Diskussionsabend

Expertenrunde: Lob und Tadel nach zwei Jahren Corona-Pandemie

Abstrich für einen Schnelltest.
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Abstrich für einen Schnelltest.

Experten diskutierten darüber, was zwei Jahre Pandemie mit uns gemacht haben – Kritik an den Corona-Maßnahmen.

Von Sabine Naber

Remscheid. „Was hat die Corona-Pandemie mit uns allen gemacht“ – um diese Frage ging es am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion im Vaßbendersaal am Markt. Unter der Überschrift „Endlich wieder reden“ hatte Pfarrer Siegfried Landau zahlreiche Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner eingeladen, die zunächst in einer Rückschau schilderten, wie sie die vergangenen zwei Jahre erlebt haben.

Dr. Frank Neveling, der 18 Jahre das Gesundheitsamt leitete, berichtete von den Anfängen der Pandemie.

Genau kann sich Dr. Frank Neveling, der 18 Jahre lang das Gesundheitsamt leitete, an den 29. Februar 2020 erinnern, an dem im Werkzeugmuseum ausgelassen gefeiert wurde. „Einen Tag später war dann durch Corona das schöne Leben vorbei. Aber Remscheid hat angemessen reagiert, die Maßnahmen schnell hochgefahren, so dass wir hier nicht solche Bilder hatten wie in Italien.“ Er habe gedacht, alles sei am Ende des Jahres 2020 vorbei. Mit einer zweiten, dritten und vierten Welle habe er nicht gerechnet. Als Optimist hofft er, dass mit den Osterferien auch die Inzidenzen runter gehen. Wichtig sei, die Daten auszuwerten, um Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

Krisen gehören mittlerweile zur Normalität, machte Psychologe Jochen Sahm deutlich.

„Alle waren betroffen, alle gingen auf Abstand, ich habe Solidarität gespürt. Und ein paar Monate später kam der Ruf zurück zur Normalität“, fasste es der Psychologe Jochen Sahm zusammen. Aber vor der Pandemie habe es die Flüchtlingskrise, davor die Finanzkrise, davor den Irakkrieg gegeben. Jetzt beschäftige alle der Krieg in der Ukraine. Krisen seien also Normalität. „Der Lockdown war für die Jüngeren ganz schlecht. Sie waren schwer betroffen, können aber auch besser damit umgehen. Für die Älteren war es so etwas wie der Vorruhestand.“

Dr. Johannes Luckhaus, Arzt aus Remscheid, sieht die Maskenpflicht auf der Alleestraße als überflüssig an.

Arzt Dr. Johannes Luckhaus machte klar, dass einige Maßnahmen zur Bewältigung der Pandemie überflüssig gewesen seien. Zum Beispiel die Maskenpflicht auf der Allee. „Wenn jemand Angst hat, muss das berücksichtigt werden. Aber es ist auch wichtig, sich die Fakten anzusehen. Jetzt zum Beispiel zu gucken, wie viele Kinder in den Schulen schon immun sind, weil sie trotz Maskenpflicht erkrankt sind.“

Pfarrer Axel Mersmann war froh, dass auf den Friedhöfen ein Abschiednehmen möglich blieb.

Den Begriff Gesundheitssystem könne er inzwischen nicht mehr hören, weil das gesellschaftliche Sparziel Menschenleben gekostet habe, sagte Pfarrer Axel Mersmann. „Ich habe Ohnmacht empfunden, weil ein Abschied nicht mehr möglich war. Bin aber dankbar, dass uns das Ordnungsamt auf den Friedhöfen in Ruhe gelassen hat. Denn nirgendwo wird so viel umarmt, wie am Grab.“

Journalist Horst Kläuser sah viele Menschen mit Studien konfrontiert, die sie nicht verstanden.

„Wir haben keinen guten Medizinjournalismus in Deutschland. Man wurde konfrontiert mit Studien, die viele nicht verstanden haben“, ist der Journalist Horst Kläuser überzeugt. Es sei fatal zu sagen, wir hätten Corona hinter uns, denn jeden Tag würden noch so viele Menschen sterben, wie in ein Flugzeug passen. „Wir sind hilflos da rein gestolpert, aber in unserer kleinen Stadt haben wir eine Menge richtig gemacht.“

„Wir sind hilflos da rein gestolpert, aber in unserer kleinen Stadt haben wir eine Menge richtig gemacht.“

Horst Kläuser, Journalist

Nach einer kurzen Pause holte Moderator Sammy Wintersohl, Theologe und Journalist, neben Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz auch Polizeioberrat Thomas Book, Verena Gerling, Schulleiterin der Grundschule Walther Hartmann, die Pfarrerin Sarah Kannemann und Katrin Becker, Managerin der City-Arkaden in Wuppertal, aufs Podium. „Sich für die Menschen Zeit nehmen, ihnen ein Stück Sicherheit geben, das ist der Anspruch unseres Krisenstabes“, erklärte der OB das Handeln der vergangenen zwei Jahre.

Derweil berichtete Polizeioberrat Book: „Wir sind überrascht worden von den Demos. Da wurden Netzwerke aus den Pegida-Zeiten genutzt“, sagt er und findet es erstaunlich, dass weder die Teilnehmer und oft noch nicht einmal die Anmelder solcher „Spaziergänge“ aus Remscheid kommen.

Ganz andere Probleme gab es dahingegen in der Schule: „Es war schwierig, mit den Eltern in Kontakt zu treten. Wir durften sie ja nicht in die Schule holen“, machte Verena Gerling deutlich. Und wünscht sich für die Zukunft eine lebendige Schule, an der auch Klassenfahrten wieder dazu gehören. „Wir müsse die Menschen wieder ein bisschen suchen, vieles ist in der Pandemie auf der Strecke geblieben“, berichtete Sarah Kannemann von ähnlichen Erfahrungen.

„Wir waren von allen Seiten betroffen. Im Lebensmittel-Einzelhandel waren die Mitarbeitenden ja extrem gefordert“, sagte Becker.

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