Die Stadt lehnt Vorhaben ab

Fahrradbox in Wohnsiedlung gewünscht

Julia Pfläging wünscht sich eine Fahrradbox in ihrer Wohnsiedlung. Dafür würde sie auch bezahlen. Foto: Roland Keusch
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Julia Pfläging wünscht sich eine Fahrradbox in ihrer Wohnsiedlung. Dafür würde sie auch bezahlen.

RGA-Leserin Julia Pfläging wünscht sich private Abstellmöglichkeiten zum Mieten.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Ihr Auto hat RGA-Leserin Julia Pfläging zugunsten eines E-Bikes abgeschafft. Nun sucht sie verzweifelt nach einer Abstellmöglichkeit für ihr Rad. Besaß sie zuvor einen Anwohnerparkausweis für ihr Auto, das an der Straße parkte, möchte sie ihr Rad ungern an einem Laternenpfahl festbinden – zu wenig geschützt ist es dort vor Vandalismus und Witterungseinflüssen, erklärt sie. In ihrem Mietshaus kann sie das E-Bike nicht unterbringen.

Kurzum kam ihr die Idee, bei der Stadt nach öffentlichen oder privaten Fahrradboxen im Wohngebiet zu fragen, die sie für den Preis eines Anwohnerparkausweises anmieten könnte – denn selbstverständlich sei sie bereit, für den Stellplatz zu zahlen. „Es ist ungerecht, dass Autos überall abgestellt werden dürfen, aber Fahrradboxen nicht“, sagt sie.

Die Stadt wiegelte ihre Anfrage aber ab. „Die Idee ist eigentlich ganz charmant“, erklärt Nikita Brilovics, Zuständiger für die Verkehrsplanung und den ÖPNV der Stadt Remscheid. Das Problem: Öffentlicher Raum kann Privatpersonen nicht zur Verfügung gestellt werden. „Der muss jedem zur Verfügung stehen“, sagt Brilovics. Zudem wiege der Allgemeinnutzen mehr als der Wunsch einer einzelnen Person. Und: Oft gebe es mehr Anwohnerparkausweise als Parkplätze. Der Parkausweis garantiert also nicht unbedingt einen Parkplatz. Das Aufstellen von Fahrradboxen in der Stadt ist dennoch geplant. Zehn Boxen sollen voraussichtlich ab Oktober am Bahnhof Lennep stehen. Einen Förderantrag hat die Stadt dafür beim VRR gestellt. Kurzzeit- und Langzeitmiete sollen dann möglich sein, die Kosten der Kurzzeitmiete liegen bei einem Euro pro Tag und sind durch den VRR vorgegeben. „Das ist vor allem für Pendler interessant, die ihr Rad am Bahnhof abstellen und dann mit dem Zug weiterfahren“, sagt Brilovics.

Ein Punkt, der Julia Pfläging fuchst. „Wenn mein Auto vor’m Haus steht und ich, um an mein Fahrrad zu kommen, erst zum Bahnhof gehen muss – ist das bequem? Reizt das, das Auto zu verkaufen und auf’s Fahrrad umzusteigen? Eher nicht“, sagt sie und blickt damit kritisch auf die angestrebte Verkehrswende.

Die Frage nach Fahrradboxen ist aber auch eine Frage der Finanzen: Wenn die Anwohner zumeist selbst die Möglichkeit hätten, ihre Räder unterzustellen, sei niemand bereit, Geld für Fahrradboxen zu zahlen, sagt Brilovics.

Reizt das, das Auto zu verkaufen und auf’s Fahrrad umzusteigen?

Julia Pfläging über die Fahrradboxen am Bahnhof

Werden die Fahrradboxen am Bahnhof Lennep gut genutzt, könnten auch die anderen Bahnhöfe ausgestattet werden. Auch die Alleestraße biete sich als Standort an. Dort halten sich die Menschen ebenfalls länger auf.

Nahe des Bahnhofs gibt es bereits Abstellmöglichkeiten für Räder: Philipp und Hermann Utzat vermieten im Innenhof des Gebäudekomplexes, in dem früher die Gaststätte Harmony untergebracht war, Stellplätze für Fahrräder. In abschließbaren Garagen haben sie Fahrradständer auf dem Boden und spezielle Aufhängevorrichtungen an den Wänden angebracht.

50 Radbügel hat die Stadt zudem bestellt, die Ausschreibung läuft aktuell. „Wir haben bewusst vorgeschlagen, dass dafür ein Autostellplatz umgenutzt wird“, sagt Brilovics. Der Platz eines Autos biete Raum für drei oder vier Radbügel, an denen sechs bis acht Räder stehen könnten. Aufgestellt werden sollen die Bügel an stark frequentierten Standorten, beispielsweise an Supermärkten oder Schulen. Finanziert werden sie über die Radverkehrsmittel. Genaue Kosten seien noch nicht abschätzbar, der Preis eines Bügels liege aber zwischen 200 und 300 Euro.

Bei der aktuell laufenden Deckensanierung der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) – der RGA berichtete – werde der Radverkehr gleich mitberücksichtigt. Das erspare Zeit und Kosten, sagt Nikita Brilovics. So werden Schutzstreifen an der Lindenallee/Lüttringhauser Straße eingeplant. Die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr sei derzeit in der Planung. Auch die Verlängerung der Balkantrasse sei in der Diskussion. Die Stadt plant zudem eine repräsentative Haushaltsbefragung, die noch in diesem Jahr starten soll, um den Bedarf der Remscheider zu erfragen. Denn erst, wenn das Fahrradfahren in Remscheid populärer wird, können Pläne auch schneller umgesetzt werden. Genau darauf hofft Julia Pfläging: Mitstreiter zu finden.

Mobilstationen

Ganze Mobilstationen könnten in Remscheid entstehen – Knotenpunkte, an denen verschiedene Verkehrsmittel aufeinandertreffen: Zug, Bus, P+R-Anlage und zukünftig auch E-Ladestationen und Fahrradboxen. Zehn Standorte in Remscheid wurden schon identifiziert, sagt Nikita Brilovics. Der Bahnhof Lennep erfülle die Kriterien beispielsweise schon, müsse nur noch als Mobilstation vermarktet werden. „Das trägt alles zur Verkehrswende bei“, sagt Brilovics.

Standpunkt: Nur in kleinen Schritten

Von Michael Albrecht

michael.albrecht@rga.de

Der Umwelt und den nachfolgenden Generationen zu Liebe ist der Umstieg auf das Fahrrad gewünscht und sinnvoll. Und mit den E-Bikes wird auch eine Stadt Remscheid mit ihren zahlreichen Steigungen attraktiver für Radfahrer. Und das ist gut so. Aber es darf nicht verkannt werden, dass es gerade auch die Topographie ist, die den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad in den bergischen Städten in der Vergangenheit nicht gerade gefördert hat. Die Radfahrer haben auch deshalb über Jahrzehnte nur eine marginale Rolle bei der Stadtplanung gespielt. Doch die Zeichen haben sich geändert. Deshalb haben Städte wie Remscheid jede Menge nachzuholen, um für die zunehmende Zahl der Radler eine bessere Infrastruktur zu schaffen. Und das Bemühen ist da. Doch es können keine Wunder erwartet werden. Geld im städtischen Haushalt fehlt an allen Ecken. Deshalb wird es nur langsam und in kleinen Schritten vorwärtsgehen. Das gilt auch für Fahrradparkplätze in den Wohngebieten. Da werden die Radbesitzer sich vermutlich noch lange in Geduld üben müssen.

37 von 41: Das ist der Rang, den Remscheid beim Fahrradklima-Test 2020 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e. V. (ADFC) belegt.

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