Medizin

Fabricius-Klinik: Warum die Geriatrie wichtiger wird

Lejla Causevic ist seit Januar neue Chefärztin der Geriatrie an der Sana Fabricius-Klinik an der Brüderstraße.
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Lejla Causevic ist seit Januar neue Chefärztin der Geriatrie an der Sana Fabricius-Klinik an der Brüderstraße.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Das Sana-Haus sieht sich in Bezug auf den neuen Krankenhausplan gut aufgestellt.

Remscheid. Das Land NRW richtet seine Krankenhausplanung neu aus. Diese ist die Grundlage für die flächendeckende stationäre medizinische Versorgung. Der Krankenhausplan gibt die Rahmenbedingungen vor, die ein Krankenhaus erfüllen muss, damit es einen Versorgungsauftrag erhalten kann. Und rückt damit die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten noch stärker in den Mittelpunkt. Diese Spezialisierung der Häuser begrüßt auch die Geschäftsführung der Sana Fabricius-Klinik Remscheid - bietet sie doch seit 2012 einen ganz besonderen Schwerpunkt: die Geriatrie mit ihrem angeschlossenen Gelenkzentrum Bergisch Land. Was das Haus an der Brüderstraße bietet und was die Altersmedizin ausmacht, erklären die neue Chefärztin Lejla Causevic und die Geschäftsführerin Ines P. Grunewald.

An Patienten welches Alters richtet sich die Geriatrie?

Ab 70 Jahren gilt ein Mensch als geriatrischer Patient. In manchen Fällen wird der Patient auch ab 65 als solcher aufgenommen – wenn zum Beispiel zahlreiche Vorerkrankungen vorliegen.

Was sind die typischen Alterserkrankungen?

Ein Sturz ist die häufigste Ursache, warum Patientinnen und Patienten in der Fabricius-Klinik behandelt werden, sagt Lejla Causevic. Aber auch viele Schlaganfall-Patienten, die vorher bei Prof. Sliwka im Sana-Klinikum behandelt wurden, würden oft zur Brüderstraße überwiesen. „Sie sind meist noch nicht soweit für eine Reha“, erklärt Causevic. In der Fabricius-Klinik erfolge dann zum Beispiel eine gezielte Ergotherapie. Aber auch die Folgeerkrankungen einer schweren Infektion wie eine Blutvergiftung oder nach Covid-19 würden hier behandelt. Ebenso kardiologische Probleme nach Herzinfarkt, Reanimation oder durchgemachter Beatmung.

Was zeichnet die Geriatrie in der Fabricius-Klinik aus?

Die Geriatrie am Standort in Alt-Remscheid gibt es seit 2012. Seit sechs Jahren ist sie zertifiziert, sagt Ines P. Grunewald. Hier werden überwiegend postoperative Patienten, aber auch solche mit internistischen Problemen, behandelt. Denn nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt hätten viele ältere Menschen motorische Probleme, kämen nicht mehr gut im Alltag zurecht. „Unser Ziel ist es, den Patienten wieder so aufzubauen und zu unterstützen, dass er nach einem Bruch oder Erkrankung wieder ins häusliche Umfeld zurück kann“, erklärt Causevic. Die Altersmedizin passe sich hierbei immer dem Patienten an – und sehe den Menschen ganzheitlich. Denn Senioren brächten viele Erkrankungen mit – hier gelte es, übergreifend zu arbeiten. Dazu gibt es in der Fabricius-Klinik drei Mal die Woche eine interdisziplinäre Besprechung mit allen beteiligten Ärzten, Therapeuten und dem Pflegepersonal. „So intensiv setzt sich sonst keine andere medizinische Disziplin mit dem Patienten auseinander“, betont Grunewald. Zudem arbeite man eng mit dem Gelenkzentrum, Orthopäden und dem Sana Krankenhaus in Radevormwald zusammen und stimme sich je nach Fall ab, welches Haus am besten geeignet ist.

Wie sieht ein klassischer Therapieverlauf aus?

Beispiel: Ein Mensch stürzt und bricht sich die Hüfte. Er erhält dann während einer Operation eine neue Hüfte, die mit einem Nagel fixiert wird. Der ältere Patient hat aber auch eine Nieren- und Herzschwäche, nach der OP hat sich beides noch verschlechtert. „Wir passen dann die Medikamente an, versuchen, die Blutung zu kompensieren“, erklärt Causevic. Zudem verfüge die Fabricius-Klinik über eine aktivierende Pflege. Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, ein psychologischer Dienst stehen bereit. Sie alle arbeiten interdisziplinär zusammen und erstellen ein individuelles Behandlungskonzept, das mehrmals die Woche überprüft wird. Eine gründliche Diagnostik steht im Mittelpunkt. Pluspunkt: Die Klinik verfügt über eine Tagesklinik, die am 6. Februar wieder geöffnet wird. „Viele Ärzte überweisen einen Patienten auch hier hin, um überprüfen zu lassen, welches Potenzial der Patient hat und wo man unterstützen könnte“, erklärt die Chefärztin.

Wie lange ist die Verweildauer?

In der Regel zwei bis drei Wochen. Manchmal komme es vor, dass der Patient noch eine Therapie dranhängen möchte. Dann sei die Tagesklinik ein guter Zwischenschritt. Denn so könne der Patient wieder zu Hause schlafen und essen, erhalte aber von 9 bis 15 Uhr eine dichte Therapie in der Klinik. Das erleichtere älteren Menschen oft den Wiedereinstieg ins gewohnte Leben. „Oft können wir dann auch gezielt Übungen zeigen und auf Probleme, die sich plötzlich im Alltag daheim aufgetan haben, reagieren“, sagt Grunewald.

Wie sieht die Geriatrie der Zukunft aus?

„Die Menschen werden zunehmend älter. Der Bedarf nach Altersmedizin wird immer größer. Wir brauchen also viel mehr Geriater“, betont Causevic. Solche, die den Menschen als Ganzes sehen – und nicht nur Lunge, Herz oder Niere getrennt betrachten. „Viele neue Lebensweisen haben auch viele neue Erkrankungen mit sich gebracht – wir haben es zum Beispiel mit mehr Übergewicht und mehr Diabetes zu tun“, erklärt Causevic. Die Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie legte selbst 2015 die Geriatrie-Fachprüfung ab. Als neue Chefärztin möchte sie die Kooperationen mit Hausärzten und Kliniken weiter ausbauen. Ines P. Grunewald plädiert dafür, Patienten bereits ab 65 behandeln und abrechnen zu dürfen.

Zur Person und zur Klinik

Lejla Causevic: Die Wuppertalerin studierte Medizin in Bochum. Die Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie arbeitete zunächst bis 2013 bei Prof. Dr. Burkhard Sievers und Prof. Uwe Wiegand am Sana-Klinikum Remscheid, wechselte 2013 in die Sana Fabricius-Klinik. Nach zwei Jahren Weiterbildung legte sie die Geriatrie-Fachprüfung ab. Nach der Position als Oberärztin wurde sie leitende Oberärztin. Seit 1. Januar ist sie Chefärztin der Inneren Medizin/Geriatrie.

Fabricius-Klinik: Sie verfügt über 95 stationäre und 10 teilstationäre Betten, von denen ungefähr die Hälfte der Klinik für Innere Medizin/Geriatrie und den orthopädischen Belegärzten zugeordnet sind. Seit Mai 2012 werden zudem in der Tagesklinik für Geriatrie mit bis zu 12 Plätzen etwa 150 Patienten pro Jahr betreut. 170 Mitarbeiter versorgen jährlich 3000 stationäre Patienten und führen über 2200 OPs durch. Abgerundet wird das medizinisch-therapeutische Leistungsspektrum durch Anästhesiologie, Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und Psychologischem Dienst.

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