Radfahren in Remscheid

Familie Evertz: „Das Lastenrad ist unser Auto“

So fahren sie nicht nur in die Kita, sondern auch einkaufen: Matthias Evertz (35) mit Armin (4, l.) und Richard (6) im Lastenrad.
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So fahren sie nicht nur in die Kita, sondern auch einkaufen: Matthias Evertz (35) mit Armin (4, l.) und Richard (6) im Lastenrad.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Mit dem Lastenrad fährt Familie Evertz nicht nur in die Kita, sondern auch einkaufen.

Remscheid. Eine Palette mit Milchkartons auf der einen Bank, der sechsjährige Richard auf der anderen, Gemüse und Obst in die Ritzen gesteckt und alles andere in die Packtaschen verstaut: So fährt Matthias Evertz (35) oft vom Aldi und Edeka an der Kölner Straße bis nach Hause in die Bermesgasse - mit dem Lastenrad der Familie. „Das ist mein Auto“, erklärt der Lenneper, der Verfahrensentwickler bei der Oerlikon Barmag ist. Und die Jungs haben ihren Spaß: Papa bringt sie nämlich auch mit der grünen „Radkutsche“ zur Kita, zum Sport oder zu Freunden - natürlich immer mit Helm auf dem Kopf und angeschnallt, das ist hier Pflicht. Dank eines kräftigen Elektromotors kommt das 60-Kilo-Gefährt dabei auch leicht die bergischen Berge hoch. Und wenn’s regnet, baut Papa einfach das Verdeck drauf. Eine Fahrt auf der quietschgrünen Lasten-Kutsche macht übrigens auch Erwachsenen Spaß. . . Reichweite, selbst beladen: 50 Kilometer. So fuhr Evertz auch bereits nach Solingen.

Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 200 Kilo - davon muss man das Gewicht des Fahrers abziehen. „Ich darf vier Kinder angeschnallt transportieren, Erwachsene gingen beliebig.“ Nur sind da gewichtstechnisch natürlich Grenzen gesetzt, wenn man Rad und Fahrer schon abzieht. „Es passen übrigens auch zwei Kästen Bier drauf“, erzählt Matthias Evertz lachend. Das werde er nämlich immer wieder gefragt. Die Nachbarn und die Lenneper kennen den Mann auf dem 2,71-Meter-Rad bereits. Angesprochen wird er oft. Er wisse aber von mindestens zwei weiteren Lastenradfahrer allein in Lennep. Das Thema boome - was auch die Fahrradhändler im Bergischen bestätigen.

„Das Auto ist gesellschaftlich anerkannter.“

Matthias Evertz (35)

Für Matthias Evertz, der auch am „Runden Tisch Radverkehr“ und an der „Kidical Mass“ teilgenommen hat, steht hierbei klar der Umweltgedanke im Vordergrund. Weil seine Frau Frauke (34) mit dem Auto nach Düsseldorf zur Arbeit muss, setzt die Familie statt auf den Zweitwagen auf das Lasten-E-Bike. „Ich finde sowieso: Für alle Strecken unter fünf Kilometer braucht man kein Auto.“ Ja, die „Radkutsche“ sei in der Anschaffung zwar fast so teuer wie ein gebrauchter Kleinwagen, gibt der 35-Jährige zu. „Aber dafür hat es keine laufenden Kosten.“ Ein Auto koste Steuer, Versicherung, Sprit. Der Denkansatz sei auch falsch, das Rad immer mit dem Auto gleichzustellen, meint der Fahrrad-Fan, der aber auch mit dem Auto in den Urlaub fährt. „Das Auto ist nur einfach gesellschaftlich anerkannter.“

Zum Thema „Natürlich nachhaltig“

Das zeige auch die Infrastruktur, die im Bergischen noch nicht wirklich auf Radfahrer ausgelegt sei. Und irgendwie immer nur lokal gedacht werde. Fahrradwege enden im Nirgendwo, Gehwege sind zugeparkt, Überwege zu klein.

Matthias Evertz muss nicht nur ein guter Radfahrer sein, um auch in Kurven das richtige Handling mit dem schweren Gefährt zu beweisen, sondern auch ein Handwerker. Denn die „Radkutsche“ kann niemand mal eben ins Auto laden, wenn sie kaputtgeht. „Am Glascontainer hier am Rewe in Lennep liegen eigentlich immer Glasscherben. Schon zwei Mal habe ich mir die Reifen dort zerstört.“ Dann muss der Remscheider selbst Hand anlegen. Auch die Abstellmöglichkeiten sind begrenzt, vor allem vor den Supermärkten. Zum Glück haben die Evertz eine große Garage. Dort parken auch die Räder der Kinder - die sind nämlich jetzt schon extrem umweltbewusst.

Wo bekomme ich ein Lastenrad?

Bei folgenden Läden:

e-motion E-Bike Welt, Büchelstraße 54-58, Hasten, Tel. (0 21 91) 4 37 25 15;

Radsport Nagel, in der Filiale in Rade: Leimholer Straße 1-3, Radevormwald, Tel. (0 21 95) 6 89 76 14

Zweirad-Center Lambeck, Braunsberger Straße 2, Wermelskirchen, Tel. (0 21 96) 8 98 95 72.

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