Expertin gibt Tipps

So werden Frauen im Job wahrgenommen

Die gebürtige Remscheiderin Caroline Krüll ist Coach, Speakerin und Autorin von fünf Ratgebern. Foto: Markus Nass
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Die gebürtige Remscheiderin Caroline Krüll ist Coach, Speakerin und Autorin von fünf Ratgebern.

Führungskräftecoach Caroline Krüll gibt Tipps, wie Mitarbeiterinnen erfolgreicher werden.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Bei der letzten Beförderungsrunde wurde sie wieder nicht berücksichtigt, sie fühlt sich von ihrem Chef nicht wahrgenommen, obwohl sie die fleißige Biene ist: Frauen wünschen sich den wohlverdienten Erfolg, trauen sich aber oft nicht, aus sich herauszugehen, weiß Caroline Krüll. Die gebürtige Remscheiderin ist Führungskräftecoach und gerngesehener Gast im Fernsehen. Im RGA gibt sie exklusive Job-Tipps für Frauen. „Ich möchte, dass Frauen aus sich herauswachsen und sich einfach besser zeigen können“, sagt sie.

Gender Pay Gap & Co.: Warum haben es Frauen in der Arbeitswelt schwerer als Männer?

„Frauen sollten sich in der Arbeitswelt viel mehr trauen, als sie es bisher tun“, findet Caroline Krüll. „Kennen Sie auch das beschämende Gefühl, wenn Sie zu Beginn eines Meetings Ihre tolle neue Idee präsentieren, die aber nicht gehört wird? Werden Sie dann auch so wütend, wenn ein Kollege dieselbe Idee 30 Minuten später noch mal präsentiert und der Chef applaudiert?“ Frauen sei nie beigebracht worden, wie die inoffiziellen Spielregeln in der Kommunikation funktionierten – beruflich wie privat. Das sei das große Problem. Dass Frauen Kinder bekämen, sei nun mal nicht zu ändern. „Aber was wir Frauen erlernen und ändern können, ist einen souveränen und eloquenten Auftritt zu haben, die inoffiziellen Regeln der Kommunikation kennenzulernen und sich bitte nicht mehr so klein zu machen“, sagt die Motivationstrainerin. Auch bei Gehaltsverhandlungen steckten Frauen oft zurück, weil sie sich nicht trauten, ihren Wert zu benennen.

Warum ist das so?

Frauen seien oftmals durch ihre Erziehung geprägt – bescheiden aufzutreten und fleißig die Arbeit zu verrichten. Schon in der Schulzeit falle auf, dass Mädchen viel mehr paukten als Jungen, letztere aber oft mehr gelobt würden, meint die Expertin. Das ziehe sich meist bis ins Erwachsenenalter durch. „Die Frau wird zur fleißigen Biene im stillen Kämmerlein, während der Mann öfter und lauter klappert“, weiß Krüll. Männer belegten daher auch öfter besser bezahlte Positionen. Krüll weiß aus ihrer Erfahrung mit Unternehmen aber auch: Viele Führungskräfte wünschen sich, dass gerade Mitarbeiterinnen mehr aus sich herausgehen.

Was muss ich tun, damit mich mein Chef mehr beachtet?

„Gehen Sie in Kontakt mit Ihrem Chef. Erzählen Sie ihm, an welchem Projekt Sie gerade arbeiten. Fragen Sie ihn ab und an nach seiner Meinung. Stellen Sie aber bitte nicht zu oft einfache Fragen, das bringt Ihnen keinen Vertrauensbonus, sondern eher den Unbedarftstatus“, erklärt Caroline Krüll. Zudem sollten Frauen in Meetings den Mund aufmachen. Viele Frauen sagten lieber gar nichts, weil sie denken, die Zeit gehe schnell um. Zudem seien sie oft genervt von männlichen Kollegen, die gerne einen Schlagabtausch über ihre Arbeit machten. „Falsch, meine Damen! Mischen Sie eloquent mit. Das kann sogar richtig Spaß machen“, sagt Krüll.

Und wie profitiert mein Chef von mir und meiner Arbeitskraft?

Ein Chef profitiere von initiativen Mitarbeitenden, die neue Ideen parat haben und sich einbringen. Schicht nach Plan werde nicht gerne gesehen und falle in der Wahrnehmung der Führungskraft unter „nett, unauffällig, aber langweilig“, weiß die Trainerin aus ihrer Erfahrung. „Kuchenbäckerin bei der nächsten Feier, muss ich mir nicht merken, fleißige Biene, die auch unbezahlte Überstunden macht, wird nicht bei der nächsten Beförderung berücksichtigt“, zählt Krüll als Beispiel auf. „Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht hart. Aber genau damit kommen Frauen zu mir, um sich unterstützen zu lassen.“

Wie schöpfe ich gerade jetzt während der Pandemie neuen Mut?

Corona und wenig Sonne könnten schon auf die gute Laune schlagen, gibt Krüll zu. Umso wichtiger sei daher die Eigenmotivation. Frauen sollten daher zuerst einmal herausfinden, was sie wirklich wollen – und was nicht. Wer im Job etwas ändern möchte, sollte mit seinem Chef sprechen – und neben Wünschen konkrete Schritte benennen. Und wer ganz neu und anders durchstarten wolle, sollte sich am besten Unterstützung holen.

Sollte ich mir Ziele setzen?

Unbedingt, sagt Krüll. Man solle sich fragen: Was möchte ich 2022 erreichen? Ziele sollten realistisch sein. Tipp der Expertin: „Wenn Sie die Karriereleiter hinauf wollen, fangen Sie an, Erfolge schriftlich jeden Tag festzuhalten. Dasselbe gilt für Gehaltserhöhungen.“

So kann jeder sein persönliches Ziel erreichen

Wie kann ich als Frau beruflich erfolgreich sein?

„Entschließen Sie sich dazu“, sagt die Motivationstrainerin. Weiterbildungen seien ein gutes Mittel, Übungen zur Persönlichkeitsentwicklung ebenso. „Und vertrauen Sie endlich auf Ihre eigenen Potenziale.“ Denn jeder Mensch könne irgendetwas besonders gut.

Zur Person

Die gebürtige Remscheiderin Caroline Krüll ist Führungskräftecoach, Speakerin, Körpersprache-Expertin und Autorin von fünf Jobratgebern. Sie arbeitet in ganz Deutschland und bietet Seminare in Berlin und Düsseldorf an. Ansonsten berät sie Unternehmen vor Ort. Zudem ist sie gerngesehener Gast in TV-Sendungen. Sie lebt in Berlin.

Seit Corona kommen vermehrt Frauen auf sie zu, die sich im Job nicht wahrgenommen fühlen, sagt sie. Daraus hat Caroline Krüll den Zehn-Wochen-Onlinekurs „Endlich sichtbar: glücklich, selbstbestimmt und erfolgreich“ konzipiert.

Alle Infos gibt es hier: https://endlich-sichtbar-caroline-kruell.de

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