zu entlasten oder begleitet auch so manche Familie auf einem schweren Weg. „Wir haben leider oft auch junge Mütter, die wir in den Tod begleiten“, sagt die Inhaberin der Familien- und Seniorenbetreuung.

Dieses Thema möchten Uta Wiesemann und Maik Osterode aus der Tabuzone herausholen. In den hübsch eingerichteten und heimeligen Räumen der Lenneper Hebammenpraxis haben sie dafür nun den passenden Rahmen.

Kontakt

Lenneper Hebammenpraxis: Da die Hebammen oft unterwegs sind, empfiehlt es sich, Kontakt per E-Mail aufzunehmen: lenneper-hebammenpraxis@gmx.de.
www.lenneper-hebammenpraxis.de

Mi Casa: Der Familien- und Betreuungsdienst „Mi Casa – Dein zu Hause“ ist erreichbar unter Tel. (0 21 91) 4 37 34 97 oder per E-Mail: info@mcdzh.de.
www.mi-casa-deinzuhause.de

Lesen Sie auch: Sana-Klinikum führt Hebammen-Visite ein.

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